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WeiterbildungOnline lernenKalkulationsverfahren – Zuschlagskalkulation: Schema, Formeln, Beispiel und Excel Vorlage

Mit der Zuschlagskalkulation ermitteln Sie in Industrie- und Produktionsbetrieben die Kosten eines Erzeugnisses und daraus einen kalkulierten Verkaufspreis. Einzelkosten werden dem Kostenträger direkt zugerechnet, während Gemeinkosten über Zuschlagssätze verteilt werden. Anschließend können Gewinn, Kundenskonto, Kundenrabatt und Umsatzsteuer berücksichtigt werden.

Auf der Bildungsbibel lernen Sie die Zuschlagskalkulation Schritt für Schritt mit einem durchgängigen Rechenbeispiel. Jeder Rechenschritt baut auf dem vorherigen Ergebnis auf. Zusätzlich erhalten Sie Formeln, ein vollständiges Kalkulationsschema, typische Fehler, Hinweise zum Betriebsabrechnungsbogen sowie die bestehende Excel Vorlage und PDF-Datei kostenlos zum Download.

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Zuschlagskalkulation mit Schema und durchgängigem Rechenbeispiel

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zuschlagskalkulation trennt Einzelkosten und Gemeinkosten.
  • Einzelkosten werden direkt einem Produkt, Auftrag oder Kostenträger zugerechnet.
  • Gemeinkosten werden über Zuschlagssätze verteilt, die häufig aus dem Betriebsabrechnungsbogen, kurz BAB, stammen.
  • Materialgemeinkosten werden typischerweise auf das Fertigungsmaterial beziehungsweise die Materialeinzelkosten zugeschlagen.
  • Fertigungsgemeinkosten werden in klassischen Schemata häufig auf die Fertigungslöhne bezogen.
  • Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden häufig auf die Herstellkosten zugeschlagen.
  • Skonto und Rabatt werden in der Angebotskalkulation im Hundert gerechnet, wenn der gewünschte Preis nach Abzug des Nachlasses bereits feststeht.
  • Die Umsatzsteuer gehört nicht zu den Selbstkosten. Sie wird erst auf den Nettoverkaufspreis aufgeschlagen.

Was ist die Zuschlagskalkulation?

Die Zuschlagskalkulation ist ein Verfahren der Kostenträgerrechnung. Sie wird besonders bei Serienfertigung, Einzelfertigung, Auftragsfertigung und mehrstufigen Produktionsabläufen eingesetzt. Kennzeichnend ist die Trennung zwischen direkt zurechenbaren Einzelkosten und indirekten Gemeinkosten. Die Gemeinkosten werden nicht beliebig verteilt, sondern mit betrieblich ermittelten Kalkulations- beziehungsweise Zuschlagssätzen zugerechnet.

Die Zuschlagskalkulation beantwortet damit zunächst die Frage: Welche Kosten verursacht ein Produkt oder Auftrag? Wird anschließend ein Gewinnzuschlag berücksichtigt und werden Skonto sowie Rabatt einkalkuliert, entsteht daraus eine Angebotskalkulation. Lexware beschreibt die Zuschlagskalkulation aktuell ebenfalls als verbreitetes Kostenrechnungsverfahren, bei dem direkte und indirekte Kosten in die Preisermittlung einfließen.

Woher kommen die Zuschlagssätze?

Die Zuschlagssätze der Zuschlagskalkulation werden in der Praxis häufig aus der Kostenstellenrechnung beziehungsweise dem Betriebsabrechnungsbogen abgeleitet. Der BAB verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Anschließend werden passende Bezugsgrößen verwendet, um Zuschlagssätze für die Kostenträgerrechnung zu bilden.

Typische Formeln lauten:

  • Materialgemeinkostenzuschlag: Materialgemeinkosten ÷ Materialeinzelkosten × 100
  • Fertigungsgemeinkostenzuschlag: Fertigungsgemeinkosten ÷ Fertigungslöhne × 100
  • Verwaltungsgemeinkostenzuschlag: Verwaltungsgemeinkosten ÷ Herstellkosten × 100
  • Vertriebsgemeinkostenzuschlag: Vertriebsgemeinkosten ÷ Herstellkosten × 100

Für das folgende durchgängige Beispiel der Zuschlagskalkulation unterstellen wir, dass der BAB bereits folgende Zuschlagssätze geliefert hat: 10 % Materialgemeinkosten, 100 % Fertigungsgemeinkosten, 10 % Verwaltungsgemeinkosten und 10 % Vertriebsgemeinkosten. Zusätzlich werden Sondereinzelkosten der Fertigung und des Vertriebs berücksichtigt.

Kalkulationsschema von den Einzelkosten bis zum Verkaufspreis

RechenschrittBerechnung
Fertigungsmaterialdirekte Materialeinzelkosten
+ MaterialgemeinkostenFertigungsmaterial × MGK-Zuschlagssatz
= MaterialkostenFertigungsmaterial + Materialgemeinkosten
+ Fertigungslöhnedirekt zurechenbare Fertigungseinzelkosten
+ FertigungsgemeinkostenFertigungslöhne × FGK-Zuschlagssatz
+ Sondereinzelkosten der Fertigungauftrags- oder produktbezogene Sonderkosten
= FertigungskostenSumme der Fertigungskostenbestandteile
= HerstellkostenMaterialkosten + Fertigungskosten
+ VerwaltungsgemeinkostenHerstellkosten × VwGK-Zuschlagssatz
+ VertriebsgemeinkostenHerstellkosten × VtGK-Zuschlagssatz
+ Sondereinzelkosten des Vertriebsdirekt zurechenbare Vertriebskosten
= SelbstkostenHerstellkosten + Verwaltung + Vertrieb
+ GewinnSelbstkosten × Gewinnzuschlag
= BarverkaufspreisSelbstkosten + Gewinn
+ Kundenskontoim Hundert auf Zielverkaufspreis hochrechnen
= ZielverkaufspreisPreis vor Skontoabzug
+ Kundenrabattim Hundert auf Listenverkaufspreis hochrechnen
= Listenverkaufspreis nettoAngebots- beziehungsweise Listenpreis ohne Umsatzsteuer
+ UmsatzsteuerNettoverkaufspreis × Steuersatz
= Bruttoverkaufspreisvom Verbraucher zu zahlender Gesamtpreis

Durchgängiges Rechenbeispiel Schritt für Schritt

Damit die Zuschlagskalkulation wirklich verständlich wird, verwenden wir in allen folgenden Abschnitten dasselbe Produkt. Jeder neue Rechenschritt baut auf dem vorherigen Ergebnis auf. Ausgangspunkt sind 800,00 € Fertigungsmaterial.

1. Fertigungsmaterial beziehungsweise Materialeinzelkosten

Das Fertigungsmaterial umfasst Materialien, die einem Produkt direkt zugerechnet werden können, zum Beispiel Rohstoffe, Fremdbauteile oder Halbfabrikate. Stücklisten und Materialentnahmescheine können die direkte Zuordnung unterstützen. Fachlich wichtig: Fertigungsmaterial gehört zu den Materialeinzelkosten und ist nicht mit den Fertigungskosten zu verwechseln.

Rechenbeispiel Schritt 1: Für unser Produkt werden Materialien im Wert von 800,00 € direkt verbraucht. Fertigungsmaterial = 800,00 €.

2. Materialgemeinkosten berechnen

Materialgemeinkosten können einem einzelnen Produkt nicht wirtschaftlich direkt zugerechnet werden. Dazu zählen je nach Kostenstellenstruktur beispielsweise Kosten der Materialbeschaffung, Lagerung, Materialprüfung oder des Materialbereichs. In der Zuschlagskalkulation werden sie häufig prozentual auf das Fertigungsmaterial aufgeschlagen.

Formel: Materialgemeinkosten = Fertigungsmaterial × Materialgemeinkostenzuschlag ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 2: 800,00 € × 10 % = 80,00 € Materialgemeinkosten.

3. Materialkosten ermitteln

Die Materialkosten ergeben sich in unserem vereinfachten Schema aus Fertigungsmaterial und Materialgemeinkosten. Sie bilden den ersten großen Kostenblock der Zuschlagskalkulation.

Formel: Materialkosten = Fertigungsmaterial + Materialgemeinkosten

Rechenbeispiel Schritt 3: 800,00 € + 80,00 € = 880,00 € Materialkosten.

4. Fertigungslöhne ansetzen

Fertigungslöhne sind direkt zurechenbare Fertigungseinzelkosten. Sie entstehen beispielsweise für Arbeitsstunden, die unmittelbar für einen Auftrag oder ein Erzeugnis geleistet werden. In einer klassischen Zuschlagskalkulation dienen die Fertigungslöhne häufig als Bezugsgröße für die Fertigungsgemeinkosten.

Rechenbeispiel Schritt 4: Für die Herstellung werden direkt zurechenbare Fertigungslöhne von 500,00 € erfasst.

5. Fertigungsgemeinkosten berechnen

Fertigungsgemeinkosten entstehen im Produktionsbereich, können aber nicht direkt einem einzelnen Produkt zugerechnet werden. Beispiele sind Meistergehälter, Abschreibungen auf Fertigungsanlagen, Energiekosten der Kostenstelle oder Gebäudekosten. Je nach Produktionsstruktur können mehrere Fertigungskostenstellen mit unterschiedlichen Zuschlagssätzen verwendet werden.

Formel: Fertigungsgemeinkosten = Fertigungslöhne × Fertigungsgemeinkostenzuschlag ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 5: 500,00 € × 100 % = 500,00 € Fertigungsgemeinkosten.

6. Sondereinzelkosten der Fertigung ergänzen

Sondereinzelkosten der Fertigung entstehen für einen konkreten Auftrag oder ein bestimmtes Produkt, gehören aber nicht zum normalen Fertigungsmaterial oder Fertigungslohn. Beispiele sind spezielle Modelle, Werkzeuge, Vorrichtungen oder produktbezogene Lizenzkosten. Haufe weist solche Sonderkosten ebenfalls als eigenen Bestandteil der industriellen Zuschlagskalkulation aus.

Rechenbeispiel Schritt 6: Für eine spezielle Vorrichtung fallen dem Produkt direkt zurechenbare Kosten von 120,00 € an.

7. Fertigungskosten berechnen

Die Fertigungskosten setzen sich in unserem Beispiel aus Fertigungslöhnen, Fertigungsgemeinkosten und Sondereinzelkosten der Fertigung zusammen.

Formel: Fertigungskosten = Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten + Sondereinzelkosten der Fertigung

Rechenbeispiel Schritt 7: 500,00 € + 500,00 € + 120,00 € = 1.120,00 € Fertigungskosten.

8. Herstellkosten ermitteln

Die Herstellkosten ergeben sich in der Zuschlagskalkulation aus Materialkosten und Fertigungskosten. Sie sind eine wichtige Bezugsgröße, weil Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten in vielen Kalkulationsschemata prozentual auf die Herstellkosten aufgeschlagen werden.

Formel: Herstellkosten = Materialkosten + Fertigungskosten

Rechenbeispiel Schritt 8: 880,00 € + 1.120,00 € = 2.000,00 € Herstellkosten.

9. Verwaltungsgemeinkosten berechnen

Verwaltungsgemeinkosten entstehen beispielsweise durch Unternehmensleitung, Rechnungswesen, Personalverwaltung, Büroausstattung oder allgemeine Verwaltungstätigkeiten. Eine direkte Zuordnung zu einem einzelnen Erzeugnis ist meist nicht möglich. In der Zuschlagskalkulation werden sie häufig auf die Herstellkosten bezogen.

Formel: Verwaltungsgemeinkosten = Herstellkosten × Verwaltungsgemeinkostenzuschlag ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 9: 2.000,00 € × 10 % = 200,00 € Verwaltungsgemeinkosten.

10. Vertriebsgemeinkosten berechnen

Vertriebsgemeinkosten entstehen für den allgemeinen Vertrieb und Verkauf, beispielsweise durch Vertriebsgehälter, allgemeine Werbung, Verkaufsverwaltung oder Lagerung fertiger Produkte. Direkt einem Auftrag zurechenbare Vertriebskosten gehören dagegen eher zu den Sondereinzelkosten des Vertriebs.

Formel: Vertriebsgemeinkosten = Herstellkosten × Vertriebsgemeinkostenzuschlag ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 10: 2.000,00 € × 10 % = 200,00 € Vertriebsgemeinkosten.

11. Sondereinzelkosten des Vertriebs berücksichtigen

Sondereinzelkosten des Vertriebs lassen sich einem bestimmten Produkt oder Auftrag direkt zurechnen. Denkbar sind spezielle Verpackungen, auftragsbezogene Provisionen, besondere Versandmaßnahmen oder ausschließlich für einen Auftrag entstehende Vertriebskosten.

Rechenbeispiel Schritt 11: Für eine auftragsbezogene Spezialverpackung fallen 50,00 € Sondereinzelkosten des Vertriebs an.

12. Selbstkosten berechnen

Die Selbstkosten umfassen in der Vollkostenrechnung die dem Produkt zugerechneten Herstell-, Verwaltungs- und Vertriebskosten einschließlich relevanter Sondereinzelkosten. Sie zeigen damit, welchen Kostenbetrag das Produkt nach dem gewählten Kalkulationsverfahren insgesamt tragen soll. Die Selbstkosten sind nicht nur die Kosten „für den Vertrieb“, sondern der gesamte kalkulierte Kostenblock des Erzeugnisses.

Formel: Selbstkosten = Herstellkosten + Verwaltungsgemeinkosten + Vertriebsgemeinkosten + Sondereinzelkosten des Vertriebs

Rechenbeispiel Schritt 12: 2.000,00 € + 200,00 € + 200,00 € + 50,00 € = 2.450,00 € Selbstkosten.

13. Gewinnzuschlag berechnen

Der Gewinnzuschlag ist eine unternehmerische Kalkulationsgröße. Seine Höhe kann von Markt, Wettbewerb, Risiko, Kapitalbindung, Produktstrategie und gewünschter Marge abhängen. Ein pauschal „richtiger“ Gewinnsatz existiert nicht. In der klassischen Zuschlagskalkulation wird der Gewinn häufig prozentual auf die Selbstkosten gerechnet.

Formel: Gewinn = Selbstkosten × Gewinnzuschlag ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 13: Bei 20 % Gewinnzuschlag gilt: 2.450,00 € × 20 % = 490,00 € Gewinn.

14. Barverkaufspreis berechnen

Der Barverkaufspreis entsteht aus Selbstkosten und kalkuliertem Gewinn. Er ist der Nettoverkaufspreis, den das Unternehmen erhalten soll, wenn keine Skontierung mehr abgezogen werden muss.

Formel: Barverkaufspreis = Selbstkosten + Gewinn

Rechenbeispiel Schritt 14: 2.450,00 € + 490,00 € = 2.940,00 € Barverkaufspreis.

15. Kundenskonto im Hundert berechnen

Kundenskonto ist ein Preisnachlass für eine Zahlung innerhalb einer vereinbarten kurzen Frist. Wird die Zuschlagskalkulation vorwärts aufgebaut, darf das Skonto nicht einfach mit 2 % des Barverkaufspreises addiert werden. Der Barverkaufspreis entspricht nach einem Skonto von 2 % nämlich 98 % des Zielverkaufspreises. Deshalb wird im Hundert gerechnet. Mehr zur Logik finden Sie bei der Prozentrechnung mit vermindertem Grundwert.

Formel: Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (100 − Skontosatz) × 100

Rechenbeispiel Schritt 15: 2.940,00 € entsprechen bei 2 % Skonto 98 %. Daher: 2.940,00 € ÷ 98 × 100 = 3.000,00 € Zielverkaufspreis. Der einkalkulierte Skontobetrag beträgt 60,00 €.

16. Zielverkaufspreis verstehen

Der Zielverkaufspreis ist der Nettoverkaufspreis vor Abzug des kalkulierten Kundenskontos. Zahlt der Kunde ohne Skonto innerhalb des normalen Zahlungsziels, soll dieser Betrag vereinnahmt werden. Gewährt das Unternehmen 2 % Skonto, verbleiben aus 3.000,00 € genau 2.940,00 € Barverkaufspreis.

Rechenbeispiel Schritt 16 – Kontrollrechnung: 3.000,00 € − 2 % von 3.000,00 € = 3.000,00 € − 60,00 € = 2.940,00 €. Damit stimmt der vorher berechnete Barverkaufspreis.

17. Kundenrabatt im Hundert berechnen

Auch der Kundenrabatt wird bei der Vorwärtskalkulation im Hundert berücksichtigt. Soll der Zielverkaufspreis nach 20 % Rabatt noch 3.000,00 € betragen, entsprechen diese 3.000,00 € nur 80 % des Listenverkaufspreises.

Formel: Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (100 − Rabattsatz) × 100

Rechenbeispiel Schritt 17: 3.000,00 € ÷ 80 × 100 = 3.750,00 € Listenverkaufspreis netto. Der einkalkulierte Kundenrabatt beträgt 750,00 €.

18. Listenverkaufspreis beziehungsweise Angebotspreis

Der Listenverkaufspreis ist in diesem Kalkulationsschema der Nettoverkaufspreis vor Abzug des vorgesehenen Kundenrabatts. Im B2B-Bereich kann er als Grundlage für Angebote oder Preislisten dienen. Für Verbraucher gelten zusätzliche Preisangabenregeln: Die Preisangabenverordnung verlangt grundsätzlich die Angabe des Gesamtpreises einschließlich Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile.

Rechenbeispiel Schritt 18 – Kontrollrechnung: 20 % von 3.750,00 € = 750,00 €. Nach Abzug des Rabatts bleiben 3.000,00 € Zielverkaufspreis.

19. Umsatzsteuer berechnen

Die Umsatzsteuer gehört nicht zu den Selbstkosten und verändert den kalkulatorischen Gewinn nicht. Sie wird auf den steuerpflichtigen Nettoverkaufspreis aufgeschlagen. Der Regelsteuersatz beträgt in Deutschland nach § 12 UStG 19 %. Für bestimmte Umsätze gilt ein ermäßigter Steuersatz von 7 %. Welcher Steuersatz tatsächlich anzuwenden ist, hängt von der gelieferten Ware oder Leistung ab.

Formel: Umsatzsteuer = Nettoverkaufspreis × Umsatzsteuersatz ÷ 100

Rechenbeispiel Schritt 19: Für unser Beispiel gilt der Regelsteuersatz von 19 %. 3.750,00 € × 19 % = 712,50 € Umsatzsteuer.

20. Bruttoverkaufspreis berechnen

Der Bruttoverkaufspreis ergibt sich aus Nettoverkaufspreis und Umsatzsteuer. Wird das Produkt Verbrauchern angeboten, ist der Gesamtpreis einschließlich Umsatzsteuer grundsätzlich besonders relevant. Im reinen B2B-Angebot wird dagegen häufig mit Nettopreisen gearbeitet.

Formel: Bruttoverkaufspreis = Nettoverkaufspreis + Umsatzsteuer

Rechenbeispiel Schritt 20: 3.750,00 € + 712,50 € = 4.462,50 € Bruttoverkaufspreis. Damit ist unsere vollständige Zuschlagskalkulation abgeschlossen.

Das vollständige Rechenbeispiel in einer Tabelle

PositionZuschlagBetrag
Fertigungsmaterial800,00 €
+ Materialgemeinkosten10 % von 800,00 €80,00 €
= Materialkosten880,00 €
+ Fertigungslöhne500,00 €
+ Fertigungsgemeinkosten100 % von 500,00 €500,00 €
+ Sondereinzelkosten der Fertigung120,00 €
= Fertigungskosten1.120,00 €
= Herstellkosten2.000,00 €
+ Verwaltungsgemeinkosten10 % von 2.000,00 €200,00 €
+ Vertriebsgemeinkosten10 % von 2.000,00 €200,00 €
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs50,00 €
= Selbstkosten2.450,00 €
+ Gewinn20 % von 2.450,00 €490,00 €
= Barverkaufspreis2.940,00 €
+ Kundenskonto2 % im Hundert60,00 €
= Zielverkaufspreis3.000,00 €
+ Kundenrabatt20 % im Hundert750,00 €
= Listenverkaufspreis netto3.750,00 €
+ Umsatzsteuer19 %712,50 €
= Bruttoverkaufspreis4.462,50 €

Summarische und differenzierte Zuschlagskalkulation

Nicht jede Zuschlagskalkulation ist gleich detailliert. Bei der summarischen Zuschlagskalkulation werden größere Gemeinkostenblöcke mit einem oder wenigen Zuschlagssätzen verteilt. Das ist einfacher, kann aber bei sehr unterschiedlichen Produkten ungenau werden.

Die differenzierte Zuschlagskalkulation arbeitet mit mehreren Kostenstellen und unterschiedlichen Zuschlagssätzen. Beispielsweise können Zuschnitt, Bearbeitung und Montage getrennt kalkuliert werden. Haufe weist darauf hin, dass die Kostenstellenzuschlagskalkulation durch die Verwendung differenzierter Kostensätze die Kalkulationsgenauigkeit erhöhen kann.

Besonders bei stark automatisierten Produktionsprozessen ist ein hoher Zuschlag auf Fertigungslöhne nicht immer verursachungsgerecht. Dann können Maschinenstundensätze, Prozesskostenrechnung oder andere Bezugsgrößen sinnvoller sein. Die Zuschlagskalkulation bleibt also ein wichtiges Grundverfahren, muss aber zur tatsächlichen Kostenstruktur des Unternehmens passen.

Vor-, Zwischen- und Nachkalkulation unterscheiden

Die Zuschlagskalkulation kann zu verschiedenen Zeitpunkten eingesetzt werden. Bei der Vorkalkulation werden erwartete Kosten verwendet, um vor Fertigung oder Auftragserteilung einen Angebotspreis zu bestimmen. Während der Bearbeitung kann eine Zwischenkalkulation prüfen, ob der Auftrag noch im Plan liegt. Nach Abschluss werden in einer Nachkalkulation tatsächliche Kosten mit der ursprünglichen Planung verglichen.

Gerade für die Unternehmenssteuerung ist die Nachkalkulation wichtig. Weichen Materialverbrauch, Arbeitszeiten oder Gemeinkosten deutlich von den Annahmen ab, sollten Zuschlagssätze und Kalkulationsgrundlagen überprüft werden. Eine einmal eingerichtete Zuschlagskalkulation darf daher nicht jahrelang unverändert weiterverwendet werden.

Häufige Fehler vermeiden

  • Fertigungsmaterial und Fertigungskosten verwechseln: Fertigungsmaterial gehört zu den Materialeinzelkosten.
  • veraltete Zuschlagssätze verwenden: Der BAB sollte regelmäßig mit aktuellen Kosten und Bezugsgrößen aktualisiert werden.
  • falsche Bezugsgröße wählen: Material-, Fertigungs-, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten benötigen sachgerechte Zuschlagsbasen.
  • Sondereinzelkosten vergessen: auftragsbezogene Werkzeuge, Spezialverpackungen oder Provisionen können die Kosten erheblich verändern.
  • Rabatt und Skonto einfach aufschlagen: Bei der Vorwärtskalkulation müssen beide Nachlässe im Hundert hochgerechnet werden.
  • Umsatzsteuer als Kostenbestandteil behandeln: Sie wird erst nach Ermittlung des Nettoverkaufspreises berücksichtigt.
  • Marktpreis ignorieren: Ein rechnerisch korrekter Preis ist nicht automatisch am Markt durchsetzbar.
  • Nachkalkulation auslassen: Ohne Soll-Ist-Vergleich bleiben Fehler in Zuschlagssätzen und Vorgaben unentdeckt.

Vorteile und Grenzen des Verfahrens

VorteileGrenzen
klare GrundstrukturGemeinkosten werden nur indirekt zugerechnet
gut für Produkt- und AuftragskalkulationZuschlagssätze können Kostenverursachung verzerren
BAB liefert nachvollziehbare Zuschlagssätzehoher Pflegebedarf bei stark veränderten Kosten
geeignet für Vor- und NachkalkulationMarkt- und Wettbewerbspreise werden nicht automatisch berücksichtigt
Excel lässt sich einfach einsetzenkomplexe Produktion benötigt oft mehrere Kostenstellen oder andere Verfahren

Die Zuschlagskalkulation ist besonders verständlich und praktisch, wenn die Kostenstruktur nicht zu komplex ist oder ausreichend differenzierte Kostenstellen vorhanden sind. Bei hohen Gemeinkosten und sehr heterogenen Produkten sollte geprüft werden, ob die gewählten Zuschlagsbasen die tatsächliche Kostenverursachung noch ausreichend abbilden.

Excel Vorlage und PDF für die Zuschlagskalkulation kostenlos downloaden

Excel eignet sich sehr gut, um die Zuschlagskalkulation automatisiert durchzuführen. Sie können Zuschlagssätze, Einzelkosten, Gewinn, Skonto und Rabatt in getrennten Zellen hinterlegen und verschiedene Szenarien durchspielen. Die vorhandene Bildungsbibel-Vorlage können Sie weiterhin kostenlos verwenden.

Häufige Fragen

Was ist die Zuschlagskalkulation einfach erklärt?

Bei der Zuschlagskalkulation werden direkt zurechenbare Einzelkosten unmittelbar auf ein Produkt oder einen Auftrag gebucht. Gemeinkosten werden mit Zuschlagssätzen verteilt. Daraus entstehen Materialkosten, Fertigungskosten, Herstellkosten und Selbstkosten. Anschließend kann daraus ein Verkaufspreis kalkuliert werden.

Warum braucht man einen Betriebsabrechnungsbogen?

Der BAB verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen und liefert wichtige Grundlagen für die Zuschlagssätze. Ohne aktuelle Kostenstellenrechnung können die verwendeten Sätze schnell ungenau werden. Mehr Hintergrund bietet Lexware in den Informationen zur Kostenträgerrechnung.

Warum werden Rabatt und Skonto im Hundert gerechnet?

Weil der gewünschte Betrag nach Abzug des Nachlasses erhalten bleiben soll. Soll nach 2 % Skonto ein Barverkaufspreis von 2.940,00 € übrig bleiben, sind diese 2.940,00 € nur 98 % des Zielverkaufspreises. Deshalb muss auf 100 % hochgerechnet werden.

Ist die Umsatzsteuer Teil der Selbstkosten?

Nein. Die Umsatzsteuer wird in der Zuschlagskalkulation erst auf den Nettoverkaufspreis aufgeschlagen. Unternehmen vereinnahmen sie grundsätzlich für das Finanzamt; vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen können unter den gesetzlichen Voraussetzungen die ihnen berechnete Vorsteuer geltend machen.

Wann ist eine Maschinenstundensatzrechnung sinnvoller?

Wenn die Fertigung stark automatisiert und maschinenintensiv ist, können Fertigungslöhne als Zuschlagsbasis zu Verzerrungen führen. Dann kann die Zuschlagskalkulation um Maschinenstundensätze ergänzt werden, damit maschinenabhängige Gemeinkosten verursachungsgerechter verteilt werden.

Ist der kalkulierte Preis automatisch der Marktpreis?

Nein. Die Zuschlagskalkulation zeigt, welcher Preis sich aus Kosten, Gewinn und den eingeplanten Nachlässen ergibt. Ob dieser Preis am Markt durchsetzbar ist, hängt zusätzlich von Wettbewerb, Kundennutzen, Nachfrage, Positionierung und Verhandlungssituation ab.

Weitere Informationen zur Kalkulation

Fazit: Schrittweise kalkulieren und jeden Zwischenschritt kontrollieren

Die Zuschlagskalkulation verbindet Einzelkosten und Gemeinkosten zu einem nachvollziehbaren Produkt- oder Auftragspreis. Entscheidend sind aktuelle Zuschlagssätze, passende Bezugsgrößen und eine saubere Trennung von Material-, Fertigungs-, Verwaltungs- und Vertriebskosten. Gewinn, Skonto und Rabatt bauen anschließend auf den Selbstkosten auf.

Das durchgängige Beispiel zeigt die komplette Logik: Aus 800,00 € Fertigungsmaterial entstehen 880,00 € Materialkosten, 1.120,00 € Fertigungskosten, 2.000,00 € Herstellkosten und 2.450,00 € Selbstkosten. Nach 20 % Gewinn ergeben sich 2.940,00 € Barverkaufspreis. Durch 2 % Skonto und 20 % Rabatt wird auf 3.750,00 € Listenverkaufspreis netto hochgerechnet. Mit 19 % Umsatzsteuer endet die Zuschlagskalkulation bei einem Bruttoverkaufspreis von 4.462,50 €.

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