Kontenrahmen verstehen: SKR 03, SKR 04, Kontenplan, Kontenklassen und Aufbau einfach erklärt

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Ein Kontenrahmen schafft eine einheitliche Grundstruktur für die Konten der Buchhaltung. Sie lernen auf der Bildungsbibel den Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan, den Aufbau von Kontenklassen, Kontengruppen und Kontonummern sowie die Besonderheiten von SKR 03, SKR 04, IKR und GKR kennen. Zahlreiche Beispiele zeigen, warum dasselbe Konto je nach System eine andere Nummer besitzt und wie aus einem allgemeinen Rahmen der individuelle Kontenplan eines Unternehmens entsteht.

Der Beitrag eignet sich insbesondere für Studium, kaufmännische Ausbildung, Weiterbildung und Prüfungsvorbereitung sowie für alle, die Buchungssätze nicht nur auswendig lernen, sondern die Systematik hinter den Kontonummern verstehen möchten.

Kontenrahmen mit Kontenplan, Kontenklassen, Kontengruppen und Kontonummern sowie SKR 03 und SKR 04 einfach erklärt
Aufbau von Kontenrahmen, Kontenplan, Kontenklassen und Kontonummern

Das Wichtigste auf einen Blick

Ein Kontenrahmen ist eine systematische Vorlage für die Organisation von Sachkonten. Er gibt vor, welche Kontenklassen, Kontengruppen und Konten grundsätzlich zur Verfügung stehen können. Ein Unternehmen übernimmt daraus jedoch nicht zwangsläufig jedes Konto.

  • Kontenrahmen: allgemeine systematische Vorlage für Konten.
  • Kontenplan: tatsächlich verwendete Konten eines konkreten Unternehmens.
  • Kontenklasse: oberste Gliederungsebene, meistens anhand der ersten Ziffer erkennbar.
  • Kontengruppe: weitere Unterteilung innerhalb einer Kontenklasse.
  • Kontonummer: eindeutige numerische Zuordnung eines Kontos.
  • SKR 03: weit verbreiteter DATEV-Standardkontenrahmen nach dem Prozessgliederungsprinzip.
  • SKR 04: weit verbreiteter DATEV-Standardkontenrahmen mit Orientierung an Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.
  • IKR: Industriekontenrahmen mit Orientierung am Abschlussgliederungsprinzip.
  • GKR: historischer Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie mit Orientierung am betrieblichen Prozess.

Tipp der Bildungsbibel: Lernen Sie Kontonummern nie ohne den dazugehörigen Kontenrahmen. Die gleiche wirtschaftliche Bedeutung kann in SKR 03, SKR 04 oder IKR unter völlig unterschiedlichen Kontonummern zu finden sein.

Was ist ein Kontenrahmen in der Buchhaltung?

Ein Kontenrahmen ist ein systematisch gegliedertes Verzeichnis möglicher Konten für die Buchführung. Er schafft eine nachvollziehbare Ordnung und erleichtert es, Geschäftsvorfälle immer nach demselben Grundsystem zu erfassen.

Ohne einen Kontenrahmen könnten Unternehmen ihre Konten völlig frei benennen und nummerieren. Das wäre zwar theoretisch möglich, würde aber die Vergleichbarkeit, Prüfung, Zusammenarbeit mit Steuerberatern und den Einsatz von Buchhaltungssoftware erheblich erschweren.

Der Kontenrahmen gibt deshalb eine Struktur vor. Innerhalb dieser Struktur können Unternehmen die Konten auswählen, die sie tatsächlich benötigen.

Typische Konten betreffen beispielsweise:

  • Anlagevermögen,
  • Bank und Kasse,
  • Forderungen und Verbindlichkeiten,
  • Eigenkapital,
  • Wareneinkauf,
  • betriebliche Aufwendungen,
  • Erlöse,
  • Umsatzsteuer und Vorsteuer.

Warum benötigt man einen Kontenrahmen?

Der Kontenrahmen sorgt dafür, dass die Buchhaltung nicht aus einer ungeordneten Sammlung einzelner Konten besteht. Stattdessen werden wirtschaftlich zusammengehörige Konten systematisch gruppiert.

Das bietet mehrere Vorteile:

  • einheitliche Struktur der Buchführung,
  • schnelleres Auffinden von Konten,
  • bessere Vergleichbarkeit von Buchungen,
  • leichtere Zusammenarbeit mit Steuerberater und Buchhaltung,
  • systematische Vorbereitung des Jahresabschlusses,
  • leichtere Einrichtung einer Buchhaltungssoftware,
  • standardisierte Auswertungen.

Ein Kontenrahmen ist damit kein Selbstzweck. Er soll die Buchführung vereinfachen und eine logische Verbindung zwischen Geschäftsvorfall, Konto, Auswertung und Jahresabschluss schaffen.

Kontenrahmen und Kontenplan unterscheiden

Die Begriffe Kontenrahmen und Kontenplan werden häufig verwechselt. Der Unterschied ist jedoch einfach: Der Kontenrahmen bildet die allgemeine Vorlage, während der Kontenplan die tatsächlich im Unternehmen eingesetzten Konten enthält.

MerkmalKontenrahmenKontenplan
Funktionallgemeine Struktur und Vorlagekonkrete betriebliche Auswahl
Umfangenthält zahlreiche mögliche Kontenenthält benötigte Unternehmenskonten
Anpassungstandardisiertunternehmensbezogen
BeispielSKR 03individueller Kontenplan einer GmbH

Ein Unternehmen kann also einen Kontenrahmen als Ausgangsbasis verwenden und daraus den eigenen Kontenplan entwickeln. Konten, die nicht benötigt werden, bleiben ungenutzt. Zusätzliche unternehmensspezifische Konten können innerhalb der vorgesehenen Systematik angelegt werden.

Beispiel für einen individuellen Kontenplan

Ein Unternehmen besitzt drei Geschäftskonten bei unterschiedlichen Banken. Der zugrunde liegende Kontenrahmen sieht einen Bereich für Bankkonten vor. Im individuellen Kontenplan können daraus beispielsweise mehrere getrennte Bankkonten entstehen.

  • Geschäftskonto Sparkasse
  • Geschäftskonto Volksbank
  • Geschäftskonto Onlinebank

Der Kontenrahmen liefert damit die Ordnung, der Kontenplan bildet die tatsächliche Unternehmensrealität ab.

Was sind Kontenklassen?

Ein Kontenrahmen ist hierarchisch aufgebaut. Die oberste Ebene bilden normalerweise die Kontenklassen. Bei den verbreiteten DATEV-Standardkontenrahmen sind zehn Klassen von 0 bis 9 vorgesehen.

Die erste Ziffer einer Kontonummer zeigt damit grundsätzlich die Kontenklasse an. Welche wirtschaftliche Bedeutung eine bestimmte Klasse besitzt, hängt jedoch vom verwendeten Kontenrahmen ab.

Genau deshalb dürfen Sie beispielsweise die Kontenklasse 4 im SKR 03 nicht automatisch mit der Kontenklasse 4 im SKR 04 gleichsetzen.

Kontengruppen und Kontenuntergruppen

Innerhalb einer Kontenklasse wird weiter unterteilt. Diese Ebenen werden als Kontengruppen und Kontenuntergruppen bezeichnet.

Bei einer vierstelligen Sachkontonummer lässt sich die Systematik vereinfacht so darstellen:

StelleBedeutung
1. ZifferKontenklasse
2. ZifferKontengruppe
3. ZifferKontenuntergruppe
4. ZifferEinzelkonto

Ein Kontenrahmen kann diese Grundsystematik durch zusätzliche Stellen erweitern. Moderne Buchhaltungsprogramme können deshalb mit längeren Sachkontonummern arbeiten.

Wie ist eine Kontonummer aufgebaut?

Die Kontonummer ordnet ein einzelnes Konto eindeutig innerhalb des Kontenrahmens beziehungsweise Kontenplans ein. Bei klassischen DATEV-Sachkonten wird häufig mit vierstelligen Nummern gearbeitet. Die einzelnen Stellen geben Hinweise auf Kontenklasse, Gruppe und Untergliederung.

Ein bekanntes Beispiel im SKR 03 ist das Konto Bank mit der Nummer 1200. Bereits die erste Ziffer zeigt die Einordnung in die Kontenklasse 1.

Aufbau einer Kontonummer im Kontenrahmen mit Kontenklasse, Kontengruppe, Untergruppe und Einzelkonto
Aufbau einer Kontonummer im Kontenplan

Für das Beispiel 1200 ergibt sich vereinfacht:

  • 1 = Kontenklasse,
  • 2 = Kontengruppe,
  • 0 = Kontenuntergruppe,
  • 0 = Einzelkonto.

Der genaue Bedeutungsumfang ergibt sich immer aus dem jeweiligen Kontenrahmen und dessen aktueller Kontenbeschreibung.

Sachkonten und Personenkonten unterscheiden

Neben Sachkonten existieren in der Buchhaltung Personenkonten. Dazu gehören insbesondere Debitoren für Kunden und Kreditoren für Lieferanten.

Die Kontonummern von Personenkonten können länger aufgebaut sein als klassische Sachkonten. Dadurch lassen sich zahlreiche Kunden und Lieferanten eindeutig unterscheiden.

Weitere Informationen finden Sie im Beitrag zu Debitoren, Kreditoren und Personenkonten.

Kontonummer und Kontobezeichnung

Eine Kontonummer allein wäre im Arbeitsalltag wenig benutzerfreundlich. Deshalb besitzt jedes Konto zusätzlich eine Kontobezeichnung. Sie beschreibt verständlich, wofür das Konto vorgesehen ist.

In einer Buchhaltungssoftware können Sie häufig sowohl nach der Kontonummer als auch nach der Bezeichnung suchen. Ein individueller Kontenplan kann Bezeichnungen außerdem an den Betrieb anpassen.

Kontobezeichnung und Kontonummer im Kontenrahmen und individuellen Kontenplan am Beispiel eines Bankkontos
Kontobezeichnung und Kontonummer im Kontenplan

SKR 03 und SKR 04 – die wichtigsten Unterschiede

In Deutschland gehören SKR 03 und SKR 04 zu den am weitesten verbreiteten Standardkontenrahmen. Beide werden von DATEV gepflegt und regelmäßig an gesetzliche Änderungen angepasst.

Beide Systeme können grundsätzlich dieselben Geschäftsvorfälle abbilden. Der entscheidende Unterschied liegt im Aufbau des Kontenrahmens.

MerkmalSKR 03SKR 04
GliederungsprinzipProzessgliederungsprinzipAbschlussgliederungsprinzip
Orientierungbetrieblicher AblaufBilanz und GuV
Verbreitungsehr hochsehr hoch
Kontonummerneigene Nummernsystematikeigene Nummernsystematik
Geeignet fürbranchenübergreifende Buchführungbranchenübergreifende Buchführung

Es ist deshalb nicht sinnvoll, SKR 03 pauschal als Kontenrahmen für kleine Unternehmen und SKR 04 als Kontenrahmen für große Unternehmen zu betrachten. Beide werden in unterschiedlichen Unternehmensgrößen eingesetzt. Entscheidend sind vorhandene Prozesse, Software, Steuerberatung und gewünschte Auswertungsstruktur.

SKR 03 nach dem Prozessgliederungsprinzip

Kontenrahmen SKR 03 Aufbau nach dem Prozessgliederungsprinzip mit Kontenklassen
Kontenrahmen SKR 03 nach dem Prozessgliederungsprinzip

Der SKR 03 orientiert seine Konten stärker am betrieblichen Prozess. Die Reihenfolge der Konten folgt damit stärker dem Ablauf wirtschaftlicher Vorgänge.

Der Kontenrahmen enthält unter anderem Bereiche für Anlage- und Kapitalkonten, Finanz- und Privatkonten, Abgrenzung, Waren, betriebliche Aufwendungen, Erlöse sowie Vortrags- und statistische Konten.

Typische Kontenklassen im SKR 03

KlasseTypischer Inhalt
0Anlage- und Kapitalkonten
1Finanz- und Privatkonten
2Abgrenzungskonten
3Wareneingangs- und Bestandskonten
4Betriebliche Aufwendungen
7Bestände an Erzeugnissen
8Erlöskonten
9Vortrags- und statistische Konten

Die konkrete Kontenbelegung kann sich im Detail ändern. Verwenden Sie deshalb bei praktischen Buchungen immer den für das jeweilige Wirtschaftsjahr gültigen Kontenrahmen.

SKR 04 nach dem Abschlussgliederungsprinzip

Kontenrahmen SKR 04 Aufbau nach dem Abschlussgliederungsprinzip mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
Kontenrahmen SKR 04 nach dem Abschlussgliederungsprinzip

Der SKR 04 orientiert sich stärker an der Gliederung des Jahresabschlusses. Die Reihenfolge der Konten folgt damit im Wesentlichen den Strukturen von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.

Für Lernende ist dieser Kontenrahmen häufig besonders anschaulich, wenn gleichzeitig Bilanzgliederung und GuV behandelt werden.

Typische Kontenklassen im SKR 04

KlasseTypischer Inhalt
0Anlagevermögen
1Umlaufvermögen
2Eigenkapitalkonten
3Fremdkapitalkonten
4Betriebliche Erträge
5 und 6Betriebliche Aufwendungen
7Weitere Erträge und Aufwendungen
9Vortrags- und statistische Konten

Der Aufbau macht sichtbar, warum derselbe wirtschaftliche Sachverhalt im SKR 04 häufig eine völlig andere Kontonummer besitzt als im SKR 03.

Abschlussgliederungsprinzip einfach erklärt

Beim Abschlussgliederungsprinzip orientiert sich der Kontenrahmen an der späteren Darstellung im Jahresabschluss. Vermögens-, Kapital-, Ertrags- und Aufwandskonten werden so angeordnet, dass eine Verbindung zu Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung entsteht.

Die handelsrechtliche Bilanzgliederung ist insbesondere in § 266 HGB geregelt. Für die Gewinn- und Verlustrechnung enthält § 275 HGB wichtige Gliederungsvorschriften.

Der SKR 04 orientiert sich an dieser Abschlussstruktur. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Kontenrahmen selbst gesetzlich vorgeschrieben wäre.

Prozessgliederungsprinzip einfach erklärt

Beim Prozessgliederungsprinzip orientiert sich der Kontenrahmen stärker am betrieblichen Ablauf. Konten werden entsprechend wirtschaftlicher Prozesse angeordnet, beispielsweise Finanzierung, Beschaffung, Leistungserstellung und Absatz.

Der SKR 03 folgt diesem Prinzip. Auch der historische Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie wurde nach dem Prozessablauf gegliedert.

Beispiel: Bankkonto im SKR 03 und SKR 04

Besonders deutlich wird der Unterschied, wenn Sie ein alltägliches Konto vergleichen. Im SKR 03 wird für Bank häufig das Sachkonto 1200 verwendet. Im SKR 04 findet sich Bank typischerweise unter Konto 1800.

KontoSKR 03SKR 04
Bank12001800

Die wirtschaftliche Bedeutung ist gleich. Lediglich die Position im jeweiligen Kontenrahmen unterscheidet sich.

Deshalb lautet eine wichtige Prüfungsregel: Schreiben Sie in einer Buchungsaufgabe Kontonummern nur dann hin, wenn eindeutig angegeben ist, welcher Kontenrahmen verwendet wird.

SKR 03 oder SKR 04 – welcher ist besser?

Es gibt keinen allgemein besseren Kontenrahmen. Beide Systeme sind weit verbreitet und können eine ordnungsgemäße Buchführung unterstützen.

Für die Auswahl können unter anderem folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • bereits bestehende Buchhaltungsstruktur,
  • Vorgaben oder Empfehlung des Steuerberaters,
  • eingesetzte Software,
  • gewünschte Auswertungen,
  • Branche,
  • vorhandene Schnittstellen und Datenübernahmen.

Ein Wechsel des Kontenrahmens sollte deshalb nicht allein aufgrund einer persönlichen Vorliebe erfolgen. Er kann Auswirkungen auf Kontenzuordnungen, Auswertungen, Schnittstellen und Vergleichsdaten haben.

Sind SKR 03 und SKR 04 gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Das Handels- und Steuerrecht schreibt Unternehmen nicht pauschal vor, dass sie SKR 03 oder SKR 04 verwenden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Buchführung die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

Der Kontenrahmen unterstützt die strukturierte Umsetzung dieser Anforderungen. DATEV aktualisiert seine Standardkontenrahmen regelmäßig und berücksichtigt dabei gesetzliche Veränderungen.

Industriekontenrahmen IKR

Der Industriekontenrahmen, kurz IKR, ist insbesondere aus Ausbildung und Studium bekannt. Er wurde für Industrieunternehmen entwickelt und folgt im Bereich der Finanzbuchhaltung dem Abschlussgliederungsprinzip.

Der IKR arbeitet mit einem Zweikreissystem: Finanzbuchhaltung und Kosten- und Leistungsrechnung werden getrennt betrachtet. Dadurch unterscheidet er sich grundlegend vom älteren Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie.

Der Kontenrahmen ist für Lernende interessant, weil sich damit der Zusammenhang zwischen Finanzbuchhaltung, Jahresabschluss und Kostenrechnung gut erklären lässt.

Gemeinschaftskontenrahmen GKR

Der GKR ist der historische Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie. Er folgt dem Prozessgliederungsprinzip und orientiert sich stärker am Ablauf der betrieblichen Leistungserstellung.

Der GKR verwendet ein Einkreissystem, bei dem Finanzbuchhaltung und Betriebsbuchhaltung stärker miteinander verbunden werden. Der später entwickelte IKR sollte diesen älteren Kontenrahmen weitgehend ablösen.

Für Prüfungen ist wichtig: GKR bedeutet in diesem Zusammenhang Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie und nicht einen Kontenrahmen für gemeinnützige Organisationen.

IKR und GKR vergleichen

MerkmalIKRGKR
BezeichnungIndustriekontenrahmenGemeinschaftskontenrahmen der Industrie
GliederungAbschlussgliederungsprinzipProzessgliederungsprinzip
RechnungssystemZweikreissystemEinkreissystem
SchwerpunktJahresabschluss und getrennte Kostenrechnungbetrieblicher Ablauf

Branchenspezifische Kontenrahmen

Neben SKR 03 und SKR 04 stellt DATEV branchenspezifische Lösungen bereit. Solche Kontenrahmen berücksichtigen Besonderheiten bestimmter Wirtschaftszweige, beispielsweise Pflegeeinrichtungen, Vereine, Hotels oder andere spezielle Tätigkeitsbereiche.

Beispiele sind:

KontenrahmenTypischer Einsatzbereich
SKR 45soziale Einrichtungen nach Pflege-Buchführungsverordnung
SKR 49Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Gesellschaften
SKR 70Hotels und Gaststätten
weitere Branchenrahmenunter anderem spezielle Wirtschaftszweige und Organisationstypen

Ein branchenspezifischer Kontenrahmen kann sinnvoll sein, wenn allgemeine Kontenstrukturen die besonderen Anforderungen einer Branche nur unzureichend abbilden.

So enthält der SKR 45 beispielsweise besondere Strukturen für Pflegeeinrichtungen. Der SKR 49 berücksichtigt Besonderheiten von Vereinen, Stiftungen und gemeinnützigen Gesellschaften.

Kontenrahmen werden regelmäßig aktualisiert

Ein Kontenrahmen ist kein unveränderliches Dokument. Gesetzliche Änderungen, neue steuerliche Regelungen oder veränderte Auswertungsanforderungen können Anpassungen notwendig machen.

DATEV stellt deshalb für jedes Wirtschaftsjahr aktualisierte Kontenrahmen zur Verfügung. Für die praktische Buchführung sollten Sie nicht dauerhaft mit einer alten PDF-Datei arbeiten, sondern den aktuellen Stand verwenden.

Das ist besonders wichtig bei:

  • neuen gesetzlichen Vorgaben,
  • geänderten Umsatzsteuerkonten,
  • neuen E-Bilanz-Zuordnungen,
  • veränderten Kontenfunktionen,
  • neuen Auswertungspositionen.

Kontenrahmen und E-Bilanz

Bei bilanzierenden Unternehmen besteht zusätzlich ein Zusammenhang zwischen Kontenrahmen und E-Bilanz. Die Buchhaltungskonten müssen letztlich den entsprechenden Positionen der steuerlichen Taxonomie zugeordnet werden können.

Moderne Buchhaltungssoftware stellt hierfür Kontenzuordnungen und Taxonomie-Bezüge bereit. Der Kontenrahmen erleichtert diese standardisierte Weiterverarbeitung.

Für Studium und Ausbildung genügt zunächst das Verständnis, dass einzelne Sachkonten nicht isoliert existieren. Sie fließen später in Bilanz-, GuV- und Steuerpositionen ein.

Kontenrahmen und Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Auch Unternehmen und Selbstständige, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, können mit einem Kontenrahmen arbeiten. DATEV bietet beispielsweise Varianten von SKR 03 und SKR 04 für die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG an.

Der grundsätzliche Aufbau bleibt erhalten, während die Konten zusätzlich den Positionen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung zugeordnet werden.

Kontenrahmen in der Buchhaltungssoftware

In moderner Software bildet der Kontenrahmen eine wichtige Grundlage für die Kontierung. Bei der Einrichtung einer Buchhaltung wird deshalb häufig ausgewählt, ob beispielsweise SKR 03 oder SKR 04 verwendet werden soll.

Die Software kann anschließend zahlreiche Funktionen mit den Konten verbinden:

  • Umsatzsteuerautomatik,
  • Vorsteuerautomatik,
  • Bilanz- und GuV-Zuordnung,
  • betriebswirtschaftliche Auswertungen,
  • E-Bilanz-Zuordnung,
  • Kostenstellen und Zusatzinformationen.

Deshalb sollte ein Konto nicht einfach nur nach seinem Namen ausgewählt werden. Konten können zusätzlich bestimmte steuerliche oder technische Funktionen besitzen.

Kontenplan nicht unnötig aufblähen

Ein Kontenrahmen kann sehr viele Konten enthalten. Der individuelle Kontenplan sollte jedoch nur so umfangreich sein, wie es für eine aussagekräftige Buchhaltung erforderlich ist.

Zu viele ähnliche Konten können die Buchhaltung unnötig kompliziert machen. Zu wenige Konten können dagegen wichtige Informationen verschleiern.

Ein guter Kontenplan sollte deshalb:

  • übersichtlich sein,
  • wichtige Geschäftsvorfälle getrennt darstellen,
  • langfristig konsistent bleiben,
  • gesetzliche Auswertungen ermöglichen,
  • betriebliche Informationsbedürfnisse berücksichtigen.

Konten neu anlegen – was beachten?

Wenn im Kontenrahmen kein passendes individuelles Konto vorhanden ist, kann innerhalb des Kontenplans ein zusätzliches Konto eingerichtet werden. Dabei sollte die Systematik des gewählten Rahmens beibehalten werden.

Prüfen Sie insbesondere:

  • welcher Kontenklasse das Konto zugeordnet werden muss,
  • welche Kontengruppe fachlich passt,
  • ob bereits ein geeignetes Standardkonto existiert,
  • welche Steuerfunktion benötigt wird,
  • wie das Konto in Bilanz oder GuV eingeordnet wird.

Bei produktiven Unternehmensbuchhaltungen sollten neue Konten nicht ohne Prüfung durch eine fachkundige Stelle angelegt werden.

Kontenrahmen wechseln – sinnvoll oder problematisch?

Ein Wechsel von SKR 03 zu SKR 04 oder umgekehrt ist grundsätzlich möglich, verursacht aber erheblichen organisatorischen Aufwand. Konten müssen neu zugeordnet, Stammdaten angepasst und Vergleichszahlen geprüft werden.

Ein Wechsel kann beispielsweise Auswirkungen haben auf:

  • Buchungsvorlagen,
  • Bankregeln,
  • Schnittstellen,
  • Auswertungen,
  • Kostenrechnung,
  • Vorjahresvergleiche.

Der Kontenrahmen sollte deshalb möglichst langfristig und bewusst gewählt werden.

Beispiel für die Arbeit mit einem Kontenrahmen

Angenommen, ein Unternehmen möchte die Zahlung einer Büromiete buchen. Zunächst wird anhand des Kontenrahmens das passende Aufwandskonto gesucht. Anschließend wird das Gegenkonto Bank bestimmt.

Die Kontenanalyse lautet:

  • Mietaufwand nimmt zu.
  • Bankguthaben nimmt ab.
  • Aufwand steht im Soll.
  • Bank als Aktivkonto wird im Haben gemindert.

Der Buchungssatz lautet vereinfacht:

Mietaufwand an Bank

Der Kontenrahmen liefert dabei die konkreten Nummern und Kontenbezeichnungen.

Beispiel: Ausgangsrechnung buchen

Auch beim Buchen einer Ausgangsrechnung hilft der Kontenrahmen, die passenden Konten zu finden. Bei einem Verkauf auf Ziel werden beispielsweise Forderungen, Erlöse und Umsatzsteuer benötigt.

Der wirtschaftliche Buchungssatz bleibt unabhängig vom verwendeten Kontenrahmen:

Forderungen an Umsatzerlöse und Umsatzsteuer

Die konkreten Kontonummern unterscheiden sich jedoch je nach SKR.

Was sollten Sie für eine Prüfung lernen?

Im Studium oder in der kaufmännischen Ausbildung sollten Sie nicht versuchen, einen vollständigen Kontenrahmen auswendig zu lernen. Wichtiger ist das Verständnis der Systematik.

  • Kontenrahmen und Kontenplan unterscheiden können.
  • Kontenklassen erkennen.
  • Aufbau von Kontonummern verstehen.
  • SKR 03 und SKR 04 unterscheiden.
  • Prozess- und Abschlussgliederungsprinzip erklären.
  • IKR und GKR unterscheiden.
  • Konten anhand eines vorgegebenen Plans finden.
  • Buchungssätze fachlich bilden können.

Typische Fehler vermeiden

FehlerWarum problematisch?Richtige Vorgehensweise
Kontenrahmen und Kontenplan gleichsetzenVorlage und betriebliche Auswahl werden verwechselt.Kontenplan als unternehmensspezifische Auswahl verstehen.
Kontonummer ohne SKR nennenNummer kann in anderem System etwas anderes bedeuten.Kontenrahmen immer angeben.
SKR 03 nur kleinen Betrieben zuordnenDiese Einteilung ist zu pauschal.Gliederungsprinzip und betriebliche Anforderungen betrachten.
SKR 04 nur großen Unternehmen zuordnenAuch diese Aussage ist zu pauschal.Beide SKR sind branchenübergreifend einsetzbar.
GKR mit gemeinnützigen Organisationen gleichsetzenDer klassische GKR ist der Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie.Begriff fachlich korrekt verwenden.
alte Kontenlisten dauerhaft verwendenKonten und Funktionen können aktualisiert werden.aktuellen Stand verwenden.

Checkliste zur Auswahl und Verwendung

PrüffrageErledigt?
Verwendeten Kontenrahmen bestimmt?□
Aktuelle Version verwendet?□
Kontenklasse verstanden?□
Kontengruppe bestimmt?□
passendes Sachkonto gefunden?□
Steuerfunktion geprüft?□
Bilanz- oder GuV-Zuordnung geprüft?□
Kontobezeichnung verständlich?□
unternehmensspezifischer Kontenplan gepflegt?□
unnötige Doppelkonten vermieden?□

Häufige Fragen zum Kontenrahmen

Was ist ein Kontenrahmen einfach erklärt?

Ein Kontenrahmen ist eine systematisch aufgebaute Vorlage für die Konten der Buchhaltung. Er ordnet Konten in Klassen, Gruppen und Einzelkonten und erleichtert damit eine einheitliche Buchführung.

Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?

Der Kontenrahmen enthält die allgemeine Struktur und zahlreiche mögliche Konten. Der Kontenplan enthält nur die Konten, die ein konkretes Unternehmen tatsächlich verwendet beziehungsweise individuell ergänzt hat.

Was ist SKR 03?

SKR 03 ist ein weit verbreiteter DATEV-Standardkontenrahmen. Er folgt grundsätzlich dem Prozessgliederungsprinzip und orientiert die Kontenanordnung stärker am betrieblichen Ablauf.

Was ist SKR 04?

SKR 04 ist ebenfalls ein weit verbreiteter DATEV-Standardkontenrahmen. Seine Gliederung orientiert sich stärker an Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung und damit am Abschlussgliederungsprinzip.

Was ist besser: SKR 03 oder SKR 04?

Keiner der beiden Kontenrahmen ist allgemein besser. Die Auswahl hängt unter anderem von der bestehenden Buchhaltung, Software, Steuerberatung und den gewünschten Auswertungen ab.

Sind SKR 03 und SKR 04 gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Unternehmen müssen nicht grundsätzlich einen bestimmten DATEV-Kontenrahmen verwenden. Die Buchführung muss jedoch die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

Was ist eine Kontenklasse?

Eine Kontenklasse ist die oberste Gliederungsebene innerhalb eines Kontenrahmens. Bei den verbreiteten Standardkontenrahmen wird sie durch die erste Ziffer der Kontonummer gekennzeichnet.

Warum hat Bank im SKR 03 und SKR 04 unterschiedliche Nummern?

Beide Systeme folgen unterschiedlichen Gliederungsprinzipien. Deshalb befindet sich dasselbe wirtschaftliche Konto an einer anderen Stelle innerhalb des jeweiligen Kontenrahmens.

Was ist der IKR?

IKR steht für Industriekontenrahmen. Er wird insbesondere in Ausbildung und Industrie verwendet und folgt im Bereich der Finanzbuchhaltung dem Abschlussgliederungsprinzip.

Was ist der GKR?

GKR steht in diesem Zusammenhang für Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie. Er ist älter als der IKR und folgt dem Prozessgliederungsprinzip.

Muss ein Unternehmen alle Konten verwenden?

Nein. Der Kontenrahmen stellt mögliche Konten zur Verfügung. Im unternehmensspezifischen Kontenplan werden nur die benötigten Konten verwendet und gegebenenfalls sinnvoll ergänzt.

Ändern sich Kontenrahmen?

Ja. Standardkontenrahmen werden regelmäßig aktualisiert. Deshalb sollten Unternehmen und Lernende bei aktuellen praktischen Fragestellungen auf die jeweils gültige Version achten.

Fazit: Die Systematik hinter den Kontonummern verstehen

Ein Kontenrahmen schafft Ordnung in der Buchführung. Er strukturiert mögliche Konten nach Klassen, Gruppen und Einzelkonten und bildet damit die Grundlage für einen individuellen Kontenplan.

Besonders verbreitet sind SKR 03 und SKR 04. Der SKR 03 orientiert sich am Prozessgliederungsprinzip, während der SKR 04 stärker dem Abschlussgliederungsprinzip folgt. Dadurch unterscheiden sich Kontenklassen und Kontonummern, obwohl dieselben wirtschaftlichen Geschäftsvorfälle gebucht werden.

Für Studium und Ausbildung sollten Sie deshalb weniger einzelne Nummern auswendig lernen und stärker die Struktur des jeweiligen Kontenrahmens verstehen. Entscheidend ist, dass Sie ein Konto fachlich richtig einordnen und im vorgegebenen Kontenplan finden können.

Der individuelle Kontenplan eines Unternehmens entsteht aus dem allgemeinen Kontenrahmen. Er enthält nur die Konten, die tatsächlich benötigt werden, und kann sinnvoll um eigene Bankkonten, Kostenbereiche oder andere betriebliche Unterkonten ergänzt werden.

Darüber hinaus gibt es mit IKR, GKR und verschiedenen branchenspezifischen DATEV-Lösungen weitere Systeme. Welcher Kontenrahmen sinnvoll ist, hängt von Unternehmen, Branche, Buchhaltungssystem, Steuerberatung und Auswertungsanforderungen ab.

Die Bildungsbibel empfiehlt deshalb eine einfache Lernreihenfolge: zuerst Kontenarten und Buchungsregeln verstehen, anschließend Kontenklassen und Nummernaufbau kennenlernen und erst danach mit einem konkreten Kontenrahmen arbeiten. Auf diese Weise erkennen Sie nicht nur Kontonummern, sondern verstehen auch, warum ein Konto an einer bestimmten Stelle eingeordnet wird.

Weiterführende Informationen

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