Weiterbildung – Online lernen – Deutsch lernen – Reflexivpronomen: Regeln, Akkusativ, Dativ, Beispiele und Übungen
Das Reflexivpronomen ist ein rückbezügliches Fürwort. Es verweist innerhalb eines Satzes meist auf das Subjekt zurück und zeigt, dass eine Handlung oder ein Zustand auf dieselbe Person oder Sache bezogen ist. Im Deutschen sind vor allem die Formen mich, mir, dich, dir, sich, uns und euch wichtig. Besonders häufig stehen Reflexivpronomen im Akkusativ oder Dativ.
Auf Bildungsbibel.de lernen Sie die Formen und Regeln Schritt für Schritt. Sie erfahren, wann ein Reflexivpronomen im Akkusativ oder Dativ steht, wie sich obligatorisch reflexive und reflexiv gebrauchte Verben unterscheiden, welche Rolle Präpositionen spielen und wie die Satzstellung funktioniert. Zusätzlich finden Sie viele Beispiele, typische Fehler, Übungen mit Lösungen, ein Video und weiterführende Links zu anderen Pronomenarten.
Das Wichtigste auf einen Blick
Reflexivpronomen beziehen sich auf eine bereits genannte Person oder Sache zurück, meistens auf das Subjekt. In „Ich wasche mich“ bezeichnen ich und mich dieselbe Person. In „Sie kauft sich ein Buch“ verweist sich ebenfalls auf das Subjekt sie, steht aber im Dativ, weil ein Buch bereits das Akkusativobjekt ist.
| Person | Akkusativ | Dativ | Beispiel |
|---|---|---|---|
| ich | mich | mir | Ich wasche mich. / Ich wasche mir die Hände. |
| du | dich | dir | Du kämmst dich. / Du kämmst dir die Haare. |
| er / sie / es | sich | sich | Er setzt sich. / Er bestellt sich einen Kaffee. |
| wir | uns | uns | Wir beeilen uns. / Wir machen uns einen Tee. |
| ihr | euch | euch | Ihr freut euch. / Ihr kauft euch Karten. |
| sie / Sie | sich | sich | Sie setzen sich. / Sie nehmen sich Zeit. |
Das Reflexivpronomen besitzt im modernen Standarddeutsch kein eigenes Nominativparadigma. Das Subjekt wird durch ein Personalpronomen oder eine Nominalgruppe ausgedrückt. Für den praktischen Sprachgebrauch stehen deshalb vor allem Akkusativ und Dativ im Mittelpunkt. Traditionelle Grammatiken erwähnen teilweise auch genitivische Formen wie meiner, deiner oder seiner; für das heutige Lernen der Reflexivformen spielen sie jedoch nur eine sehr geringe Rolle.
Was sind rückbezügliche Fürwörter?
Ein Reflexivpronomen stellt einen Rückbezug her. In der Regel ist die Person oder Sache, auf die es verweist, bereits als Subjekt im Satz vorhanden. Der Satz „Mara betrachtet sich im Spiegel“ bedeutet, dass Mara die Person ist, die betrachtet, und zugleich die Person, die betrachtet wird. Das Pronomen ersetzt also kein beliebiges anderes Objekt, sondern verweist auf denselben Bezugsträger zurück.
Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache beschreibt Reflexivpronomen als eine Untergruppe der Pronomen, die innerhalb eines Satzes oder Teilsatzes auf bereits eingeführte Personen oder Gegenstände zurückverweist. Der Bezugsausdruck ist meistens das Subjekt. Im engeren grammatischen Sinn gilt vor allem die unveränderliche Form sich als eigentliches Reflexivpronomen; die Formen der ersten und zweiten Person entsprechen formal den Personalpronomen und erhalten erst im Satz ihre reflexive Bedeutung.
Diese Unterscheidung erklärt, warum mich nicht in jedem Satz automatisch ein Reflexivpronomen ist. In „Paul sieht mich“ verweist mich nicht auf das Subjekt Paul, sondern auf eine andere Person. In „Ich sehe mich im Spiegel“ bezeichnen ich und mich dagegen dieselbe Person. Erst der Rückbezug macht die Form reflexiv.
Die Formen im Singular und Plural
Die Formen lassen sich am einfachsten nach Person und Kasus lernen. Ein Reflexivpronomen unterscheidet im Akkusativ und Dativ nur bei ich und du zwischen zwei Formen. Bei wir und ihr sind Akkusativ und Dativ gleich. In der dritten Person lautet die Form im Singular und Plural immer sich.
| Person | Subjekt | Akkusativ | Dativ |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | ich | mich | mir |
| 2. Person Singular | du | dich | dir |
| 3. Person Singular | er / sie / es | sich | sich |
| 1. Person Plural | wir | uns | uns |
| 2. Person Plural | ihr | euch | euch |
| 3. Person Plural | sie | sich | sich |
| Höflichkeitsform | Sie | sich | sich |
Die Tabelle zeigt einen wichtigen Lernvorteil: Bei er, sie, es, sie im Plural und der Höflichkeitsform Sie müssen Sie nur eine Form kennen. Das Reflexivpronomen lautet immer sich. Beispiele sind „Er freut sich“, „Sie freut sich“, „Das Kind freut sich“, „Die Kinder freuen sich“ und „Freuen Sie sich?“.
In der ersten und zweiten Person stimmen die Formen mit den entsprechenden Personalpronomen überein. Der Satz entscheidet über die Funktion. In „Sie besucht mich“ ist mich ein Personalpronomen ohne Rückbezug. In „Ich verletze mich“ ist dieselbe Form reflexiv, weil Subjekt und Objekt dieselbe Person bezeichnen. Weitere Grundlagen zu den Formen erhalten Sie auf Bildungsbibel.de bei den Personalpronomen.
Warum gibt es keinen Nominativ?
Ein Reflexivpronomen bezieht sich normalerweise auf das Subjekt zurück und kann deshalb nicht gleichzeitig als dieses Subjekt auftreten. Im Satz „Ich wasche mich“ steht ich im Nominativ und mich im Akkusativ. Würde man einen eigenen reflexiven Nominativ annehmen, müsste das rückbezügliche Wort auf ein Subjekt verweisen, obwohl es selbst bereits dieses Subjekt wäre.
Für Lernende ist deshalb die einfache Regel sinnvoll: Das Reflexivpronomen steht nicht im Nominativ. Die Formen ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie sind Personalpronomen im Nominativ. Erst in Akkusativ oder Dativ entstehen die für reflexive Konstruktionen typischen Formen.
Und was ist mit dem Genitiv?
In älteren oder ausführlichen grammatischen Tabellen werden manchmal genitivische Formen wie meiner, deiner, seiner, ihrer, unser oder euer aufgeführt. Im modernen Standarddeutsch sind solche Konstruktionen jedoch selten und gehören nicht zum Kernbereich, den Lernende für reflexive Sätze im Alltag benötigen. Das heutige Reflexivsystem wird praktisch vor allem über Akkusativ und Dativ vermittelt.
Formulierungen wie „Er war seiner selbst nicht mehr sicher“ enthalten zwar einen Rückbezug, unterscheiden sich aber deutlich von alltäglichen Konstruktionen wie „Er wäscht sich“ oder „Er merkt sich den Termin“. Für Schule und Deutsch als Fremdsprache ist es daher sinnvoll, das Reflexivpronomen zunächst sicher im Akkusativ und Dativ zu beherrschen und seltene Genitivkonstruktionen erst später zu behandeln.
Akkusativ oder Dativ: So wählen Sie richtig
Die wichtigste praktische Frage lautet: Wann steht das Reflexivpronomen im Akkusativ und wann im Dativ? Bei vielen Verben ist der Akkusativ der Normalfall. Beispiele sind „Ich beeile mich“, „Du erinnerst dich“ oder „Wir setzen uns“. Der Kasus gehört hier zur Verbkonstruktion beziehungsweise zur jeweiligen Bedeutung des Verbs.
Der Dativ ist besonders häufig, wenn im Satz bereits ein anderes Akkusativobjekt vorhanden ist. Vergleichen Sie „Ich wasche mich“ mit „Ich wasche mir die Hände“. Im ersten Satz bezeichnet mich die Person, die gewaschen wird. Im zweiten Satz sind die Hände das Akkusativobjekt; das Reflexivpronomen mir steht deshalb im Dativ.
| Struktur | Kasus | Beispiel |
|---|---|---|
| Reflexivpronomen ist das einzige Objekt | häufig Akkusativ | Ich wasche mich. |
| Zusätzliches Akkusativobjekt vorhanden | häufig Dativ | Ich wasche mir die Hände. |
| Verb verlangt fest den Akkusativ | Akkusativ | Wir beeilen uns. |
| Verb beziehungsweise Konstruktion verlangt den Dativ | Dativ | Ich merke mir die Nummer. |
Die Faustregel mit dem zusätzlichen Akkusativobjekt ist hilfreich, aber nicht in jedem Satz allein ausreichend. Manche Verben legen den Kasus fest. Ein Reflexivpronomen sollte deshalb möglichst zusammen mit dem vollständigen Verb und seiner Ergänzung gelernt werden: sich an etwas erinnern, sich für etwas interessieren, sich etwas merken oder sich etwas vorstellen.
Akkusativ: mich, dich, sich, uns, euch, sich
Im Akkusativ verwenden Sie die Formen mich, dich, sich, uns, euch, sich. Viele feste reflexive Verben verlangen diese Formen. Das Reflexivpronomen ist dann eng mit dem Verb verbunden und kann nicht einfach weggelassen oder durch ein beliebiges Objekt ersetzt werden.
- Ich beeile mich.
- Du interessierst dich für Sprachen.
- Er schämt sich für seinen Fehler.
- Wir erholen uns am Wochenende.
- Ihr setzt euch auf die Bank.
- Die Gäste verabschieden sich.
Dativ: mir, dir, sich, uns, euch, sich
Im Dativ lauten die Formen mir, dir, sich, uns, euch, sich. Besonders typisch sind Konstruktionen, bei denen ein Körperteil, Kleidungsstück oder anderer Gegenstand zusätzlich als Akkusativobjekt genannt wird. Das Reflexivpronomen bezeichnet dann häufig die Person, zu der dieser Gegenstand gehört.
- Ich putze mir die Zähne.
- Du wäschst dir die Hände.
- Sie kämmt sich die Haare.
- Wir ziehen uns die Jacken an.
- Ihr bestellt euch eine Pizza.
- Die Kinder wünschen sich ein Fahrrad.
Merksatz: Steht bereits ein deutliches Akkusativobjekt im Satz, beispielsweise die Hände, einen Kaffee, eine Jacke oder die Nummer, steht das rückbezügliche Pronomen häufig im Dativ. Prüfen Sie trotzdem immer die Verbkonstruktion.
Obligatorisch reflexive Verben
Bei obligatorisch reflexiven Verben gehört das Reflexivpronomen fest zur Verbkonstruktion. Ohne den Rückbezug wäre das Verb in dieser Bedeutung nicht vollständig oder hätte eine andere grammatische Struktur. Duden nennt beispielsweise sich auskennen, sich bedanken, sich beeilen, sich befassen, sich erholen, sich erkundigen, sich schämen, sich verneigen und sich weigern.
| Verb | Beispiel | Ergänzung |
|---|---|---|
| sich beeilen | Ich beeile mich. | ohne weitere Ergänzung möglich |
| sich bedanken | Sie bedankt sich bei ihrem Kollegen für die Hilfe. | bei + Dativ, für + Akkusativ |
| sich erkundigen | Wir erkundigen uns nach dem Fahrplan. | nach + Dativ |
| sich schämen | Er schämt sich für sein Verhalten. | für + Akkusativ |
| sich weigern | Sie weigert sich, den Vertrag zu unterschreiben. | Infinitivgruppe möglich |
| sich erholen | Ihr erholt euch im Urlaub. | Orts- oder Zeitangabe möglich |
Beim Vokabellernen sollten Sie solche Verben immer zusammen mit dem Reflexivpronomen speichern. Lernen Sie also nicht nur erkundigen, sondern sich nach etwas erkundigen. So merken Sie gleichzeitig, dass die Konstruktion reflexiv ist und welche Präposition folgt.
Reflexiv gebrauchte Verben: Bedeutung hängt vom Satz ab
Nicht jedes Verb mit Reflexivpronomen ist ein obligatorisch reflexives Verb. Viele Verben können sowohl mit einem normalen Objekt als auch rückbezüglich verwendet werden. In „Die Mutter wäscht das Kind“ sind Subjekt und Objekt verschieden. In „Das Kind wäscht sich“ beziehen sich Subjekt und Objekt auf dieselbe Person.
| Nicht reflexiv | Reflexiv gebraucht |
|---|---|
| Der Friseur kämmt den Kunden. | Der Kunde kämmt sich. |
| Die Mutter wäscht das Kind. | Das Kind wäscht sich. |
| Paul fotografiert Maria. | Paul fotografiert sich im Spiegel. |
| Die Trainerin verletzt niemanden. | Die Spielerin verletzt sich. |
| Anna stellt die Tasse auf den Tisch. | Anna stellt sich vor die Tür. |
Beim letzten Beispiel verändert sich nicht nur der Rückbezug, sondern auch die Bedeutung des Verbs. etwas stellen und sich stellen sind unterschiedliche Konstruktionen. Deshalb ist es beim Reflexivpronomen wichtig, nicht nur einzelne Formen zu lernen, sondern vollständige Beispielsätze und typische Ergänzungen.
Reflexive Verben mit Präpositionen
Viele häufige reflexive Verben werden mit einer festen Präposition verwendet. Das Reflexivpronomen steht dann zusätzlich zur Präpositionalergänzung. Wer Deutsch lernt, sollte Verb, Reflexivform und Präposition als Einheit speichern. Das verhindert Fehler bei Kasus und Wortwahl.
| Verbverbindung | Beispiel |
|---|---|
| sich für etwas interessieren | Ich interessiere mich für Geschichte. |
| sich an etwas erinnern | Du erinnerst dich an den ersten Schultag. |
| sich auf etwas freuen | Wir freuen uns auf die Ferien. |
| sich über etwas freuen | Sie freut sich über das Geschenk. |
| sich um etwas kümmern | Er kümmert sich um die Bestellung. |
| sich bei jemandem bedanken | Ich bedanke mich bei Ihnen. |
| sich für etwas bedanken | Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung. |
| sich nach etwas erkundigen | Sie erkundigt sich nach dem Preis. |
| sich mit jemandem unterhalten | Ich unterhalte mich mit meiner Kollegin. |
| sich über etwas unterhalten | Wir unterhalten uns über das Projekt. |
Einige dieser Verben ändern ihre Bedeutung mit der Präposition. „Ich freue mich auf den Urlaub“ bezeichnet Vorfreude auf etwas Zukünftiges. „Ich freue mich über das Geschenk“ beschreibt Freude über etwas, das bereits vorhanden oder eingetreten ist. Solche Bedeutungsunterschiede sind für den korrekten Gebrauch wichtiger als das Reflexivpronomen allein.
Sich selbst: Rückbezug besonders hervorheben
Mit selbst können Sie den Rückbezug verstärken. „Sie beschreibt sich“ bedeutet, dass sie die eigene Person beschreibt. „Sie beschreibt sich selbst“ hebt diesen Gegensatz besonders hervor. Das Wort selbst ist dabei kein zusätzliches Reflexivpronomen, sondern dient der Betonung.
- Ich habe mich selbst überrascht.
- Du musst dir selbst vertrauen.
- Er kritisiert sich selbst sehr streng.
- Wir haben uns selbst organisiert.
Die Verstärkung ist besonders nützlich, wenn theoretisch auch eine andere Person gemeint sein könnte. Das Reflexivpronomen reicht grammatisch meist aus, selbst macht die Aussage jedoch eindeutiger oder betonter.
Reflexiv oder reziprok: sich kann auch „einander“ bedeuten
Bei mehreren Personen kann die Form sich zwei Bedeutungen haben. „Die beiden sehen sich im Spiegel“ kann bedeuten, dass jede Person sich selbst sieht. „Die beiden sehen sich jeden Dienstag“ bedeutet dagegen normalerweise, dass sie einander treffen. Die zweite Verwendung heißt reziprok.
Wenn eine Aussage missverständlich ist, kann einander die wechselseitige Bedeutung verdeutlichen. Vergleichen Sie „Die Spieler loben sich“ mit „Die Spieler loben einander“. Das Reflexivpronomen kann je nach Kontext also reflexiv oder reziprok interpretiert werden.
| Satz | Bedeutung |
|---|---|
| Anna und Lea fotografieren sich. | mehrdeutig: jeweils sich selbst oder gegenseitig |
| Anna und Lea fotografieren sich selbst. | reflexiv: jede fotografiert die eigene Person |
| Anna und Lea fotografieren einander. | reziprok: jede fotografiert die andere |
| Die Freunde treffen sich. | üblich reziprok: sie treffen einander |
Satzstellung: Wo steht das Reflexivpronomen?
Die Stellung hängt von Satzart, Verbform und weiteren Satzgliedern ab. Im einfachen Hauptsatz steht das Reflexivpronomen meist relativ früh im Mittelfeld: „Ich freue mich auf den Urlaub.“ In einem Nebensatz steht das finite Verb am Ende: „…, weil ich mich auf den Urlaub freue.“
| Satzform | Beispiel |
|---|---|
| Hauptsatz | Ich freue mich auf morgen. |
| Nebensatz | Ich komme mit, weil ich mich darauf freue. |
| Perfekt | Ich habe mich sehr gefreut. |
| Modalverb | Ich muss mich beeilen. |
| Infinitiv mit zu | Sie versucht, sich zu konzentrieren. |
| Frage | Freust du dich auf den Urlaub? |
| Imperativ du | Beeil dich! |
| Imperativ ihr | Beeilt euch! |
| Höflichkeitsform | Setzen Sie sich bitte. |
In zusammengesetzten Verbformen bleibt das Reflexivpronomen beim konjugierten Teil beziehungsweise im Mittelfeld. Im Perfekt heißt es „Er hat sich entschuldigt“ und nicht „Er hat entschuldigt sich“. Bei einem Modalverb steht der Infinitiv am Satzende, während das Pronomen vorher erscheint: „Wir müssen uns beeilen.“
Groß- und Kleinschreibung bei sich, dich, dir und euch
Die Form sich wird immer kleingeschrieben, auch wenn sie sich auf die Höflichkeitsform Sie bezieht: „Bitte setzen Sie sich.“ oder „Haben Sie sich schon entschieden?“ Das großgeschriebene Sie ist das Personalpronomen der höflichen Anrede, während das Reflexivpronomen sich unverändert kleingeschrieben wird.
Bei den Anredepronomen du, dich, dir, ihr, euch ist in Briefen und vergleichbaren direkten Anreden auch Großschreibung möglich. Für normale Übungen und neutrale Beispielsätze auf Bildungsbibel.de verwenden wir die übliche Kleinschreibung. Entscheidend ist, dass das Reflexivpronomen sich niemals zu Sich wird.
Personalpronomen oder Reflexivpronomen?
Da die Formen der ersten und zweiten Person gleich aussehen, müssen Sie ihre Funktion im Satz prüfen. Ein Reflexivpronomen liegt vor, wenn Pronomen und Bezugsausdruck dieselbe Person oder Sache meinen. Bei einem Personalpronomen ohne reflexive Funktion sind die beiden Bezugspersonen verschieden.
| Satz | Einordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Ich sehe mich im Spiegel. | reflexiv | ich = mich |
| Paul sieht mich. | Personalpronomen | Paul ≠ mich |
| Du hilfst dir selbst. | reflexiv | du = dir |
| Du hilfst mir. | Personalpronomen | du ≠ mir |
| Wir fotografieren uns selbst. | reflexiv | wir = uns |
| Die Fotografin fotografiert uns. | Personalpronomen | Fotografin ≠ uns |
Die Probe funktioniert besonders gut bei mich, mir, dich, dir, uns und euch. Fragen Sie: Bezeichnet das Pronomen dieselbe Personengruppe wie das Subjekt? Wenn ja, liegt eine reflexive Verwendung nahe. Bei obligatorisch reflexiven Verben ist der Rückbezug zusätzlich grammatisch fest mit dem Verb verbunden.
Typische Fehler und ihre Korrektur
Fehler entstehen häufig durch die Wahl des falschen Kasus, durch das Weglassen des Reflexivpronomen oder durch eine wörtliche Übertragung aus einer anderen Sprache. Die folgende Übersicht zeigt typische Probleme.
| Fehler | Richtig | Erklärung |
|---|---|---|
| Ich wasche mir. | Ich wasche mich. | Ohne weiteres Akkusativobjekt steht hier der Akkusativ. |
| Ich wasche mich die Hände. | Ich wasche mir die Hände. | die Hände ist bereits Akkusativobjekt. |
| Du erinnerst an den Termin. | Du erinnerst dich an den Termin. | In dieser Bedeutung wird die reflexive Konstruktion gebraucht. |
| Wir freuen auf den Urlaub. | Wir freuen uns auf den Urlaub. | sich freuen benötigt das rückbezügliche Pronomen. |
| Bitte setzen Sie Sich. | Bitte setzen Sie sich. | sich bleibt auch bei der Höflichkeitsform klein. |
| Er hat entschuldigt sich. | Er hat sich entschuldigt. | Im Perfekt steht das Pronomen im Mittelfeld. |
| Sie interessiert sich an Musik. | Sie interessiert sich für Musik. | sich interessieren steht mit für + Akkusativ. |
| Ich erinnere mich über den Tag. | Ich erinnere mich an den Tag. | sich erinnern steht mit an + Akkusativ. |
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Annahme, jedes sich bedeute automatisch „sich selbst“. In Sätzen wie „Die Kollegen treffen sich um acht“ hat sich normalerweise eine reziproke Bedeutung: Die Kollegen treffen einander. Der Kontext entscheidet.
So lernen Sie reflexive Formen schneller
Reflexivpronomen lassen sich am besten zusammen mit Verben und vollständigen Satzmustern lernen. Eine reine Tabelle ist als Übersicht hilfreich, doch in der Anwendung müssen Sie gleichzeitig Person, Kasus, Präposition und Satzstellung berücksichtigen. Kleine feste Lernpakete sind deshalb besonders wirksam.
- Lernen Sie zuerst die beiden Reihen: mich – dich – sich – uns – euch – sich und mir – dir – sich – uns – euch – sich.
- Speichern Sie obligatorisch reflexive Verben immer mit sich, zum Beispiel sich beeilen.
- Lernen Sie feste Präpositionen mit, etwa sich für etwas interessieren.
- Bilden Sie zu jedem Verb einen Satz in der ersten, zweiten und dritten Person.
- Vergleichen Sie Akkusativ und Dativ paarweise: „Ich wasche mich“ – „Ich wasche mir die Hände“.
- Üben Sie Hauptsatz, Nebensatz, Perfekt und Modalverb mit derselben Verbverbindung.
- Markieren Sie in Übungen zuerst das Subjekt und prüfen Sie dann, worauf das Pronomen verweist.
Eine hilfreiche Lernkarte könnte vorne „sich interessieren“ und hinten „für + Akkusativ“ enthalten. Auf einer zweiten Karte steht „Ich interessiere mich für Musik“. Auf diese Weise lernen Sie das Reflexivpronomen nicht isoliert, sondern zusammen mit seiner grammatischen Umgebung.
Übungen mit Lösungen
Mit den folgenden Aufgaben können Sie die Formen selbst anwenden. Lösen Sie die Sätze zuerst ohne Blick auf die Lösungen. Entscheiden Sie bei jeder Lücke, welche Person gemeint ist und ob Akkusativ oder Dativ benötigt wird.
Übung 1: Akkusativ ergänzen
- Ich beeile ___, weil der Bus gleich kommt.
- Du interessierst ___ für Fotografie.
- Maria freut ___ auf das Wochenende.
- Wir setzen ___ ans Fenster.
- Ihr habt ___ gut vorbereitet.
- Die Kinder verstecken ___ hinter dem Baum.
Übung 2: Dativ ergänzen
- Ich putze ___ morgens die Zähne.
- Du kaufst ___ eine neue Jacke.
- Paul bestellt ___ einen Kaffee.
- Wir merken ___ die neue Adresse.
- Ihr solltet ___ eine Pause gönnen.
- Die Gäste nehmen ___ noch ein Stück Kuchen.
Übung 3: Akkusativ oder Dativ?
- Ich ziehe ___ schnell an.
- Ich ziehe ___ einen Pullover an.
- Du wäschst ___.
- Du wäschst ___ die Hände.
- Wir haben ___ sehr gefreut.
- Wir haben ___ eine Pizza bestellt.
Übung 4: Reflexiv oder nicht reflexiv?
- Ich sehe mich im Spiegel.
- Der Nachbar sieht mich im Garten.
- Du hilfst dir selbst.
- Du hilfst mir beim Umzug.
- Wir treffen uns um 18 Uhr.
- Der Fotograf fotografiert uns.
Lösungen
Übung 1: 1. mich, 2. dich, 3. sich, 4. uns, 5. euch, 6. sich.
Übung 2: 7. mir, 8. dir, 9. sich, 10. uns, 11. euch, 12. sich.
Übung 3: 13. mich, 14. mir, 15. dich, 16. dir, 17. uns, 18. uns.
Übung 4: 19. reflexiv, 20. nicht reflexiv, 21. reflexiv, 22. nicht reflexiv, 23. reziproke Verwendung der reflexiven Form, 24. nicht reflexiv.
Wenn Ihnen Übung 3 schwerfällt, wiederholen Sie besonders die Gegenüberstellung von Akkusativ und Dativ. Ein zusätzliches Akkusativobjekt wie einen Pullover, die Hände oder eine Pizza ist häufig ein deutlicher Hinweis auf den Dativ des rückbezüglichen Pronomens.
Video zum Thema
Das folgende Deutsch-lernen-Video erklärt Reflexivpronomen im Akkusativ und Dativ und zeigt die Formen in der ersten, zweiten und dritten Person. Zusätzlich werden Singular, Plural und die Höflichkeitsform anhand einfacher Beispiele behandelt.
Vielen Dank für das Video an Deutschlernerblog.de. Dort finden Sie weitere Erklärungen und Übungen zur deutschen Grammatik.
Kostenlose Übungen und Arbeitsblätter
Zusätzliche Übungen helfen besonders dabei, Akkusativ und Dativ sicher zu unterscheiden. Die vorhandene Übung der Sprachschule Aktiv Wien enthält Aufgaben zu beiden Kasus und stellt Lösungen zur Selbstkontrolle bereit.
- Im PDF der Sprachschule Aktiv Wien finden Sie Übungen zu Akkusativ und Dativ mit Lösungen.
- Der Deutschlernerblog bietet ergänzende Online-Übungen zu reflexiven und reziproken Formen.
- Bei der DeutschAkademie finden Sie weitere Erklärungen und Übungen.
Häufige Fragen
Was ist ein Reflexivpronomen?
Ein Reflexivpronomen ist ein rückbezügliches Pronomen. Es verweist meistens auf das Subjekt desselben Satzes zurück. In „Ich wasche mich“ beziehen sich ich und mich auf dieselbe Person.
Welche Reflexivpronomen gibt es?
Im Akkusativ lauten die Formen mich, dich, sich, uns, euch, sich. Im Dativ heißen sie mir, dir, sich, uns, euch, sich. Die dritte Person verwendet im Singular und Plural immer sich.
Wann steht das Reflexivpronomen im Akkusativ?
Der Akkusativ ist bei vielen reflexiven Verben die häufigste Form. Beispiele sind „Ich beeile mich“, „Du erinnerst dich“ und „Wir freuen uns“. Welcher Kasus benötigt wird, hängt letztlich von der Verbkonstruktion ab.
Wann steht das Reflexivpronomen im Dativ?
Der Dativ steht häufig, wenn im Satz zusätzlich ein Akkusativobjekt vorhanden ist: „Ich wasche mir die Hände“, „Du kaufst dir ein Buch“ oder „Wir merken uns die Nummer“. Manche Verbkonstruktionen verlangen den Dativ auch unabhängig von dieser Faustregel.
Gibt es Reflexivpronomen im Nominativ?
Nein. Ein Reflexivpronomen steht nicht im Nominativ. Der Nominativ bezeichnet in typischen reflexiven Sätzen das Subjekt, auf das das rückbezügliche Pronomen verweist. Deshalb stehen dort Personalpronomen wie ich, du, er, sie oder wir.
Gibt es Reflexivpronomen im Genitiv?
Traditionelle Grammatiken können genitivische Formen nennen, doch im heutigen Sprachgebrauch spielen sie nur eine sehr geringe Rolle. Für das moderne Reflexivpronomen sind vor allem Akkusativ und Dativ relevant. Seltene Wendungen mit seiner selbst oder ähnlichen Formen sollten getrennt von den normalen Alltagsformen gelernt werden.
Warum heißt es „Ich wasche mich“, aber „Ich wasche mir die Hände“?
Im ersten Satz ist mich selbst das Akkusativobjekt. Im zweiten Satz übernimmt die Hände diese Funktion. Das Reflexivpronomen wechselt deshalb in den Dativ: mir. Dieses Muster ist besonders bei Körperteilen und Kleidungsstücken häufig.
Ist sich immer ein Reflexivpronomen?
Sich ist die typische reflexive Form der dritten Person. Im Plural kann dieselbe Form jedoch auch reziprok, also im Sinn von einander, verstanden werden. „Die Freunde treffen sich“ bedeutet normalerweise, dass sie einander treffen.
Wird sich bei der Höflichkeitsform großgeschrieben?
Nein. Das Reflexivpronomen sich bleibt immer klein: „Setzen Sie sich bitte.“ Nur das Anredepronomen Sie wird großgeschrieben.
Was ist der Unterschied zwischen Reflexivpronomen und reflexivem Verb?
Das Reflexivpronomen ist die Form wie mich, dir oder sich. Ein reflexives Verb ist eine Verbkonstruktion, die mit einem solchen Pronomen verwendet wird, beispielsweise sich beeilen oder sich bedanken. Nicht jedes Verb, das einmal reflexiv gebraucht wird, ist deshalb automatisch obligatorisch reflexiv.
Fazit: Akkusativ und Dativ zuerst sicher beherrschen
Das Reflexivpronomen zeigt einen Rückbezug innerhalb des Satzes und ist besonders eng mit reflexiven Verben verbunden. Für den Einstieg sind zwei Reihen entscheidend: mich, dich, sich, uns, euch, sich im Akkusativ sowie mir, dir, sich, uns, euch, sich im Dativ. In der dritten Person bleibt die Form unabhängig von Singular, Plural und Genus immer gleich.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ. „Ich wasche mich“ und „Ich wasche mir die Hände“ zeigen das Grundmuster sehr deutlich. Lernen Sie Reflexivpronomen außerdem immer zusammen mit dem Verb und einer möglichen Präposition. So merken Sie sich nicht nur die Form, sondern die vollständige Konstruktion.
Bildungsbibel.de empfiehlt, zunächst häufige reflexive Verben und einfache Beispielsätze zu üben. Danach können Sie Satzstellung, reziproke Bedeutungen und seltenere Konstruktionen ergänzen. Durch die Verbindung von Tabelle, Beispielen und eigenen Sätzen wird das Reflexivpronomen wesentlich leichter sicher angewendet.
Weitere Pronomen und Deutsch-Übungen
Zum besseren Verständnis der Wortart Pronomen lohnt sich der Vergleich mit anderen Fürwörtern. Auf Bildungsbibel.de finden Sie dazu weitere Übersichtsseiten mit Regeln, Beispielen und Übungen.
- Personalpronomen
- Possessivpronomen
- Demonstrativpronomen
- Indefinitpronomen
- Relativpronomen
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