Ausbildungsplan erstellen, Inhalte, Aufbau, Beispiel und Vorlage

Ausbildung – Ausbildungsplan erstellen, Vorlage, Inhalte, Aufbau und Beispiel

Ein Ausbildungsplan bringt Struktur in die betriebliche Berufsausbildung und macht für Ausbilder sowie Auszubildende transparent, welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten wann, wo und durch wen vermittelt werden sollen. Er überträgt die Vorgaben des jeweiligen Ausbildungsrahmenplans auf die tatsächlichen Abläufe im Unternehmen. Auf der Bildungsbibel erfahren Sie, wie Sie einen betrieblichen Plan sinnvoll aufbauen, an verschiedene Ausbildungsberufe und Ausbilder anpassen und als praktisches Steuerungsinstrument während der gesamten dualen Berufsausbildung nutzen.

Ausbildungsplan erstellen: Vorlage, Inhalte, Aufbau, rechtliche Grundlagen, Beispiele und Tipps für Ausbilder in der dualen Berufsausbildung.
Ausbildungsplan Vorlage und Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der betriebliche Ausbildungsplan setzt den Ausbildungsrahmenplan auf die konkreten Bedingungen eines Unternehmens um.
  • Er sollte Ausbildungsinhalte, Zeiträume, Lernorte, verantwortliche Ausbilder, Methoden und Kontrollpunkte nachvollziehbar zuordnen.
  • Nach § 14 BBiG muss die Berufsausbildung planmäßig sowie zeitlich und sachlich gegliedert durchgeführt werden.
  • Der Plan darf betrieblich individuell gestaltet werden, muss aber die verbindlichen Inhalte der jeweiligen Ausbildungsordnung vollständig berücksichtigen.
  • Ein guter Ausbildungsplan ist kein starres Dokument, sondern wird bei begründeten Veränderungen angepasst und regelmäßig mit dem tatsächlichen Ausbildungsstand abgeglichen.

Vorlage für den Ausbildungsplan in Word und PDF herunterladen

Damit Sie nicht bei null beginnen müssen, können Sie die oben vorgestellte Vorlage für den Ausbildungsplan als Grundlage für Ihre betriebliche Ausbildungsplanung verwenden. Die Vorlage ist bewusst allgemein aufgebaut und lässt sich deshalb an unterschiedliche Ausbildungsberufe, Betriebsgrößen und Organisationsformen anpassen.

Enthalten sind unter anderem Bereiche für Stammdaten, Ausbildungsziele, Ausbildungsabschnitte, Zeiträume, Lernorte, Zuständigkeiten und Lernerfolgskontrollen. Zusätzlich unterstützt eine Verantwortungsmatrix die Zusammenarbeit, wenn mehrere Ausbilder oder Fachausbilder an der Vermittlung beteiligt sind. Dadurch erkennen Sie schnell, wer für bestimmte Lerninhalte oder Ausbildungsphasen zuständig ist.

Die Word-Vorlage eignet sich besonders für die individuelle Bearbeitung. Sie können beispielsweise den Ausbildungsberuf, betriebliche Einsatzbereiche, Lernziele, Zeitangaben und verantwortliche Personen direkt ergänzen oder verändern. Die PDF-Fassung eignet sich dagegen insbesondere zur Ansicht, internen Abstimmung, Dokumentation und Weitergabe einer bereits abgestimmten Version. Das PDF Muster dient Ihnen als Vorschauvariante.

Hinweis: Passen Sie die Vorlage immer an die aktuell gültige Ausbildungsordnung und den Ausbildungsrahmenplan des jeweiligen Ausbildungsberufs an.

So passen Sie die Vorlage an Ihren Betrieb an

Nutzen Sie die Vorlage zunächst als Master für Ihren Ausbildungsberuf. Übertragen Sie anschließend die verbindlichen Inhalte des jeweiligen Ausbildungsrahmenplans auf die tatsächlichen Abläufe in Ihrem Unternehmen. Ordnen Sie die Lernziele den passenden Abteilungen, Tätigkeiten, Zeiträumen und verantwortlichen Ausbildern zu.

Besonders sinnvoll ist es, für jeden im Unternehmen angebotenen Ausbildungsberuf eine eigene freigegebene Basisversion zu erstellen. Daraus können Sie anschließend den individuellen Ausbildungsplan für den jeweiligen Auszubildenden ableiten. So bleibt die Grundstruktur einheitlich, während beispielsweise Abteilungswechsel, Wahlqualifikationen, Berufsschulzeiten oder unterschiedliche Zuständigkeiten individuell berücksichtigt werden können.

Tipp der Bildungsbibel

Bewahren Sie neben der aktuellen Fassung auch vorherige Versionen des Ausbildungsplans auf. Dokumentieren Sie größere Änderungen an Zeiträumen, Lernorten oder Zuständigkeiten kurz im Änderungsprotokoll der Vorlage. Dadurch bleibt nachvollziehbar, wie sich die betriebliche Planung während der Ausbildung entwickelt hat.

Was ist ein betrieblicher Ausbildungsplan?

Der Ausbildungsplan ist die betriebliche Übersetzung des Ausbildungsrahmenplans. Während der Ausbildungsrahmenplan bundesweit vorgibt, welche beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in einem anerkannten Ausbildungsberuf vermittelt werden sollen, beschreibt die betriebliche Planung, wie diese Vorgaben im konkreten Unternehmen umgesetzt werden.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, beschreibt den Ausbildungsrahmenplan als Bestandteil der Ausbildungsordnung und als Grundlage für den betrieblichen Ausbildungsplan. Der Betrieb ordnet den vorgegebenen Lernzielen konkrete Tätigkeiten, Aufgaben, Zeitabschnitte und Lernorte zu. Weitere Informationen hierzu finden Sie beim BIBB zum Ausbildungsrahmenplan.

Damit wird der Ausbildungsplan zu einem verbindenden Instrument zwischen gesetzlichen Vorgaben und betrieblicher Praxis. Besonders wichtig ist dies, wenn mehrere Abteilungen, Niederlassungen, Fachausbilder oder externe Ausbildungsstätten beteiligt sind. Ohne klare Struktur besteht sonst das Risiko, dass einzelne Lerninhalte doppelt, zu spät oder gar nicht vermittelt werden.

Für wen ist die Planung besonders wichtig?

Ein Ausbildungsplan hilft nicht nur dem hauptverantwortlichen Ausbilder. Er schafft auch Orientierung für Fachausbilder, Ausbildungsbeauftragte, Personalabteilungen, Führungskräfte und den Auszubildenden selbst. Jeder Beteiligte kann erkennen, welche Ziele in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen und wer für die Vermittlung verantwortlich ist.

Welche rechtlichen Grundlagen müssen Betriebe beachten?

Die zentrale Grundlage ist das Berufsbildungsgesetz, kurz BBiG. Nach § 14 Absatz 1 Nummer 1 BBiG haben Ausbildende dafür zu sorgen, dass die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird und die Ausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig sowie zeitlich und sachlich gegliedert durchgeführt wird. Das Ausbildungsziel soll innerhalb der vorgesehenen Ausbildungszeit erreichbar sein.

Der Ausbildungsplan unterstützt genau diese Anforderung. Er zeigt, wie die gesetzlichen und berufsspezifischen Vorgaben praktisch umgesetzt werden. Je nach Ausbildungsberuf sind außerdem die jeweilige Ausbildungsordnung, der Ausbildungsrahmenplan und gegebenenfalls Regelungen der zuständigen Kammer zu berücksichtigen.

Bei Handwerksberufen spielt neben dem BBiG auch die Handwerksordnung eine wichtige Rolle. Für einzelne Berufe außerhalb des klassischen Geltungsbereichs von BBiG und HwO können besondere gesetzliche Regelungen gelten. Deshalb sollte vor der Erstellung immer geprüft werden, welche Ordnung für den konkreten Beruf aktuell maßgeblich ist.

Ausbildungsordnung, Rahmenplan und betriebliche Planung unterscheiden

In der Praxis werden mehrere Begriffe häufig miteinander verwechselt. Für eine saubere Planung sollten Sie die Unterschiede kennen. Der Ausbildungsplan ersetzt weder die Ausbildungsordnung noch den Ausbildungsrahmenplan oder den Rahmenlehrplan der Berufsschule.

DokumentFunktionBedeutung für den Betrieb
AusbildungsordnungRechtliche Grundlage eines anerkannten AusbildungsberufsLegt unter anderem Berufsbezeichnung, Ausbildungsdauer, Berufsbild, Rahmenplan und Prüfungsanforderungen fest.
AusbildungsrahmenplanSachliche und zeitliche Gliederung der betrieblichen LerninhalteBildet die fachliche Grundlage für den Ausbildungsplan im Unternehmen.
Betriebliche PlanungÜbertragung der Vorgaben auf reale AbläufeOrdnet Lernziele konkreten Tätigkeiten, Zeiträumen, Abteilungen, Ausbildern und Lernorten zu.
RahmenlehrplanGrundlage für den Unterricht in der BerufsschuleErmöglicht die Abstimmung zwischen schulischem und betrieblichem Lernen.
AusbildungsnachweisDokumentiert tatsächlich vermittelte Inhalte und TätigkeitenDient der laufenden Kontrolle und macht den realen Verlauf nachvollziehbar.

Das BIBB stellt über seine Informationen zu Berufen und Ausbildungsordnungen aktuelle Unterlagen und weiterführende Hinweise bereit. Vor allem bei neu geordneten oder modernisierten Ausbildungsberufen lohnt sich eine Prüfung, ob bereits eine neue Fassung der Ausbildungsordnung gilt.

Welche Inhalte gehören in die betriebliche Planung?

Ein sinnvoller Ausbildungsplan sollte so konkret sein, dass ein Ausbilder auch ohne zusätzliche mündliche Erläuterung erkennen kann, was in einem Ausbildungsabschnitt vorgesehen ist. Gleichzeitig sollte genug Flexibilität bleiben, um betriebliche Besonderheiten, Auftragslagen, Schulblöcke oder personelle Veränderungen zu berücksichtigen.

  • Ausbildungsberuf und Ausbildungsdauer: eindeutige Bezeichnung des anerkannten Ausbildungsberufs und geplanter Zeitraum.
  • Ausbildungsabschnitte: sinnvolle Gliederung nach Monaten, Quartalen, Halbjahren, Abteilungen oder Lernfeldern.
  • Lernziele und Inhalte: Zuordnung der Berufsbildpositionen und der dazugehörigen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten.
  • Konkrete Tätigkeiten: reale Arbeitsaufgaben, Projekte, Übungen oder Lernaufträge, mit denen die Inhalte vermittelt werden.
  • Lernorte: Abteilung, Werkstatt, Filiale, Baustelle, Büro, Labor, externe Einrichtung oder anderer Einsatzort.
  • Verantwortliche Personen: hauptverantwortlicher Ausbilder, Fachausbilder oder Ausbildungsbeauftragter.
  • Methoden: beispielsweise Unterweisung, Lernauftrag, Projekt, Leittext, Demonstration oder selbstständige Bearbeitung.
  • Kontrolle: Feedbackgespräch, Arbeitsprobe, Lernerfolgskontrolle, Projektbesprechung oder Abgleich mit dem Ausbildungsnachweis.

Je übersichtlicher diese Informationen miteinander verknüpft werden, desto leichter lässt sich der Ausbildungsplan im Alltag einsetzen. Eine tabellarische Darstellung ist deshalb für viele Betriebe besonders praktikabel.

So erstellen Sie die Planung Schritt für Schritt

1. Aktuelle Ausbildungsordnung beschaffen

Beginnen Sie nicht mit einer alten Vorlage aus dem Unternehmen, sondern mit der aktuell gültigen Ausbildungsordnung. Gerade bei modernisierten Berufen können sich Inhalte, Prüfungsstrukturen, Wahlqualifikationen oder zeitliche Richtwerte geändert haben. Der Ausbildungsplan sollte immer auf der tatsächlich geltenden Ordnung aufbauen.

2. Ausbildungsrahmenplan vollständig auswerten

Gehen Sie die Berufsbildpositionen systematisch durch. Markieren Sie, welche Lernziele Ihr Betrieb direkt vermitteln kann, welche Abteilung zuständig ist und ob bestimmte Inhalte über Kooperationspartner oder überbetriebliche Ausbildungsstätten abgedeckt werden müssen.

Der Ausbildungsplan sollte alle vorgeschriebenen Inhalte abbilden. Es reicht nicht aus, nur die Tätigkeiten aufzunehmen, die im Tagesgeschäft ohnehin häufig vorkommen. Ausbildung verfolgt ein Qualifikationsziel und ist mehr als bloße Mitarbeit.

3. Betriebliche Lernorte und Abteilungen zuordnen

Prüfen Sie anschließend, an welchem Ort die jeweiligen Kompetenzen am besten aufgebaut werden können. In einem kaufmännischen Unternehmen können dies beispielsweise Einkauf, Vertrieb, Rechnungswesen, Personal und Kundenservice sein. In einem technischen Betrieb kommen Werkstatt, Fertigung, Qualitätskontrolle, Konstruktion oder Montage infrage.

Der Ausbildungsplan sollte dabei nicht nur Abteilungsnamen nennen. Entscheidend ist, welche konkrete berufliche Handlung der Auszubildende dort erlernen und zunehmend selbstständig ausführen soll.

4. Zeiträume realistisch festlegen

Planen Sie die Ausbildung nicht ausschließlich nach Kalenderwochen. Berücksichtigen Sie Berufsschultage, Blockunterricht, Urlaub, gesetzliche Feiertage, mögliche Prüfungsvorbereitung, betriebliche Spitzenzeiten und überbetriebliche Lehrgänge. Dadurch wird der Ausbildungsplan realistischer und muss später seltener grundlegend umgebaut werden.

5. Ausbilder und Verantwortlichkeiten festlegen

Wenn mehrere Personen an der Ausbildung beteiligt sind, sollte eindeutig dokumentiert werden, wer wofür verantwortlich ist. Der Ausbildungsplan kann dafür neben dem hauptverantwortlichen Ausbilder auch Fachausbilder oder Ausbildungsbeauftragte nennen. Dies verhindert Zuständigkeitslücken und erleichtert Übergaben zwischen Abteilungen.

6. Lernmethoden und Praxisaufgaben bestimmen

Gute Ausbildung entsteht nicht allein durch Anwesenheit in einer Abteilung. Planen Sie deshalb passende Lernformen ein. Für grundlegende Handgriffe kann eine strukturierte Unterweisung geeignet sein, während fortgeschrittene Kompetenzen besser durch Projekte, Kundenaufträge, Fallaufgaben oder selbstständige Arbeitsaufträge aufgebaut werden.

7. Kontroll- und Feedbackpunkte einbauen

Ein Ausbildungsplan wird deutlich wertvoller, wenn regelmäßig geprüft wird, ob die vorgesehenen Kompetenzen tatsächlich erreicht wurden. Legen Sie deshalb feste Zeitpunkte für Gespräche und Soll-Ist-Abgleiche fest. So lassen sich Lücken früh erkennen und gezielt schließen.

Wie lässt sich der Plan an mehrere Ausbilder anpassen?

In vielen Betrieben übernimmt nicht eine Person die komplette fachliche Vermittlung. Der verantwortliche Ausbilder koordiniert die Ausbildung, während Fachausbilder oder Ausbildungsbeauftragte einzelne Themen übernehmen. Ein individuell anpassbarer Ausbildungsplan sollte diese Rollen sichtbar machen.

RolleTypische AufgabeSinnvolle Dokumentation
Verantwortlicher AusbilderGesamtsteuerung, Qualitätssicherung, Abstimmung und KontrolleGesamtverantwortung und regelmäßige Soll-Ist-Prüfung
FachausbilderVermittlung eines fachlich abgegrenzten BereichsZuordnung zu Lernzielen und Ausbildungsabschnitten
AusbildungsbeauftragterBegleitung im Tagesgeschäft und Anleitung konkreter TätigkeitenAufgaben, Zeitraum und Feedback festhalten
PersonalabteilungOrganisation, Termine, Verträge und SchnittstellenAdministrative Meilensteine ergänzen
Externer PartnerVermittlung von Inhalten, die intern nicht abgedeckt werden könnenLernort, Zeitraum und Inhalte dokumentieren

Bei einem Wechsel des Fachausbilders muss der Ausbildungsplan nicht vollständig neu erstellt werden. In einer gut aufgebauten Vorlage lassen sich Zuständigkeiten separat ändern, ohne die inhaltliche und zeitliche Struktur zu verlieren.

Beispiel für eine praktische Planungsmatrix

Die folgende vereinfachte Struktur zeigt, wie ein Ausbildungsplan für unterschiedliche Berufe aufgebaut werden kann. Die Inhalte sind bewusst allgemein gehalten und müssen für den jeweiligen Ausbildungsberuf mit den konkreten Berufsbildpositionen ergänzt werden.

ZeitraumLernzielPraxisaufgabeLernortVerantwortlichKontrolle
Monat 1Betrieb, Abläufe und Sicherheitsregeln kennenlernenEinführung, Betriebsrundgang, erste StandardaufgabenStammbereichAusbilderEinführungsgespräch
Monat 2-3Grundlegende Arbeitsprozesse sicher anwendenAufgaben unter Anleitung bearbeitenFachabteilung AFachausbilder AArbeitsprobe und Feedback
Monat 4-6Zusammenhänge verstehen und Teilschritte selbstständig durchführenKleinen vollständigen Arbeitsauftrag bearbeitenFachabteilung BFachausbilder BSoll-Ist-Abgleich
2. AusbildungsjahrKomplexere Aufgaben bearbeiten und Ergebnisse bewertenProjekt oder Kundenauftrag mit zunehmender EigenverantwortungMehrere BereicheFachausbilderProjektbesprechung
Letzte AusbildungsphaseBerufliche Handlungsfähigkeit festigenKomplexe Aufgaben weitgehend selbstständig planen, durchführen und kontrollierenEinsatzbereichAusbilderAbschlussgespräch und Prüfungsvorbereitung

Dieses Beispiel macht deutlich, dass ein Ausbildungsplan neben dem „Was“ auch das „Wo“, „Wer“, „Wie“ und „Wann“ beantworten sollte. Genau dadurch wird aus einer allgemeinen Vorgabe ein nutzbares betriebliches Steuerungsinstrument.

Praxisbeispiel: Ein Lernauftrag im kaufmännischen Bereich

Angenommen, ein Auszubildender soll lernen, Angebote systematisch zu bearbeiten. Der Ausbildungsplan könnte zunächst vorsehen, dass er die betrieblichen Abläufe im Vertrieb kennenlernt. Anschließend erhält er einen abgegrenzten Lernauftrag.

Beispiel Lernauftrag

Aufgabe: Bearbeiten Sie eine interne Musteranfrage von der Bedarfsermittlung bis zur Vorbereitung eines Angebots.

  • Anforderungen der Anfrage erfassen und offene Punkte dokumentieren.
  • Benötigte interne Informationen beschaffen.
  • Preis- und Lieferinformationen nach betrieblichen Vorgaben zusammentragen.
  • Einen Angebotsentwurf erstellen.
  • Das Ergebnis mit dem Fachausbilder besprechen und Verbesserungen ableiten.

Lernziel: Der Auszubildende kann einen standardisierten betrieblichen Vorgang strukturiert vorbereiten und die relevanten Schnittstellen berücksichtigen.

Das Beispiel lässt sich auf technische, handwerkliche, IT-bezogene oder soziale Ausbildungsberufe übertragen. Entscheidend ist, dass der Ausbildungsplan nicht nur Themen nennt, sondern den Erwerb beruflicher Handlungskompetenz durch geeignete Aufgaben unterstützt.

Von einfachen Aufgaben bis zur selbstständigen Handlung

Eine gute Ausbildung steigert den Schwierigkeitsgrad systematisch. Der Ausbildungsplan sollte deshalb eine Lernprogression erkennen lassen. Zu Beginn stehen Orientierung, Grundlagen und sichere Standardabläufe im Vordergrund. Danach folgen komplexere Tätigkeiten, Entscheidungen und eigenständige Arbeitsaufträge.

  1. Orientieren: Betrieb, Regeln, Arbeitsmittel und grundlegende Abläufe kennenlernen.
  2. Nachvollziehen: Tätigkeiten beobachten, erklärt bekommen und unter Anleitung durchführen.
  3. Anwenden: bekannte Aufgaben selbstständiger bearbeiten.
  4. Übertragen: Wissen auf neue Situationen und komplexere Aufgaben anwenden.
  5. Verantworten: Arbeitsaufgaben planen, durchführen, kontrollieren und Ergebnisse begründen.

Wenn ein Ausbildungsplan diese Entwicklung berücksichtigt, wird Ausbildung nachvollziehbarer und die Aufgaben passen besser zum jeweiligen Lernstand.

Standardberufsbildpositionen richtig einbinden

Neben den berufsspezifischen Inhalten gehören in modernen Ausbildungsordnungen auch berufsübergreifende Themen. Das BIBB nennt vier Standardberufsbildpositionen, die integrativ während der Ausbildung vermittelt werden: Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie die digitalisierte Arbeitswelt.

Diese Themen sollten nicht als einmaliger Theorieblock behandelt werden. Sinnvoller ist es, sie in reale Tätigkeiten einzubauen. Ein Ausbildungsplan kann beispielsweise Datenschutz und digitale Zusammenarbeit im Rahmen eines Kundenprojekts, Nachhaltigkeit bei Beschaffungsentscheidungen oder Arbeitsschutz bei einer praktischen Unterweisung verankern.

Berufsschule und Betrieb sinnvoll aufeinander abstimmen

Die duale Berufsausbildung lebt vom Zusammenspiel der Lernorte. Der Betrieb vermittelt praktische berufliche Handlungskompetenz, während die Berufsschule fachtheoretische und allgemeinbildende Inhalte aufgreift. Der Ausbildungsplan sollte deshalb bekannte Berufsschulzeiten, Blockunterricht und wichtige schulische Lernfelder berücksichtigen.

Eine vollständig parallele Vermittlung ist in der Praxis nicht immer möglich und auch nicht in jedem Fall erforderlich. Dennoch kann eine gute Lernortkooperation helfen, betriebliche und schulische Inhalte aufeinander zu beziehen. Das BIBB erläutert hierzu die Bedeutung der Berufsschule und der Entsprechungslisten.

Ausbildungsnachweis als Kontrollinstrument nutzen

Der Ausbildungsnachweis, häufig noch Berichtsheft genannt, dokumentiert den tatsächlichen Verlauf der Ausbildung. Während der Ausbildungsplan den Soll-Zustand beschreibt, zeigt der Ausbildungsnachweis, welche Tätigkeiten und Lerninhalte tatsächlich durchgeführt wurden.

Gerade diese Kombination ist für die Qualitätssicherung wertvoll. Vergleichen Sie in regelmäßigen Abständen Planung und Realität. Werden vorgesehene Lernziele dauerhaft verschoben, sollte geprüft werden, ob eine Anpassung notwendig ist oder Inhalte an anderer Stelle nachgeholt werden müssen. Das BIBB informiert ausführlich über den Ausbildungsnachweis in der betrieblichen Ausbildung.

Wie oft sollte der Plan überprüft werden?

Ein Ausbildungsplan sollte nicht nach Ausbildungsbeginn in einer Ablage verschwinden. Empfehlenswert sind regelmäßige Kontrollen, beispielsweise am Ende eines Ausbildungsabschnitts, bei jedem Abteilungswechsel oder in festen monatlichen beziehungsweise quartalsweisen Abständen.

Bei der Kontrolle können Ausbilder und Auszubildender gemeinsam prüfen:

  • Welche Lernziele wurden vollständig erreicht?
  • Wo besteht noch Übungsbedarf?
  • Welche Aufgaben wurden früher als geplant übernommen?
  • Welche Inhalte mussten verschoben werden?
  • Welche neuen betrieblichen Möglichkeiten können sinnvoll integriert werden?
  • Ist die Prüfungsvorbereitung weiterhin realistisch eingeplant?

So bleibt der Ausbildungsplan ein lebendiges Steuerungsinstrument und bildet den tatsächlichen Kompetenzaufbau besser ab.

Was tun bei Abweichungen vom geplanten Ablauf?

Abweichungen sind in einer mehrjährigen Berufsausbildung normal. Krankheit, Urlaub, Berufsschulblöcke, Auftragsverschiebungen, Maschinenstillstände, Projekttermine oder personelle Veränderungen können den ursprünglichen Ablauf beeinflussen. Entscheidend ist, dass das Ausbildungsziel weiterhin erreichbar bleibt.

Der Ausbildungsplan sollte deshalb genügend Spielraum für begründete Anpassungen lassen. Werden Lerninhalte verschoben, sollten der neue Zeitraum, der zuständige Ausbilder und gegebenenfalls ein Ersatzlernort dokumentiert werden. Bei erheblichen oder längerfristigen Änderungen empfiehlt sich eine Abstimmung mit der zuständigen Stelle, beispielsweise der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer.

Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungszeit berücksichtigen

Wird eine Ausbildung verkürzt oder verlängert, muss die betriebliche Planung entsprechend angepasst werden. Ein Ausbildungsplan für eine verkürzte Ausbildungsdauer darf nicht einfach am Ende abgeschnitten werden. Die verbindlichen Lernziele müssen weiterhin sinnvoll verteilt und vermittelt werden.

Bei einer Verkürzung ist besonders wichtig, vorhandene Vorkenntnisse zu berücksichtigen und die verbleibenden Lernziele realistisch zu verdichten. Bei einer Verlängerung kann dagegen mehr Zeit zur Wiederholung, Vertiefung und Stabilisierung beruflicher Handlungskompetenz eingeplant werden.

Digitale und mobile Ausbildungsphasen einplanen

Digitale Zusammenarbeit ist in vielen Berufen längst Teil der betrieblichen Realität. Soweit die rechtlichen und beruflichen Voraussetzungen erfüllt sind, können bestimmte Ausbildungsinhalte auch digital unterstützt oder in geeigneten Fällen mobil vermittelt werden. Der Ausbildungsplan sollte dabei eindeutig beschreiben, welche Kompetenzen aufgebaut werden, wie die Betreuung erfolgt und wie Lernergebnisse kontrolliert werden.

Digitale Ausbildung bedeutet nicht, Aufgaben lediglich per E-Mail zu versenden. Sinnvoll sind strukturierte Lernaufträge, feste Ansprechpartner, digitale Besprechungen, dokumentierte Rückmeldungen und klare Erreichbarkeiten. Nach § 14 BBiG gehören erforderliche Ausbildungsmittel zum Verantwortungsbereich des Ausbildenden; das Gesetz nennt bei digitalem mobilem Ausbilden ausdrücklich auch zusätzlich erforderliche Hard- und Software.

Typische Fehler bei der Erstellung vermeiden

Ein formal vorhandener Ausbildungsplan garantiert noch keine gute Ausbildung. Häufig entstehen Probleme, weil der Plan zu allgemein, zu starr oder nicht auf die tatsächlichen Betriebsabläufe abgestimmt ist.

  • Nur den Ausbildungsrahmenplan kopieren: Es fehlen konkrete betriebliche Tätigkeiten, Lernorte und Zuständigkeiten.
  • Keine Verantwortlichen benennen: Mehrere Personen gehen davon aus, dass ein anderer Ausbilder bestimmte Inhalte übernimmt.
  • Zu starre Termine festlegen: Die Planung berücksichtigt Berufsschule, Urlaub oder betriebliche Schwankungen nicht.
  • Nur Tätigkeiten statt Kompetenzen planen: Der Auszubildende arbeitet mit, ohne dass klar ist, was er dabei lernen soll.
  • Keine Lernkontrolle vorsehen: Niemand prüft systematisch, ob ein Lernziel wirklich erreicht wurde.
  • Berichtsheft und Planung trennen: Abweichungen zwischen Soll und Ist bleiben über Monate unbemerkt.
  • Prüfungsanforderungen zu spät berücksichtigen: Wichtige Kompetenzen werden erst kurz vor der Prüfung vertieft.

Ein praxistauglicher Ausbildungsplan sollte deshalb regelmäßig genutzt, besprochen und weiterentwickelt werden. Das ist wichtiger als eine optisch perfekte Tabelle, die im Alltag niemand verwendet.

Checkliste für Ausbilder

Mit der folgenden Checkliste können Sie vor Ausbildungsbeginn prüfen, ob Ihr Ausbildungsplan die wichtigsten Punkte abdeckt.

  • Aktuelle Ausbildungsordnung und gültigen Ausbildungsrahmenplan verwendet?
  • Alle verbindlichen Berufsbildpositionen berücksichtigt?
  • Standardberufsbildpositionen integrativ eingeplant?
  • Lernziele mit konkreten betrieblichen Tätigkeiten verbunden?
  • Zeitliche Abfolge realistisch festgelegt?
  • Berufsschule, Urlaub und mögliche externe Lehrgänge berücksichtigt?
  • Lernorte und Abteilungen eindeutig angegeben?
  • Verantwortliche Ausbilder und Fachausbilder zugeordnet?
  • Geeignete Lernmethoden und Praxisaufgaben vorgesehen?
  • Feedback- und Kontrolltermine eingeplant?
  • Abgleich mit dem Ausbildungsnachweis organisiert?
  • Regel für notwendige Änderungen und Vertretungen festgelegt?

Welche Vorteile hat eine gute Ausbildungsplanung?

Ein durchdachter Ausbildungsplan schafft nicht nur Rechtssicherheit und Übersicht. Er verbessert auch die Qualität der Ausbildung. Auszubildende wissen frühzeitig, was von ihnen erwartet wird und welche Entwicklungsschritte vorgesehen sind. Ausbilder können Fortschritte besser beurteilen und erkennen schneller, wenn Lerninhalte fehlen.

Für den Betrieb entstehen weitere Vorteile: Abteilungswechsel lassen sich vorbereiten, Verantwortlichkeiten werden klarer, Vertretungen können leichter übernehmen und die Prüfungsvorbereitung wird planbarer. Außerdem unterstützt ein Ausbildungsplan eine systematische Personalentwicklung, weil Kompetenzen nicht zufällig, sondern zielgerichtet aufgebaut werden.

Häufige Fragen

Ist ein betrieblicher Plan Pflicht?

Das BBiG verlangt eine planmäßige sowie zeitlich und sachlich gegliederte Durchführung der Berufsausbildung. Das BIBB beschreibt den betrieblichen Ausbildungsplan als Instrument, mit dem der Betrieb den Ausbildungsrahmenplan auf die eigenen Abläufe überträgt. Für die konkrete Handhabung sollten Sie zusätzlich die Vorgaben der für Ihren Ausbildungsberuf zuständigen Stelle beachten.

Wer erstellt den Ausbildungsplan?

In der Praxis wird der Ausbildungsplan durch den Ausbildungsbetrieb beziehungsweise den verantwortlichen Ausbilder erstellt. Fachausbilder und Abteilungsverantwortliche sollten beteiligt werden, wenn sie wesentliche Ausbildungsabschnitte übernehmen. Dadurch wird die Planung realistischer und die Verantwortungsverteilung klarer.

Muss für jeden Auszubildenden ein eigener Plan erstellt werden?

Eine betriebliche Basisvorlage kann für mehrere Auszubildende desselben Berufs verwendet werden. Der konkrete Ausbildungsplan sollte jedoch die tatsächlichen Ausbildungszeiten, Einsatzbereiche, Wahlqualifikationen, verantwortlichen Personen und individuelle Besonderheiten berücksichtigen.

Darf der Ablauf später geändert werden?

Ja, betriebliche Abläufe lassen sich nicht über mehrere Jahre vollständig vorhersagen. Anpassungen können erforderlich und sinnvoll sein, sofern die vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte weiterhin vollständig vermittelt werden und das Ausbildungsziel erreichbar bleibt. Wesentliche Änderungen sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.

Wie detailliert sollte die Planung sein?

Der Ausbildungsplan sollte konkret genug sein, um Lernziel, Zeitraum, Tätigkeit, Lernort und Verantwortlichkeit erkennen zu lassen. Eine minutengenaue Planung ist dagegen weder notwendig noch praxistauglich. Gute Planung verbindet Verbindlichkeit mit ausreichender Flexibilität.

Was ist der Unterschied zum Berichtsheft?

Der Ausbildungsplan beschreibt, was künftig vermittelt werden soll. Der Ausbildungsnachweis dokumentiert, was tatsächlich stattgefunden hat. Werden beide Dokumente regelmäßig abgeglichen, lassen sich Lücken oder Verschiebungen früh erkennen.

Kann eine Vorlage für verschiedene Ausbildungsberufe genutzt werden?

Die Struktur einer Vorlage kann berufsunabhängig aufgebaut werden. Die fachlichen Inhalte müssen jedoch immer aus der jeweiligen Ausbildungsordnung und dem dazugehörigen Ausbildungsrahmenplan übernommen und auf den Betrieb übertragen werden. Ein Ausbildungsplan für einen kaufmännischen Beruf kann deshalb nicht unverändert für einen technischen Beruf verwendet werden.

Welche Rolle spielt die zuständige Kammer?

Je nach Ausbildungsberuf ist beispielsweise eine Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder eine andere zuständige Stelle Ansprechpartner für Fragen zur Berufsausbildung. Dort erhalten Betriebe häufig zusätzliche Hinweise, Muster und Unterstützung zur konkreten Umsetzung.

Fazit: Struktur schaffen und Ausbildung aktiv steuern

Ein Ausbildungsplan ist wesentlich mehr als eine formale Anlage zur Ausbildung. Richtig eingesetzt verbindet er die Vorgaben des Ausbildungsrahmenplans mit den realen Lernmöglichkeiten im Unternehmen. Er schafft Transparenz über Inhalte, Zeiträume, Lernorte und Verantwortlichkeiten und unterstützt Ausbilder dabei, den Kompetenzaufbau systematisch zu begleiten.

Für eine hohe Ausbildungsqualität sollte der Ausbildungsplan von Anfang an praxisnah aufgebaut, regelmäßig mit dem Ausbildungsnachweis abgeglichen und bei begründeten Veränderungen angepasst werden. Eine flexible Word-Vorlage und eine unveränderliche PDF-Fassung erleichtern die Umsetzung besonders dann, wenn mehrere Ausbilder, Fachbereiche oder Lernorte beteiligt sind.

Weiterführende Informationen

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