Weiterbildung – Online lernen – Versicherung – Versicherungsarten – Lebensversicherung – Höchstrechnungszins, Garantieverzinsung und Entwicklung im Überblick
Der Garantiezins bei der Lebensversicherung ist für viele Versicherte ein wichtiger Orientierungspunkt. Er zeigt, welcher Rechnungszins bei klassischen Verträgen höchstens für die Kalkulation der garantierten Leistung verwendet werden darf. Gleichzeitig wird der Begriff im Alltag oft ungenau genutzt. Gemeint ist meist der Höchstrechnungszins, also eine aufsichtsrechtliche Obergrenze, nicht automatisch die tatsächliche Rendite des gesamten eingezahlten Beitrags.
In diesem Beitrag der Bildungsbibel erfahren Sie, was die Garantieverzinsung bedeutet, wie sie sich vom effektiven Ertrag unterscheidet, welche Entwicklung der Zinssatz genommen hat und warum alte Verträge mit höheren Zusagen besonders sorgfältig geprüft werden sollten. Außerdem erhalten Sie eine aktuelle Tabelle, praktische Hinweise zum Vertragsvergleich und wichtige Links zu seriösen Quellen.
Garantiezins bei der Lebensversicherung einfach erklärt
Wer eine klassische Lebensversicherung, private Rentenversicherung, Pensionsversicherung oder eine kapitalbildende Police betrachtet, stößt schnell auf den Begriff Garantiezins. Er wirkt auf den ersten Blick wie ein fest zugesagter Anlagezins. Genau hier entsteht jedoch häufig ein Missverständnis. Der Zinssatz bezieht sich nicht auf den gesamten Beitrag, den Sie monatlich oder jährlich zahlen. Er wird vor allem für die Berechnung der garantierten Leistungen und der Deckungsrückstellungen verwendet.
Der Beitrag einer Lebensversicherung besteht aus mehreren Teilen; deshalb darf der Garantiezins nicht isoliert betrachtet werden. Ein Teil dient dem Sparvorgang, ein Teil deckt Risiken ab, zum Beispiel den Todesfallschutz, und ein weiterer Teil entfällt auf Abschluss- und Verwaltungskosten. Der Garantiezins wirkt deshalb nicht wie ein Tagesgeldzins auf jede eingezahlte Prämie. Entscheidend ist, welche garantierte Ablaufleistung, garantierte Rente oder garantierte Versicherungssumme im Vertrag genannt wird.
Für Verbraucher ist daher nicht nur der nominale Zinssatz wichtig. Ausschlaggebend sind vor allem der Garantiezins im Vertrag, die garantierte Leistung, die Kostenstruktur, die Flexibilität des Vertrags, die steuerliche Behandlung, die Überschussbeteiligung und die Frage, ob der Vertrag zum persönlichen Vorsorgeziel passt. Die Bildungsbibel empfiehlt deshalb, den Garantiezins immer nur als einen Baustein der Entscheidung zu betrachten.
Kurzüberblick: Das sollten Sie wissen
- Der Garantiezins wird häufig als Synonym für den Höchstrechnungszins verwendet.
- Der Höchstrechnungszins ist eine regulatorische Obergrenze für die Kalkulation, kein sicherer Effektivzins auf den gesamten Beitrag.
- Für Neuverträge gilt aktuell ein Höchstzinssatz von 1,00 Prozent.
- Altverträge behalten in der Regel die bei Vertragsabschluss vereinbarte Garantie, sofern der Vertrag unverändert fortgeführt wird.
- Die tatsächliche Ablaufleistung kann durch Überschüsse höher ausfallen, sie kann aber nicht beliebig sicher vorhergesagt werden.
Höchstrechnungszins, Rechnungszins und Garantieverzinsung unterscheiden
Im Alltag werden verschiedene Begriffe nebeneinander verwendet: Garantiezins, Höchstrechnungszins, Rechnungszins und Garantieverzinsung. Inhaltlich hängen diese Begriffe zusammen, sie sind aber nicht immer deckungsgleich. Der Höchstrechnungszins ist die gesetzlich festgelegte Obergrenze, die Versicherer bei bestimmten Verträgen mit Zinsgarantie für die Berechnung der Deckungsrückstellungen höchstens ansetzen dürfen.
Der Rechnungszins ist der Zinssatz, mit dem der Versicherer intern kalkuliert; im Sprachgebrauch wird er häufig als Garantiezins bezeichnet. Er fließt in die Berechnung der garantierten Leistung ein. Bei klassischen Lebensversicherungen entspricht er häufig dem zulässigen Höchstwert, muss das aber nicht in jedem Produkt in gleicher Weise tun. Die Garantieverzinsung beschreibt aus Verbrauchersicht die zugesagte Verzinsung des Sparanteils. Sie sagt jedoch noch nichts darüber aus, welche Nettorendite nach Kosten und Steuer übrig bleibt.
Wichtig ist deshalb eine saubere Lesart: Der Garantiezins schützt nicht vor jeder wirtschaftlichen Enttäuschung, sondern begrenzt das Risiko im garantierten Teil der Police. Ein verständlicher Garantiezins, eine niedrige Kostenquote, ein passender Tarif und eine solide Überschussbeteiligung können für das Ergebnis wichtiger sein als der Zinssatz allein.
Warum diese Unterscheidung für Sie wichtig ist
Viele Versicherte vergleichen Lebensversicherungen, indem sie nur auf die Höhe des Zinssatzes schauen. Das ist zu kurz gedacht. Ein Vertrag mit einem etwas höheren Garantiewert kann durch hohe Kosten weniger attraktiv sein als ein Vertrag mit transparenter Kostenstruktur, flexiblen Beitragsoptionen und nachvollziehbaren Leistungen. Deshalb sollten Sie bei Angeboten immer die garantierten Euro-Beträge vergleichen, nicht nur Prozentangaben.
Prüfen Sie außerdem, ob sich die Garantie auf eine Kapitalleistung, eine monatliche Rente, einen Rentenfaktor oder eine Kombination aus mehreren Elementen bezieht. Gerade bei Rentenversicherungen ist der garantierte Rentenfaktor ein wichtiger Bestandteil. Er zeigt, welche monatliche Rente später aus einem bestimmten Vertragsguthaben mindestens entstehen kann.
Aktuelle Höhe und rechtliche Grundlage
Der Höchstzinssatz für Versicherungsverträge mit Zinsgarantie in Euro liegt aktuell bei 1,00 Prozent; damit ist der Garantiezins für Neuverträge wieder höher als im historischen Tief. Rechtsgrundlage ist die Deckungsrückstellungsverordnung, kurz DeckRV. Dort wird festgelegt, welchen Höchstwert Versicherer für die Berechnung der Deckungsrückstellungen verwenden dürfen. Weitere Informationen finden Sie direkt in § 2 DeckRV bei Gesetze im Internet.
Für neue klassische Lebensversicherungen bedeutet dies: Der Garantiezins ist wieder deutlich höher als in der Niedrigzinsphase, bleibt aber weiterhin begrenzt. Er macht klassische Policen nicht automatisch zur renditestärksten Anlageform. Er verbessert jedoch die Kalkulationsbasis für Garantieleistungen gegenüber dem historischen Tiefstand von 0,25 Prozent.
Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erklärt, dass bei Kapitallebensversicherungen Beiträge, Wertentwicklung der Kapitalanlagen und Kosten gemeinsam darüber entscheiden, welche Auszahlung am Ende der Laufzeit entsteht. Weiterführende Verbraucherinformationen bietet die BaFin zur Kapitallebensversicherung.
Entwicklung des Höchstrechnungszinses in Deutschland
Die folgende Übersicht zeigt, wie stark sich der Höchstrechnungszins seit den 1980er-Jahren verändert hat. Besonders auffällig ist der Höchststand von 4,00 Prozent in den Jahren 1994 bis 2000. Danach folgte über viele Jahre eine schrittweise Absenkung. Der Tiefpunkt lag bei 0,25 Prozent. Seit der jüngsten Anhebung gilt wieder ein Wert von 1,00 Prozent.
| Zeitraum | Zinssatz | Einordnung |
| Bis zum 30.06.1986 | 3,00 % | Langjähriger Ausgangswert älterer Tarifgenerationen |
| 01.07.1986 – 30.06.1994 | 3,50 % | Anhebung in einer Phase höherer Kapitalmarktzinsen |
| 01.07.1994 – 30.06.2000 | 4,00 % | Historischer Höchststand der neueren Entwicklung |
| 01.07.2000 – 31.12.2003 | 3,25 % | Erste deutliche Absenkung nach der Hochzinsphase |
| 01.01.2004 – 31.12.2006 | 2,75 % | Weitere Anpassung an sinkende Marktzinsen |
| 01.01.2007 – 31.12.2011 | 2,25 % | Weiterhin solide Garantie für damalige Neuverträge |
| 01.01.2012 – 31.12.2014 | 1,75 % | Beginn einer stärker spürbaren Niedrigzinsphase |
| 01.01.2015 – 31.12.2016 | 1,25 % | Weitere Senkung der Kalkulationsbasis |
| 01.01.2017 – 31.12.2021 | 0,90 % | Niedrige Garantie in anhaltender Niedrigzinsphase |
| 01.01.2022 – 31.12.2024 | 0,25 % | Historischer Tiefstand |
| Seit 01.01.2025 | 1,00 % | Erste Anhebung nach langer Zeit |
Die Tabelle zeigt zugleich, warum der Garantiezins älterer Verträge oft einen besonderen Wert haben kann. Wer beispielsweise eine Police aus einer Phase mit 3,25 Prozent oder 4,00 Prozent besitzt, verfügt möglicherweise über eine Garantie, die heute für Neuverträge nicht mehr erreichbar ist. Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Altvertrag gut ist. Es bedeutet aber, dass eine Kündigung gut begründet sein sollte.
Warum Altverträge nicht vorschnell gekündigt werden sollten
Viele Menschen kündigen eine Lebensversicherung, weil sie kurzfristig Geld benötigen, mit der Rendite unzufrieden sind oder den Vertrag nicht mehr verstehen. Gerade bei älteren Policen kann eine Kündigung jedoch nachteilig sein. Ein hoher Garantiezins aus der Vergangenheit kann verloren gehen. Zusätzlich können Schlussüberschüsse, steuerliche Vorteile oder ein günstiger Risikoschutz betroffen sein.
Vor einer Kündigung sollten Sie daher mehrere Alternativen prüfen. Infrage kommen zum Beispiel eine Beitragsfreistellung, eine Reduzierung der Beitragshöhe, ein Policendarlehen, der Verkauf am Zweitmarkt oder eine gezielte Vertragsfortführung bis zu einem günstigeren Zeitpunkt. Welche Lösung passt, hängt vom Vertrag, vom Rückkaufswert, von der Restlaufzeit und von Ihrem finanziellen Ziel ab.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Rückkaufswert und Ablaufleistung. Der Rückkaufswert zeigt, was bei einer vorzeitigen Beendigung ausgezahlt wird. Die Ablaufleistung beschreibt dagegen, was bei planmäßiger Fortführung am Vertragsende entstehen kann. Bei alten Verträgen kann die Differenz erheblich sein.
Was der aktuelle Zinssatz für Neuverträge bedeutet
Für Neuverträge verbessert der aktuelle Garantiezins die Grundlage für klassische Garantieleistungen. Versicherer können wieder etwas höhere garantierte Leistungen kalkulieren als während der Phase mit 0,25 Prozent. Das kann sich bei klassischen Rentenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen, Risikolebensversicherungen mit Beitragskalkulation und bestimmten Pensionslösungen bemerkbar machen.
Trotzdem sollten Sie Neuverträge nicht nur wegen dieses Garantiezinses abschließen. Die Garantie ist ein Sicherheitsbaustein, aber keine vollständige Anlageentscheidung. In Zeiten spürbarer Inflation kann eine niedrige Garantie real an Kaufkraft verlieren. Deshalb ist es sinnvoll, Sicherheit, Flexibilität und Renditechancen gegeneinander abzuwägen. Bei langen Laufzeiten kann auch ein fondsgebundener Vertrag mit geringerer oder variabler Garantie infrage kommen, wenn Sie Kursschwankungen aushalten und eine höhere Renditechance wünschen.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist darauf hin, dass ein höherer Höchstrechnungszins zu besseren Garantieleistungen und besseren Rentenfaktoren führen kann. Dennoch bleibt die individuelle Tarifgestaltung entscheidend. Ein Vergleich sollte daher immer mehrere Angebote, Vertragskosten, garantierte Leistungen und mögliche Überschüsse einbeziehen. Weitere Hintergründe bietet der GDV zur Anhebung des Höchstrechnungszinses.
Überschussbeteiligung: Die mögliche Ergänzung zur Garantie
Der Garantiezins ist nur ein Teil der möglichen Leistung. Lebensversicherer können darüber hinaus Überschüsse erwirtschaften. Diese entstehen, wenn Kapitalanlagen bessere Ergebnisse liefern als vorsichtig kalkuliert, wenn Risikoannahmen günstiger ausfallen oder wenn Kosten niedriger sind als geplant. Die Überschussbeteiligung kann die Ablaufleistung erhöhen, ist aber im Gegensatz zur Garantie nicht vollständig sicher.
Rechtlich steht Versicherungsnehmern bei vielen Lebensversicherungen eine Beteiligung an Überschuss und Bewertungsreserven zu, sofern diese nicht wirksam ausgeschlossen wurde. Grundlage ist unter anderem § 153 VVG zur Überschussbeteiligung. Ergänzend regelt die Mindestzuführungsverordnung, welche Ergebnisquellen in welchem Umfang der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zuzuführen sind.
Die frühere pauschale Aussage, dass ein bestimmter Anteil der Gewinne automatisch an jeden einzelnen Versicherten fließt, ist zu ungenau. Richtig ist: Die Beteiligung folgt gesetzlichen Mindestregeln, einem verursachungsorientierten Verfahren und der jeweiligen Überschussdeklaration des Versicherers. Für Sie zählt am Ende, welche garantierten und nicht garantierten Leistungen in der Standmitteilung, im Produktinformationsblatt und in der jährlichen Mitteilung ausgewiesen sind.
Kosten, Steuer und Effektivzins richtig bewerten
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, den Garantiezins mit dem persönlichen Effektivzins gleichzusetzen. Das führt schnell zu falschen Erwartungen. Der Effektivzins ergibt sich aus allen Zahlungsströmen: eingezahlten Beiträgen, Kosten, Risikobeiträgen, Laufzeit, garantierter Leistung, Überschussbeteiligung und steuerlicher Behandlung. Deshalb kann die persönliche Rendite niedriger sein als der angegebene Rechnungszins.
Kosten entstehen vor allem durch Abschlusskosten, Vertriebskosten, laufende Verwaltungskosten und gegebenenfalls Fondskosten. Abschlusskosten werden häufig über die ersten Vertragsjahre verteilt. Gerade bei vorzeitiger Kündigung kann dies dazu führen, dass der Rückkaufswert zunächst deutlich unter den eingezahlten Beiträgen liegt. Darum sollten Sie Lebensversicherungen grundsätzlich als langfristige Verträge verstehen.
Auch die Steuer spielt eine Rolle. Bei älteren Verträgen können besondere steuerliche Vorteile bestehen. Bei neueren Verträgen hängt die Besteuerung von Laufzeit, Auszahlungszeitpunkt, Vertragsart und Alter bei Auszahlung ab. Da steuerliche Details vom Einzelfall abhängen, ersetzt dieser Beitrag keine Steuerberatung. Er zeigt jedoch, warum ein reiner Blick auf den Garantiezins nicht ausreicht.
Zusätzlich ist die Inflation zu beachten. Liegt die Preissteigerung über der Garantieverzinsung, sinkt die Kaufkraft der garantierten Leistung. Das macht die Garantie nicht wertlos, aber sie sollte realistisch eingeordnet werden. Aktuelle Daten zur Preisentwicklung veröffentlicht das Statistische Bundesamt zum Verbraucherpreisindex.
Welche Unterlagen Sie prüfen sollten
Wenn Sie bereits eine Lebensversicherung besitzen oder ein neues Angebot prüfen, sollten Sie nicht nur den Prospekt lesen. Wichtiger sind die verbindlichen Vertragsunterlagen. Dazu gehören der Versicherungsschein, die Allgemeinen Versicherungsbedingungen, das Produktinformationsblatt, die Kostenübersicht, die jährliche Standmitteilung und gegebenenfalls Nachträge zu Vertragsänderungen.
- Garantierte Ablaufleistung: Welche Summe wird bei planmäßiger Fortführung mindestens ausgezahlt?
- Garantierte Rente: Welche monatliche Leistung ist mindestens zugesagt?
- Rückkaufswert: Wie viel erhalten Sie bei vorzeitiger Kündigung?
- Beitragsfreistellung: Welche Leistung bleibt bestehen, wenn Sie keine Beiträge mehr zahlen?
- Kosten: Welche Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten fallen an?
- Überschussbeteiligung: Welche Werte sind garantiert und welche nur prognostiziert?
Gerade die Trennung zwischen garantierten und prognostizierten Werten ist wesentlich. Prognosen können hilfreich sein, sind aber keine Zusage. Wenn ein Angebot mit hohen Ablaufleistungen wirbt, prüfen Sie genau, welcher Teil sicher garantiert ist und welcher Teil von künftigen Überschüssen abhängt.
Vergleich mit anderen Vorsorgeformen
Eine klassische Lebensversicherung kann Sicherheit, Hinterbliebenenschutz und langfristigen Vermögensaufbau verbinden. Sie ist jedoch nicht für jedes Ziel die beste Lösung. Wenn Sie vor allem Rendite suchen, können andere Anlageformen geeigneter sein. Wenn Sie dagegen Planungssicherheit, eine garantierte Rente oder eine Kombination aus Vorsorge und Absicherung wünschen, kann eine Police weiterhin sinnvoll sein.
Bei der privaten Altersvorsorge sollten Sie verschiedene Möglichkeiten vergleichen: klassische Rentenversicherung, fondsgebundene Rentenversicherung, ETF-Sparplan, betriebliche Altersversorgung, Riester-Rente, Rürup-Rente oder eine Kombination aus mehreren Bausteinen. Der Garantiezins ist dabei nur bei bestimmten Versicherungsprodukten ein direkter Vergleichspunkt. Bei Kapitalmarktanlagen gibt es keine solche Garantie, dafür aber andere Chancen und Risiken.
Eine gute Entscheidung entsteht aus dem Zusammenspiel von Sicherheitsbedarf, Risikobereitschaft, Laufzeit, Liquidität, Steuern, Kosten und familiärer Situation. Wer Angehörige absichern möchte, sollte außerdem prüfen, ob eine reine Risikolebensversicherung günstiger und zielgenauer ist als eine kapitalbildende Lebensversicherung.
Typische Fehler beim Umgang mit dem Garantiezins
Der Garantiezins kann Orientierung geben, führt aber häufig zu Fehlentscheidungen, wenn er isoliert betrachtet wird. Die folgenden Punkte helfen Ihnen, Angebote realistischer einzuschätzen und Altverträge nicht vorschnell aufzugeben.
- Nur auf Prozentwerte achten: Entscheidend sind die garantierten Euro-Beträge und die Kosten.
- Prognosen mit Garantien verwechseln: Überschüsse können steigen oder sinken.
- Altverträge zu schnell kündigen: Alte Policen können wertvolle Garantien enthalten.
- Inflation ignorieren: Eine nominale Garantie schützt nicht automatisch die Kaufkraft.
- Rückkaufswert unterschätzen: Vorzeitige Kündigungen können deutliche Nachteile bringen.
- Steuerliche Folgen übersehen: Besteuerung und Vertragsalter können das Ergebnis beeinflussen.
Entscheidungshilfe: Wann ist eine Lebensversicherung sinnvoll?
Eine Lebensversicherung kann sinnvoll sein, wenn Sie langfristig vorsorgen, eine garantierte Mindestleistung wünschen oder Angehörige absichern möchten. Sie passt vor allem dann, wenn Sie Sicherheit höher gewichten als maximale Renditechancen und bereit sind, einen Vertrag über viele Jahre zu halten. Der Garantiezins kann dabei eine gewisse Planbarkeit schaffen.
Weniger geeignet ist eine klassische Police, wenn Sie kurzfristig flexibel bleiben müssen, hohe Renditechancen suchen oder bereits wissen, dass Sie Beiträge möglicherweise nicht dauerhaft leisten können. In solchen Fällen kann eine andere Lösung sinnvoller sein. Prüfen Sie außerdem, ob Sie Risikoabsicherung und Kapitalanlage trennen möchten. Das ist oft transparenter und kann kostengünstiger sein.
Als Faustregel gilt: Je älter und höher verzinst ein bestehender Vertrag ist, desto genauer sollte er geprüft werden. Je neuer ein Angebot ist, desto stärker sollten Kosten, garantierte Leistung, Flexibilität und Alternativen verglichen werden. Der Garantiezins ist wichtig, aber nie das einzige Entscheidungskriterium.
Häufige Fragen zur Garantieverzinsung
Gilt der Zinssatz für alle eingezahlten Beiträge?
Nein. Der Garantiezins bezieht sich nicht auf den gesamten Beitrag. Von Ihren Beiträgen werden Risikoanteile und Kosten abgezogen. Die Garantie wirkt vor allem auf den kalkulatorischen Sparanteil beziehungsweise auf die Berechnung der garantierten Verpflichtungen des Versicherers.
Bleibt ein alter Zinssatz erhalten?
In der Regel bleibt die bei Vertragsabschluss vereinbarte Garantie bestehen, solange der Vertrag entsprechend den Bedingungen fortgeführt wird. Änderungen, Beitragsfreistellungen oder Kündigungen können jedoch Auswirkungen haben. Deshalb sollten Sie Vertragsänderungen vorab schriftlich berechnen lassen.
Ist eine Police mit hoher Garantie immer gut?
Nicht automatisch. Ein hoher Garantiezins ist positiv, aber Kosten, Restlaufzeit, Rückkaufswert, Todesfallschutz, Steuer und Überschüsse müssen ebenfalls betrachtet werden. Besonders alte Verträge sollten individuell bewertet werden.
Was ist wichtiger: Garantie oder Überschuss?
Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Die Garantie schafft eine Mindestleistung. Überschüsse können die Leistung erhöhen, sind aber nicht sicher. Für sicherheitsorientierte Kunden ist die Garantie besonders wichtig. Für das tatsächliche Endergebnis spielen Überschüsse dennoch eine große Rolle.
Sollte ich meine Lebensversicherung kündigen?
Eine pauschale Antwort ist nicht seriös. Prüfen Sie den Rückkaufswert, die garantierte Ablaufleistung, den alten Garantiezins, die Steuerlage und mögliche Alternativen. Eine Kündigung sollte erst erfolgen, wenn Beitragsfreistellung, Verkauf, Beleihung oder Fortführung sachlich verglichen wurden.
Fazit: Garantie richtig einordnen und Vertrag sorgfältig prüfen
Der Garantiezins bleibt ein wichtiges Element der klassischen Lebensversicherung. Er zeigt, welche Garantie bei der Kalkulation eine Rolle spielt, ersetzt aber keine vollständige Vertragsprüfung. Für Neuverträge ist der aktuelle Wert wieder höher als während der Niedrigzinsphase. Trotzdem müssen Kosten, Inflation, Überschüsse und Flexibilität berücksichtigt werden.
Für bestehende Verträge gilt: Alte Policen mit höheren Garantien können wertvoll sein. Eine Kündigung sollte daher nie nur aus Unzufriedenheit mit der aktuellen Rendite erfolgen. Wer die garantierten Leistungen, den Rückkaufswert, die Überschussbeteiligung und mögliche Alternativen prüft, trifft deutlich bessere Entscheidungen. Die Bildungsbibel empfiehlt, den Garantiezins als Sicherheitsbaustein zu verstehen, aber immer den gesamten Vertrag zu bewerten.
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Seriöse externe Quellen
- § 2 DeckRV – Höchstzinssatz für die Berechnung der Deckungsrückstellungen
- § 153 VVG – Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung
- BaFin – Informationen zur Kapitallebensversicherung
- GDV – Auswirkungen des neuen Höchstrechnungszinses
- Statistisches Bundesamt – Verbraucherpreisindex und Inflationsrate

