Schulabschluss nachholen: Wege, Dauer, Kosten & Tipps für Hauptschule, Realschule, (Fach-)Abitur

Schule und Informationen – Schulabschluss nachholen: Der große Guide zu Möglichkeiten, Voraussetzungen, Kosten und dem besten Weg für dich

Schulabschluss nachholen leicht erklärt: Abendschule, Externenprüfung, VHS, Fernschule, FOS/BOS & Abendgymnasium. Mit Tabelle, Schritt-für-Schritt-Plan und Finanzierung.
Schulabschluss nachholen

Sie möchten Ihren Schulabschluss nachholen – vielleicht den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife (Realschulabschluss) oder sogar das Abitur? Dann sind Sie nicht allein. Viele Menschen holen ihren Abschluss später nach, weil das Leben dazwischenkam: Umzug, Krankheit, Familie, finanzielle Sorgen, fehlende Unterstützung oder einfach der falsche Zeitpunkt.

Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es mehrere anerkannte Wege, wie Sie einen fehlenden oder höheren Abschluss nachträglich erwerben können – auch als Erwachsener und oft neben dem Job. Ob Abendschule, Abendgymnasium, Kolleg, berufliche Schulen (FOS/BOS), Volkshochschule (VHS), Fernschule oder Externenprüfung (Nichtschülerprüfung): Sie können den Weg wählen, der zu Ihrem Alltag passt.

In diesem Beitrag bekommen Sie einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Optionen – inklusive Vergleichstabelle, Entscheidungshilfe, Schritt-für-Schritt-Plan und praktischen Lern- und Prüfungs-Tipps.


Merksatz: Der beste Weg ist nicht immer der schnellste – sondern der, den du konsequent durchziehen kannst.

Warum lohnt es sich, den Schulabschluss nachzuholen?

Einen Schulabschluss nachholen ist für viele der Schlüssel zu mehr Möglichkeiten – nicht nur im Lebenslauf, sondern ganz praktisch im Alltag. Je nach Branche und Ziel kann er Türen öffnen, die sonst häufig verschlossen bleiben.

  • Bessere Chancen auf Ausbildung und Arbeit: Viele Ausbildungsplätze setzen mindestens einen Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife voraus. Auch bei Bewerbungen wirkt ein Abschluss oft als „Mindestnachweis“.
  • Mehr Auswahl bei Weiterbildungen: Mit einem höheren Abschluss können Sie leichter weitere Qualifikationen anschließen – z. B. Fachabi, Abitur, Fachschule, Meister/Techniker oder (je nach Weg) Studium.
  • Karriere- und Gehaltschancen: Je nach Berufsfeld steigen mit höherem Abschluss häufig die Möglichkeiten für Aufstieg, Verantwortung und Einkommen.
  • Selbstvertrauen: Viele erleben das Nachholen als persönlichen Neustart: „Ich habe es geschafft – trotz allem.“ Das wirkt oft auch auf andere Lebensbereiche positiv.

Wichtig: Ein Abschluss ist kein „Zauberpapier“. Aber er erfüllt formale Anforderungen, die in vielen Systemen (Ausbildung, öffentlicher Dienst, Studium, Bewerbungsprozesse) weiterhin relevant sind.

Welche Abschlüsse können Sie nachholen?

Wenn Sie den Schulabschluss nachholen möchten, ist der erste Schritt: Klarheit über das Ziel. In Deutschland können Begriffe je nach Bundesland und Schulform etwas variieren. Grob geht es um diese Stufen:

Hauptschulabschluss (Berufsreife / gleichwertig)

Der Hauptschulabschluss ist oft die erste Stufe. In manchen Bundesländern gibt es zusätzlich Varianten wie „qualifizierender Hauptschulabschluss“ oder „erweiterter Hauptschulabschluss“. Damit steigen Ihre Chancen auf viele Ausbildungsberufe deutlich.

Realschulabschluss / Mittlere Reife (MSA)

Die Mittlere Reife (häufig Realschulabschluss, teilweise MSA – Mittlerer Schulabschluss) eröffnet Ihnen mehr Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Außerdem ist sie häufig Voraussetzung für Fachabi oder Abitur über berufliche Schulen.

Fachhochschulreife (Fachabitur)

Die Fachhochschulreife – oft „Fachabi“ genannt – kann Ihnen den Zugang zu Fachhochschulen/HAW ermöglichen (die genauen Regelungen unterscheiden sich). Häufig erreichen Sie diese über die Fachoberschule (FOS), berufliche Bildungsgänge oder kombinierte Wege mit Praktikum oder Ausbildung.

Allgemeine Hochschulreife (Abitur)

Mit dem Abitur steht Ihnen grundsätzlich der Zugang zu Universitäten und vielen Studiengängen offen. Typische Wege sind Abendgymnasium, Kolleg oder berufliche Gymnasien – in bestimmten Fällen auch Externenprüfungen.

Hinweis: Welche Prüfung wie heißt, welche Fächer zählen und welche Voraussetzungen gelten, ist vom Bundesland abhängig. Für verbindliche Informationen zur Anmeldung gilt immer: Schulamt, zuständige Schulbehörde oder die jeweilige Schule.

Voraussetzungen & wichtige Hinweise (Bundesland, Schulpflicht, Unterlagen)

Bevor Sie sich festlegen, lohnt es sich, diese Punkte zu klären. Sie entscheiden oft darüber, welche Möglichkeit für Sie realistisch ist.

Schulpflicht & Alter

Für viele Angebote des zweiten Bildungswegs gilt: Sie sind nicht mehr schulpflichtig oder erfüllen bestimmte Alters- oder Lebenssituationskriterien (z. B. Berufstätigkeit). Das ist je nach Bundesland geregelt. Wenn Sie noch schulpflichtig sind, ist oft der Weg über eine reguläre Schule oder berufliche Schulformen vorgesehen. Mehr zur Schulpflicht in Deutschland erfahren?

Wohnort und Bundesland

Die Regeln zur Externenprüfung, die Bezeichnungen der Abschlüsse und auch Starttermine unterscheiden sich zwischen Bundesländern. Deshalb ist ein früher Blick auf die zuständige Schulbehörde sinnvoll – vor allem, wenn Sie umgezogen sind oder in Grenzregionen wohnen.

Vorbildung & Anerkennung von Leistungen

Haben Sie bereits Zeugnisse, bestandene Klassenstufen oder berufliche Qualifikationen? Dann kann es sein, dass Ihnen Teile anerkannt werden (z. B. Einstieg in einen höheren Kurs, Verkürzung oder bestimmte Fächer). Das klären Sie direkt mit der Schule oder dem Prüfungsamt.

Unterlagen (typische Checkliste)

  • letzte Zeugnisse / Abgangszeugnisse (auch Kopien)
  • Lebenslauf (gerne kurz und aktuell)
  • Ausweis / Aufenthaltstitel
  • Meldebescheinigung (manchmal erforderlich)
  • Nachweise über Ausbildung, Arbeit, Praktika
  • bei Förderung: Unterlagen zu Einkommen oder Leistungen, Bescheide und Nachweise

Möglichkeiten im Detail: So kannst du den Schulabschluss nachholen

Es gibt nicht den einen Weg. Je nach Alter, Vorbildung, Job, Familie, Gesundheit und Lernstil passt eine andere Lösung. Hier sind die gängigsten Optionen – mit klaren Vor- und Nachteilen.

Weg 1: Abendschule (Abendrealschule / Abendhauptschule)

Abendschulen sind staatliche Schulen oder Einrichtungen des zweiten Bildungswegs, die Unterricht in den Abendstunden anbieten. Sie können hier häufig den Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife nachholen – ideal, wenn Sie tagsüber arbeiten oder sich um die Familie kümmern.

  • Für wen? Berufstätige, Eltern, Erwachsene mit Berufserfahrung oder in Teilzeit.
  • Typischer Ablauf: 2–4 Abende pro Woche, Hausaufgaben, Klassenarbeiten, ggf. Abschlussprüfung.
  • Dauer: Je nach Einstieg und Vorbildung oft 1–2 Jahre (manchmal länger).
  • Vorteil: Struktur, Lehrkräfte, Klassengemeinschaft, planbarer Rhythmus.
  • Nachteil: Zeitbelastung am Abend; feste Termine sind nicht für alle machbar.

Extra-Tipp: Frage bei der Anmeldung, ob es Einstufungstests, Probezeiten oder Möglichkeiten zur Anerkennung von Vorleistungen gibt. Das kann Ihnen Monate sparen.

Weg 2: Volkshochschule (VHS) und Vorbereitungskurse

Viele Volkshochschulen bieten Kurse zur Prüfungsvorbereitung an – z. B. in Mathe, Deutsch, Englisch oder zur gezielten Vorbereitung auf eine Externenprüfung. Die VHS ist oft niedrigschwellig, bezahlbar und wohnortnah.

  • Für wen? Menschen, die flexibel lernen möchten oder Wissenslücken schließen wollen.
  • Dauer: Von Wochenendkursen bis zu mehrmonatigen Kursreihen.
  • Vorteil: Günstig, flexible Module, gute Ergänzung zu Selbstlernphasen.
  • Nachteil: Nicht überall gibt es komplette „Abschlusslehrgänge“; die Abschlussprüfung findet häufig extern statt.

Weg 3: Externenprüfung / Nichtschülerprüfung (Abschluss ohne Schulbesuch)

Bei der Externenprüfung (auch „Nichtschülerprüfung“ genannt) legst du die Abschlussprüfung ab, ohne regulär eine Schule zu besuchen. Du bereitest dich selbst vor – z. B. mit Lehrbüchern, Online-Kursen, VHS oder privaten Trägern – und meldest dich dann zur Prüfung an.

So läuft die Externenprüfung typischerweise ab

  1. Infos einholen: Welche Fächer, welche Prüfungsform, welche Fristen gelten in Ihrem Bundesland?
  2. Prüfungsanmeldung: Beim zuständigen Amt/Schulbehörde (je nach Bundesland) – oft mit Unterlagen und Nachweisen.
  3. Vorbereitung: Selbststudium + ggf. Kurse/Tutorium + Probeklausuren.
  4. Prüfung: Schriftliche und ggf. mündliche/praktische Teile.
  5. Zeugnis: Bei Bestehen erhalten Sie den anerkannten Abschluss.
  • Für wen? Sehr selbstständige Lerner, Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, Quereinsteiger.
  • Voraussetzungen: Häufig Nachweis, dass Sie nicht (mehr) Schüler einer entsprechenden Schule sind; teils Mindestalter oder bestimmte Vorbildung. Details variieren je nach Bundesland.
  • Dauer: Stark individuell – manche schaffen es in 6–12 Monaten, andere brauchen länger.
  • Vorteil: Maximale Flexibilität, Tempo selbst bestimmbar.
  • Nachteil: Hoher Eigenaufwand, Sie brauchen Disziplin, Lernplan und realistische Selbsteinschätzung.

Praxis-Tipp: Viele unterschätzen den Wert von Original- oder Musteraufgaben. Planen Sie jede Woche Zeit für das Prüfungstraining ein – nicht nur fürs Lernen.

Weg 4: Abendgymnasium und Kolleg (Abitur nachholen)

Wenn Ihr Ziel das Abitur nachholen ist, sind Abendgymnasium und Kolleg klassische Wege des zweiten Bildungswegs. Beide führen zur allgemeinen Hochschulreife, unterscheiden sich aber in Organisation und Alltag.

  • Abendgymnasium: Unterricht abends, ideal für Berufstätige.
  • Kolleg: Unterricht meist tagsüber, häufig für Erwachsene, die sich voll auf die Schule konzentrieren (manchmal mit Fördermöglichkeiten).
  • Dauer: Oft 2–4 Jahre, abhängig von Einstieg, Vorkenntnissen und Bildungsgang.
  • Vorteile: Struktur, Begleitung, echte Prüfungsvorbereitung, Lerngruppe.
  • Nachteil: Zeitintensiv; erfordert langfristige Planung in Bezug zu Job, Kinderbetreuung und Finanzen.

Gut zu wissen: Für manche Bildungsgänge wird Berufstätigkeit oder eine bestimmte Lebenssituation vorausgesetzt. Klären Sie das früh, bevor Sie sich festlegen.

Weg 5: Berufliche Schulen (FOS/BOS, Berufskolleg, Berufsfachschule)

Viele Bundesländer bieten schulische Wege an, die eng mit beruflicher Orientierung verknüpft sind. Typische Stichworte sind Fachoberschule (FOS), Berufsoberschule (BOS), Berufskolleg oder Berufsfachschule. Dort können Sie je nach Vorbildung die Mittlere Reife, Fachhochschulreife oder sogar das Abitur erreichen.

  • Für wen? Jugendliche und Erwachsene, die praxisnah lernen wollen oder bereits eine Ausbildung / Berufserfahrung haben.
  • Vorteil: Klare berufliche Ausrichtung (z. B. Technik, Wirtschaft, Gesundheit, Sozialwesen).
  • Nachteil: Zugangsvoraussetzungen können strenger sein (Noten, Praktikum, Abschluss, Berufserfahrung).

Gerade die FOS kombiniert häufig Schule + Praktikum. Das kann sehr hilfreich sein, wenn Sie neben dem Abschluss auch Berufserfahrung und Orientierung gewinnen wollen.

Weg 6: Über Ausbildung zum (höheren) Schulabschluss

Viele wissen nicht: Eine abgeschlossene Berufsausbildung kann – je nach Bundesland – zu einem gleichwertigen Bildungsabschluss führen oder Ihnen den Zugang zu weiterführenden Schulen erleichtern. Zusätzlich gibt es Programme, bei denen Sie parallel zur Ausbildung die Mittlere Reife oder Fachhochschulreife erwerben (z. B. Zusatzunterricht an Berufsschulen).

  • Für wen? Praktisch orientierte Menschen, die lieber arbeiten und lernen kombinieren.
  • Vorteil: Du verdienst bereits Geld und sammelst Berufspraxis.
  • Nachteil: Doppelbelastung (Betrieb, Berufsschule, Lernen).

Praxis-Tipp: Wenn du noch keine Ausbildung hast, kann das ein sehr sinnvoller Weg sein: Du bekommst einen anerkannten Berufsabschluss (IHK/HWK) und verbesserst gleichzeitig deine Schulbildung.

Weg 7: Fernschule & Online-Lernen

Fernschulen und Online-Angebote können eine gute Lösung sein, wenn Sie ortsunabhängig lernen wollen oder in Schichten arbeiten. Häufig kombinieren sie Fernunterricht mit der Externenprüfung oder mit Prüfungen an Partnerschulen.

  • Für wen? Menschen mit hoher Selbstorganisation, wenig Zeit für feste Termine, ländlicher Wohnort.
  • Vorteil: Flexibilität, Lernen im eigenen Tempo, digitale Materialien.
  • Nachteil: Kosten können höher sein; Sie brauchen konsequentes Zeitmanagement.

Weg 8: Maßnahmen & Unterstützung über Agentur für Arbeit / Jobcenter

Wenn Sie arbeitsuchend sind oder eine berufliche Neuorientierung planen, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter unter Umständen eine Qualifizierung unterstützen – etwa über einen Bildungsgutschein oder geförderte Kurse bei Bildungsträgern. Ob und was möglich ist, hängt von Ihrer Situation und dem Ziel ab (z. B. bessere Vermittlungschancen).

  • Für wen? Menschen in Arbeitssuche, Umschulung, beruflicher Neuorientierung.
  • Vorteil: Finanzierung und Begleitung können möglich sein.
  • Nachteil: Bewilligung ist individuell; Ziel und Maßnahme müssen plausibel begründet sein.

Vergleichstabelle: Welche Möglichkeit passt wozu?

OptionMöglicher AbschlussTypische DauerKosten (grobe Orientierung)Besonders geeignet fürStärken
AbendschuleHauptschulabschluss, Mittlere Reife1–2 Jahreoft gering (Material/ggf. Gebühren)Berufstätige, ElternStruktur, Lehrkräfte, feste Lernroutine
VHS-KurseVorbereitung (Prüfung extern)Monatemeist günstigFlexible LernerNiedrigschwellig, wohnortnah
Externenprüfungje nach Prüfung: HS, MR, teils (Fach-)Abi6–18 Monate (individuell)Prüfungsgebühr + MaterialienSelbstständige LernerMaximale Flexibilität
Abendgymnasium / KollegAbitur2–4 Jahreoft gering (Material)Langfristiges Ziel StudiumSystematischer Weg, Prüfungsvorbereitung
FOS/BOS/BerufskollegFachabi, Abi (je nach Schulform)1–3 Jahregering bis mittelPraxisorientierte, mit VorbildungBerufliche Ausrichtung, Praktikum
Ausbildung + Zusatzje nach Bundesland: MR/FHR möglich2–3,5 Jahredu erhältst Ausbildungsvergütung„Learning by doing“Praxis + Einkommen + Abschluss
Fernschule / OnlineVorbereitung auf Externenprüfungindividuellmittel bis höherSchichtarbeit, ländlicher RaumOrtsunabhängig, flexibel
Vergleichstabelle: Schulabschluss nachholen

Welcher Weg passt zu Ihnen? Entscheidungshilfe

Wenn Sie den Schulabschluss nachholen wollen, hilft Ihnen diese Orientierung. Beantworten Sie die Fragen ehrlich – dann wird die Entscheidung deutlich leichter.

Frage 1: Was ist dein Ziel in 12–36 Monaten?

  • Ich will eine Ausbildung starten oder sicherer bewerben: häufig reicht Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife.
  • Ich möchte mich beruflich verbessern (z. B. Verwaltung, Gesundheit, Technik): Mittlere Reife oder Fachabi kann sinnvoll sein.
  • Ich plane ein Studium oder möglichst viele Optionen: (Fach-)Abitur ist das stärkste Fundament.

Frage 2: Wie viel Zeit kannst du pro Woche realistisch investieren?

  • 6–10 Stunden/Woche: gut für sanften Einstieg (VHS, Lernlücken schließen, Vorbereitung).
  • 10–15 Stunden/Woche: häufig realistisch für Abendschule oder Externenprüfung mit Plan.
  • 15–25 Stunden/Woche: ambitioniert, aber möglich – besonders in intensiven Kursen.
  • Vollzeit möglich: Kolleg, berufliche Schule, schnellerer Abschluss.

Frage 3: Brauchst du Struktur oder Freiheit?

  • Ich brauche festen Unterricht und „Druck von außen“: Abendschule, Abendgymnasium, Kolleg.
  • Ich lerne gut allein und will flexibel sein: Externenprüfung + VHS/Fernschule.

Frage 4: Welche Hürden gibt es gerade?

Schichtarbeit, Kinderbetreuung, gesundheitliche Belastung, Lernlücken, Prüfungsangst – all das ist normal. Wichtig ist, dass Sie den Weg so wählen, dass Sie durchhalten können. Ein etwas längerer, aber realistischer Plan schlägt einen perfekten Plan, den Sie nach 6 Wochen abbrechen.

Schritt-für-Schritt: So gehst du vor (ohne dich zu verzetteln)

Hier ist ein praxiserprobter Fahrplan – unabhängig davon, ob Sie Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder Abitur nachholen wollen.

Zielabschluss festlegen (und warum Sie ihn wollen)

Schreiben Sie in einem Satz auf, was Sie erreichen wollen:

  • Ich möchte den Realschulabschluss nachholen, um mich auf eine Ausbildung im Gesundheitsbereich zu bewerben.

Je klarer das Ziel, desto leichter die Auswahl der Schulform.

Bildungsberatung nutzen (30 Minuten können Monate sparen)

Nutzen Sie Beratungsangebote: Schulamt, Abendschule, berufliche Schulen, VHS oder Berufsberatung. Fragen Sie konkret nach: Einstiegsmöglichkeiten, Anerkennung von Vorleistungen, Fächer, Prüfungsform, Starttermine, Fehlzeiten-Regeln.

Zwei realistische Optionen auswählen

Wählen Sie bewusst Option A und Option B. Beispiel: (A) Abendschule, (B) Externenprüfung + VHS. So vermeiden Sie „Analyse-Paralyse“ und haben trotzdem einen Plan, falls A nicht klappt.

Unterlagen sammeln

  • letzte Zeugnisse / Abgangszeugnisse
  • Lebenslauf
  • Ausweis / Aufenthaltstitel
  • Nachweise über Ausbildung, Arbeit, Praktika

Zeit- und Lernplan erstellen

Planen Sie mit realistischen Zeitfenstern. Viele unterschätzen, wie hilfreich Routine ist. Beispiel: 4 feste Lernslots pro Woche à 60–90 Minuten + 1 Wiederholungstag. Tragen Sie Lernzeiten wie Termine in Ihren Kalender ein.

Lernlücken schließen (Mathe/Deutsch/Englisch)

Fast alle, die einen Abschluss nachholen, haben Lieblingslücken. Beginnen Sie früh damit Basiswissen aufzubauen. Gerade Mathe ist häufig der größte Stolperstein – aber auch hier hilft konsequentes Üben mit Aufgaben, nicht nur das Lesen von Regeln.

Prüfungssimulation & Feedback

Üben Sie unter echten Bedingungen und verwenden Sie ein Zeitlimit, ohne Handy und mit Musteraufgaben. Ein Feedback von Lehrkraft, Tutor oder Lerngruppe ist Gold wert – besonders bei Texten (Deutsch) und bei Rechenwegen (Mathe).

Abschlussprüfung und nächste Schritte

Nach dem Abschluss: Aktualisieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen, prüfen Sie die Anschlussoptionen (Ausbildung, weiterführende Schule, Fachabi/Abi, Weiterbildung) und feiere den Erfolg bewusst. Das stärkt deine Motivation für den nächsten Schritt.

Welche Fächer und Prüfungen erwarten Sie?

Die genauen Prüfungsfächer unterscheiden sich je nach Abschluss, Schulform und Bundesland. Trotzdem gibt es typische Kernbereiche, auf die Sie sich fast immer einstellen können:

Häufige Kernfächer

  • Deutsch: Textverständnis, Aufsatz/Erörterung, Grammatik und Rechtschreibung
  • Mathematik: Grundrechenarten, Bruchrechnung, Prozentrechnung, Gleichungen, Geometrie oder Sachaufgaben
  • Englisch: Wortschatz, Grammatik, Leseverstehen, Schreiben (z. B. Briefe, E-Mails), ggf. mündliche Prüfung

Weitere typische Bereiche

  • Gesellschaftslehre / Politik / Geschichte
  • Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie – teils zusammengefasst)
  • Wahlpflichtfächer (je nach Schulform: z. B. Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft, Informatik)

Warum ist das wichtig? Für eine erfolgreiche Vorbereitung brauchen Sie einen Lehrplan oder eine Prüfungsordnung als Grundlage. Damit lernen Sie nicht ins Blaue, sondern genau das, was abgefragt wird.

Kosten & Finanzierung: Was kostet es, den Schulabschluss nachzuholen?

Die Kosten hängen stark vom Weg ab. Staatliche Schulen (Abendschule, Abendgymnasium, Kolleg) sind häufig kostenarm, während private Fernschulen oder Bildungsträger monatliche Gebühren verlangen können. Rechne zusätzlich mit:

  • Lehrbüchern, Arbeitsheften, Lernplattformen
  • Fahrtkosten
  • Prüfungsgebühren (bei Externenprüfungen je nach Region)
  • ggf. Kinderbetreuung

Mögliche Förderungen (je nach Situation)

  • BAföG: Für bestimmte Schulformen des zweiten Bildungswegs kann BAföG möglich sein (z. B. bei Vollzeit-Schulformen).
  • Bildungsgutschein / Förderung: In manchen Fällen unterstützen Agentur für Arbeit oder Jobcenter Qualifizierungen, wenn sie deine Chancen am Arbeitsmarkt verbessern.
  • Unterstützung durch Programme / Stiftungen: Regional gibt es manchmal Bildungsfonds oder Hilfen für junge Erwachsene.
  • Steuern: Bestimmte Bildungskosten können unter Umständen absetzbar sein (den Einzelfall, am besten beraten lassen).

Wichtig: Förderungen sind individuell. Nimm zu Beratungsterminen eine kurze Begründung mit, warum der Abschluss deine Jobchancen verbessert (Berufsziel, Stellenangebote, Branchenanforderungen).

Lernstrategien, Motivation & Prüfungs-Tipps (damit Sie wirklich bestehen)

Der Unterschied zwischen „Ich habe es versucht“ und „Ich habe es geschafft“ liegt oft nicht am Talent, sondern am System. Diese Strategien helfen Ihnen, dranzubleiben:

Kleine Etappenziele statt Überforderung

Teilen Sie den Stoff in Wochenziele: z. B. „Prozentrechnung sicher“, „Erörterung schreiben“, „Englisch Zeiten wiederholen“. Sichtbarer Fortschritt motiviert – besonders, wenn Sie lange raus sind.

Aktives Lernen statt nur lesen

  • Aufgaben rechnen statt Lösungen ansehen
  • Zusammenfassungen schreiben
  • Lernkarteikarten für Begriffe, Regeln, Vokabeln
  • Erklären (auch Ihnen selbst) – „Wenn ich es erklären kann, kann ich es“

Beispiel-Wochenplan (berufsbegleitend)

Tag30–45 Minuten60–90 Minuten
MontagEnglisch VokabelnMathe: Prozent/Brüche (Übungen)
MittwochDeutsch RechtschreibungDeutsch: Text schreiben + Feedback
FreitagWiederholungPrüfungsaufgaben unter Zeitdruck
SonntagPlanung nächste WocheGesellschaft/Nawi (Themenblock)

Eine Wochenplan Vorlage können Sie in unserem Beitrag kostenlos downloaden:

Lerngruppe oder Lernpartner

Gerade bei einer Externenprüfung oder Fernschule kann eine Lerngruppe der Gamechanger sein. Ein fester Termin pro Woche reicht oft, um dranzubleiben.

Prüfungsangst ernst nehmen

Wenn dich Prüfungen stark stressen, ist das nichts Ungewöhnliches. Übe mit Probeklausuren, arbeite mit Atemtechniken, und hole dir bei Bedarf Unterstützung (Beratung, Coaching, ggf. therapeutische Hilfe). Prüfungsangst ist lösbar – Schritt für Schritt.

Die Basics gewinnen Prüfungen

In vielen Abschlussprüfungen zählt nicht, ob Sie Spezialwissen haben, sondern ob Sie die Grundlagen sicher beherrschen: Rechtschreibung, Textverständnis, Rechenwege und Aufgabenanalyse. Setzen Sie Prioritäten.


FAQ: Häufige Fragen zum Schulabschluss nachholen

Kann ich als Erwachsene den Schulabschluss nachholen?

Ja. Genau dafür gibt es den zweiten Bildungsweg: Abendschulen, Abendgymnasien, Kollegs, berufliche Schulen und Externenprüfungen. Viele starten mit 25, 35 oder 45 – entscheidend sind Motivation und ein realistischer Plan.

Wie lange dauert es, den Schulabschluss nachzuholen?

Das hängt vom Abschluss und vom Weg ab. Für Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife sind 1–2 Jahre in strukturierten Bildungsgängen oft realistisch. Externenprüfungen können schneller oder länger sein – je nachdem, wie intensiv Sie lernen und welche Vorkenntnisse Sie haben.

Was ist der schnellste Weg, den Schulabschluss nachzuholen?

Schnell ist häufig die Externenprüfung, weil Sie Ihr Tempo selbst bestimmen. Aber schnell ist nur dann gut, wenn Sie auch wirklich bestehen können. Wer Struktur braucht, ist mit Abendschule oder Abendgymnasium oft besser beraten – auch wenn es länger dauert.

Kann ich den Realschulabschluss nachholen, wenn ich keinen Hauptschulabschluss habe?

Je nach Bundesland und Schulform brauchen Sie eine bestimmte Vorbildung oder steigen stufenweise ein. Es gibt Bildungsgänge, die Grundlagen aufbauen. Am besten direkt bei Abendschule oder dem Schulamt nachfragen, welche Einstiegsmöglichkeiten es in Ihrem Wohnort gibt.

Geht Schulabschluss nachholen neben dem Job?

Ja. Abendschulen und Abendgymnasien sind genau dafür gedacht. Bei Schichtarbeit oder unregelmäßigen Zeiten können Fernschule / Online-Lernen oder die Externenprüfung besser passen. Entscheidend ist, dass Sie feste Lernzeiten etablieren.

Was ist besser: Abendschule oder Externenprüfung?

Das hängt von Ihrem Lerntyp ab. Abendschule bietet Unterricht, Feedback und feste Termine. Externenprüfung bietet maximale Freiheit, verlangt aber viel Selbstdisziplin und eine klare Prüfungsstrategie.

Fazit: Schulabschluss nachholen ist machbar – mit dem richtigen Weg

Ob Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Fachabitur oder Abitur: Den Schulabschluss nachholen können Sie auf mehreren Wegen. Entscheidend ist nicht, dass Sie perfekt starten, sondern dass Sie einen Plan wählen, der zu Ihrem Alltag passt – und Sie konsequent dranbleiben. Mit Struktur, realistischen Zielen und der passenden Unterstützung wird aus „Irgendwann“ ein konkretes Datum – und am Ende ein Zeugnis in Ihrer Hand.

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