Weiterbildung – Online lernen – BWL – BWL lernen – Einfacher und erweiterter Wirtschaftskreislauf, Güter, Geld und Elemente
Der Wirtschaftskreislauf ist ein grundlegendes Modell der Volkswirtschaftslehre. Er zeigt vereinfacht, wie private Haushalte, Unternehmen, Staat, Finanzsektor und Ausland miteinander verbunden sind und wie dabei Güter, Dienstleistungen, Produktionsfaktoren, Einkommen und Geld zwischen den einzelnen Wirtschaftssektoren fließen.
Auf der Bildungsbibel lernen Sie den einfachen und den erweiterten Wirtschaftskreislauf Schritt für Schritt kennen. Sie erfahren, warum Güterstrom und Geldstrom meist in entgegengesetzte Richtungen verlaufen, wie Sparen und Investieren in das Modell eingebaut werden, welche Aufgaben Staat und Ausland übernehmen und wie sich die Kreislaufdarstellung mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und dem Bruttoinlandsprodukt verbinden lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Wirtschaftskreislauf fasst zahlreiche wirtschaftliche Einzelvorgänge zu übersichtlichen Beziehungen zwischen Sektoren zusammen.
- Im einfachen Modell werden zunächst nur private Haushalte und Unternehmen betrachtet.
- Haushalte stellen Produktionsfaktoren bereit und erhalten dafür Einkommen; Unternehmen stellen Güter und Dienstleistungen bereit und erhalten dafür Konsumausgaben.
- Güter- und Geldströme verlaufen bei Tauschvorgängen grundsätzlich in entgegengesetzte Richtungen.
- Im erweiterten Wirtschaftskreislauf kommen Sparen, Investitionen, Staat, Finanzsektor und Ausland hinzu.
- Bankkredite sind finanzielle Transaktionen und sollten nicht einfach als realer Güterstrom behandelt werden.
- Die Verwendungsseite des BIP lässt sich vereinfacht mit BIP = C + I + G + (X – M) darstellen.
- Dabei steht I für Bruttoinvestitionen, nicht nur für Investitionen einzelner Unternehmen.
- Das Volkseinkommen ist nicht mit dem Bruttoinlandsprodukt gleichzusetzen.
- Der Wirtschaftskreislauf ist ein Modell und vereinfacht die wesentlich komplexeren Vorgänge einer realen Volkswirtschaft.
Definition: Was zeigt das Kreislaufmodell?
Ein Wirtschaftskreislauf ist ein vereinfachtes volkswirtschaftliches Modell, das typische Austauschbeziehungen zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren darstellt. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt das Kreislaufmodell als Möglichkeit, Güter-, Leistungs- und Geldströme einer Volkswirtschaft schrittweise sichtbar zu machen.
In der Realität existieren Millionen einzelner Käufe, Arbeitsverhältnisse, Kreditverträge, Steuerzahlungen und internationale Transaktionen. Der Wirtschaftskreislauf reduziert diese Komplexität, indem ähnliche Wirtschaftseinheiten und Vorgänge zusammengefasst werden. Dadurch lassen sich grundlegende Zusammenhänge leichter erkennen.
Der Wirtschaftskreislauf eignet sich deshalb besonders für Schule, Ausbildung, Studium und die Einführung in BWL und VWL. Er ersetzt jedoch keine vollständige Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, sondern bildet deren Grundgedanken stark vereinfacht ab.
Welche Sektoren gehören zum Modell?
Je nach Lernstufe enthält der Wirtschaftskreislauf unterschiedlich viele Teilnehmer. Das Grundmodell arbeitet nur mit privaten Haushalten und Unternehmen. Später kommen Finanzsektor, Staat und Ausland hinzu.
| Sektor | Typische Funktion | Beispiele für Ströme |
|---|---|---|
| Private Haushalte | konsumieren und stellen Produktionsfaktoren bereit | Konsumausgaben, Arbeit, Sparen, Steuern |
| Unternehmen | produzieren Güter und Dienstleistungen | Löhne, Umsätze, Investitionen, Abgaben |
| Finanzsektor | vermittelt und bilanziert finanzielle Beziehungen | Einlagen, Kredite, Wertpapiere, Zinsen |
| Staat | erhebt Abgaben und tätigt Ausgaben | Steuern, Transfers, Staatskonsum, Investitionen |
| Ausland | bildet Beziehungen zur übrigen Welt ab | Exporte, Importe, Einkommen und Finanzströme |
In der amtlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird noch genauer unterschieden. Destatis gliedert die Volkswirtschaft unter anderem in nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, finanzielle Kapitalgesellschaften, Staat, private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck; zusätzlich gibt es den Sektor übrige Welt.
Der Wirtschaftskreislauf im Unterricht ist damit bewusst einfacher als die amtliche Statistik. Für das Verständnis der grundlegenden Beziehungen ist diese Vereinfachung jedoch hilfreich.
Güterstrom und Geldstrom richtig unterscheiden
Eine der wichtigsten Regeln im Wirtschaftskreislauf lautet: Einer realen Leistung steht bei einem entgeltlichen Tausch normalerweise ein Geldstrom in der Gegenrichtung gegenüber.
Kauft ein Haushalt beispielsweise ein Fahrrad bei einem Unternehmen, fließt das Fahrrad als reales Gut vom Unternehmen zum Haushalt. Gleichzeitig fließt der Kaufpreis als monetärer Strom vom Haushalt zum Unternehmen.
Ähnlich funktioniert der Arbeitsmarkt. Ein Haushalt stellt Arbeitsleistung zur Verfügung. Das Unternehmen zahlt dafür Lohn oder Gehalt. Der Wirtschaftskreislauf macht dadurch sichtbar, dass Leistung und Gegenleistung miteinander verbunden sind.
| Vorgang | Realer Leistungsstrom | Geldstrom |
|---|---|---|
| Haushalt kauft Lebensmittel | Lebensmittel zum Haushalt | Kaufpreis zum Unternehmen |
| Arbeitnehmer arbeitet | Arbeitsleistung zum Unternehmen | Lohn oder Gehalt zum Haushalt |
| Staat bezieht Büromöbel | Möbel zum Staat | Zahlung an das Unternehmen |
| Unternehmen exportiert Maschine | Maschine ins Ausland | Zahlung aus dem Ausland |
Wichtig: Ein Bankkredit gehört nicht einfach in dieselbe Tabelle als realer Güterstrom. Die Kreditgewährung ist vor allem eine finanzielle Transaktion. Die Deutsche Bundesbank erfasst Kredite, Wertpapiere, Geldvermögen und Verbindlichkeiten in der Finanzierungsrechnung. Finanzdienstleistungen der Bank können dagegen eine wirtschaftliche Dienstleistung darstellen.
Das einfache Modell mit Haushalten und Unternehmen
Der einfache Wirtschaftskreislauf beschränkt sich auf zwei Sektoren: private Haushalte und Unternehmen. Staat, Ausland, Sparen und komplexe Finanzbeziehungen werden zunächst ausgeblendet.
Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt beim einfachen Wirtschaftskreislauf ebenfalls die Beziehungen zwischen Haushalten und Unternehmen sowie den Güter- und Geldkreislauf in den Mittelpunkt.
Private Haushalte stellen Unternehmen vor allem ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Darüber hinaus können auch weitere Produktionsfaktoren wie Boden und Kapital in vereinfachten Modellen berücksichtigt werden.
Die Unternehmen verbinden Produktionsfaktoren miteinander und stellen daraus Waren und Dienstleistungen her. Diese werden wiederum von den Haushalten nachgefragt. Die Haushalte verwenden dafür Einkommen, das sie zuvor durch die Bereitstellung von Produktionsfaktoren erhalten haben.
Der Ablauf in vier Schritten
- Haushalte stellen Unternehmen Arbeitskraft und weitere Produktionsfaktoren zur Verfügung.
- Unternehmen zahlen dafür Einkommen, beispielsweise Lohn und Gehalt.
- Unternehmen bieten Konsumgüter und Dienstleistungen an.
- Haushalte verwenden Einkommen zum Kauf dieser Güter.
Damit schließt sich der einfache Wirtschaftskreislauf: Einkommen, das Unternehmen an Haushalte zahlen, kann über den Konsum wieder zu Unternehmen zurückfließen.
Private Haushalte: Konsum, Arbeit und Einkommen
Private Haushalte übernehmen im Wirtschaftskreislauf mehrere Funktionen. Sie fragen Konsumgüter nach, stellen Produktionsfaktoren bereit, erzielen Einkommen, sparen, zahlen Abgaben und erhalten teilweise Transfers.
Auf Gütermärkten entscheiden Haushalte, welche Produkte und Dienstleistungen sie kaufen. Dabei sind ihre Wünsche durch das verfügbare Einkommen begrenzt. In der Volkswirtschaftslehre spricht man von einer Budgetrestriktion.
Auf Faktormärkten bieten Haushalte vor allem Arbeit an. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf kommen zusätzlich Sparen, Steuerzahlungen, Sozialbeiträge, Transferzahlungen und Vermögenseinkommen hinzu.
Unternehmen: Produktion, Einkommen und Investitionen
Unternehmen nutzen Produktionsfaktoren, Vorleistungen und Wissen, um Waren und Dienstleistungen herzustellen. Sie beschäftigen Arbeitnehmer, zahlen Einkommen, kaufen Vorleistungen, investieren und verkaufen ihre Leistungen an Haushalte, andere Unternehmen, den Staat oder das Ausland.
In theoretischen Modellen wird häufig Gewinnmaximierung als vereinfachte Verhaltensannahme verwendet. Reale Unternehmen verfolgen jedoch meist mehrere Unternehmensziele, beispielsweise Rentabilität, Liquidität, Wachstum, Marktanteil, Nachhaltigkeit oder langfristige Unternehmenssicherung.
Im Wirtschaftskreislauf sind Unternehmen deshalb nicht nur Verkäufer von Konsumgütern. Sie sind gleichzeitig Nachfrager nach Arbeit, Kapital, Vorleistungen und Investitionsgütern.
Welche Annahmen macht das Grundmodell?
Der einfache Wirtschaftskreislauf ist bewusst unrealistisch. Genau darin liegt sein Nutzen. Bestimmte Einflussfaktoren werden ausgeblendet, damit die Grundbeziehung zwischen Produktion, Einkommen und Konsum sichtbar wird.
- Es gibt zunächst keinen Staat.
- Es gibt keinen Außenhandel.
- Haushalte sparen im Grundmodell nicht.
- Finanzielle Beziehungen werden stark vereinfacht.
- Alle Haushalte werden zu einem Sektor zusammengefasst.
- Alle Unternehmen werden ebenfalls zu einem Sektor zusammengefasst.
Erst nachdem dieses Grundschema verstanden ist, wird der Wirtschaftskreislauf erweitert.
Das erweiterte Modell: Sparen, Investieren, Staat und Ausland
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf berücksichtigt, dass Haushalte nicht ihr gesamtes Einkommen konsumieren und Unternehmen sowie andere Sektoren Investitionen tätigen. Zusätzlich werden Staat und Ausland in die Analyse aufgenommen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert den erweiterten Wirtschaftskreislauf ebenfalls über Sparen, Investitionen und staatliche Aktivitäten. Das Bankensystem wird in diesem vereinfachten Lehrmodell als Verbindung zwischen Ersparnissen und Finanzierung dargestellt.
Diese Darstellung ist didaktisch nützlich. Die moderne amtliche Finanzierungsrechnung ist jedoch detaillierter und erfasst finanzielle Transaktionen getrennt nach institutionellen Sektoren und Finanzinstrumenten.
Sparen als Verwendung von Einkommen
Private Haushalte geben nicht ihr gesamtes Einkommen für Konsum aus. Der nicht konsumierte Teil kann gespart werden. Dadurch fließt ein Teil des Einkommens nicht unmittelbar über Konsumausgaben an Unternehmen zurück.
Im einfachen erweiterten Wirtschaftskreislauf wird Sparen deshalb häufig als Abfluss aus dem unmittelbaren Einkommenskreislauf dargestellt. Dieser Begriff bedeutet nicht, dass das Geld verschwindet. Er besagt lediglich, dass der betreffende Betrag nicht unmittelbar für Konsum verwendet wird.
Ersparnisse können beispielsweise als Bankeinlagen, Wertpapiere oder andere Vermögensformen gehalten werden. Die daraus entstehenden finanziellen Bestände und Transaktionen werden in der Finanzierungsrechnung genauer abgebildet.
Banken und Finanzsektor korrekt einordnen
In vereinfachten Lehrbüchern werden Banken häufig als Sammelstellen für Ersparnisse dargestellt, die Unternehmen und Haushalte mit Krediten versorgen. Dieses Bild erleichtert den Einstieg in den erweiterten Wirtschaftskreislauf, bildet das moderne Finanzsystem aber nur unvollständig ab.
In der amtlichen VGR gehören Banken und Versicherungen zu den finanziellen Kapitalgesellschaften. Die Finanzierungsrechnung der Deutschen Bundesbank ergänzt die realwirtschaftlich orientierte VGR um finanzielle Vorgänge. Sie erfasst beispielsweise Kredite, Aktien, Geldvermögensbildung und Verbindlichkeiten.
Ein Kredit ist deshalb zunächst eine finanzielle Transaktion: Der Kreditnehmer erhält eine Forderung beziehungsweise Zahlungsmittel und übernimmt gleichzeitig eine Verbindlichkeit. Die reine Kreditgewährung ist nicht mit dem Verkauf eines realen Gutes gleichzusetzen.
Banken erbringen allerdings Dienstleistungen. Solche Finanzdienstleistungen können Teil der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung sein. Für den grundlegenden Wirtschaftskreislauf genügt die Unterscheidung zwischen realwirtschaftlichen und finanziellen Strömen.
Bruttoinvestitionen als wichtige Nachfragekomponente
Investitionen spielen im Wirtschaftskreislauf eine zentrale Rolle. Unternehmen investieren beispielsweise in Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude oder technische Anlagen. Aber auch der Staat und private Haushalte können in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Investitionen tätigen, beispielsweise beim Wohnungsbau.
In der Verwendungsrechnung des BIP wird deshalb nicht lediglich von Unternehmensinvestitionen gesprochen, sondern von Bruttoinvestitionen. Dazu gehören Bruttoanlageinvestitionen sowie Vorratsveränderungen und der Nettozugang an Wertsachen.
Diese Präzisierung ist für den Wirtschaftskreislauf wichtig: Die Variable I in der vereinfachten BIP-Gleichung steht für die gesamtwirtschaftlichen Bruttoinvestitionen, nicht nur für den Kauf neuer Maschinen durch Unternehmen.
Der Staat erweitert die Zahlungs- und Leistungsströme
Der Staat verändert den Wirtschaftskreislauf durch Einnahmen und Ausgaben. Zum staatlichen Sektor gehören nach der amtlichen VGR insbesondere Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung sowie weitere Einheiten, sofern sie nach den Regeln des ESVG dem Staatssektor zugerechnet werden.
Mehr zu den gesetzlichen Sicherungssystemen finden Sie bei der Bildungsbibel unter fünf Säulen der Sozialversicherung.
| Strom zum Staat | Beispiel | Strom vom Staat | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Steuern | Einkommensteuer, Umsatzsteuer | Staatskonsum | öffentliche Dienstleistungen und Beschaffung |
| Sozialbeiträge | Beiträge zur Sozialversicherung | Transfers | Renten und andere Sozialleistungen |
| Gebühren | bestimmte Verwaltungsleistungen | Subventionen | Unterstützung bestimmter Aktivitäten |
Staatliche Maßnahmen verändern damit Einkommen, Nachfrage und Finanzierung im Wirtschaftskreislauf. Ein Beispiel für staatlich unterstützte Finanzierung sind Förderprogramme und KfW-Darlehen. Förderdarlehen sind jedoch nicht mit dem gesamten Begriff der Subvention gleichzusetzen.
Das Ausland und die offene Volkswirtschaft
Sobald wirtschaftliche Beziehungen zum Ausland berücksichtigt werden, wird der Wirtschaftskreislauf zu einem Modell einer offenen Volkswirtschaft. Neben Waren und Dienstleistungen können auch Einkommen und finanzielle Mittel über Grenzen hinweg fließen.
Bei einem Export liefert eine inländische Einheit Waren oder Dienstleistungen ins Ausland. Bei einem Import bezieht das Inland Waren oder Dienstleistungen aus dem Ausland.
| Vorgang | Realer Strom | Einordnung in der BIP-Verwendung |
|---|---|---|
| Export | Güter oder Dienstleistungen ins Ausland | wird dem BIP zugerechnet |
| Import | Güter oder Dienstleistungen ins Inland | wird abgezogen, weil die Produktion im Ausland stattfand |
Der Außenbeitrag ergibt sich aus Exporten minus Importen. Im Wirtschaftskreislauf wird dadurch sichtbar, dass die inländische Nachfrage nicht ausschließlich auf inländische Produktion trifft und umgekehrt inländische Produktion auch im Ausland nachgefragt wird.
Abflüsse und Zuflüsse im vereinfachten Gleichgewichtsmodell
In einem erweiterten Lehrmodell werden bestimmte Größen häufig als Abflüsse und Zuflüsse des unmittelbaren Einkommenskreislaufs dargestellt. Diese Darstellung hilft zu verstehen, wie gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Einkommen miteinander verbunden sind.
| Abflüsse | Zuflüsse |
|---|---|
| Sparen S | Bruttoinvestitionen I |
| Nettosteuern T | Staatsausgaben G |
| Importe M | Exporte X |
In einem stark vereinfachten keynesianischen Gleichgewichtsmodell kann daraus die Bedingung S + T + M = I + G + X abgeleitet werden.
Dabei ist eine saubere Definition von T entscheidend: T steht in dieser vereinfachten Darstellung für Nettosteuern, also für Steuer- und Abgabenzahlungen abzüglich staatlicher Transfers, sofern Transfers nicht als eigene Größe separat modelliert werden.
Diese Gleichung gehört zu einem theoretischen Wirtschaftskreislauf und ist nicht identisch mit einer einzelnen Kontengleichung der amtlichen VGR. Sie dient vor allem dazu, die Logik von Abflüssen und Zuflüssen zu verdeutlichen.
Beispiel: Ein Haushalt mit 3.000 Euro Einkommen
Ein Zahlenbeispiel macht den Wirtschaftskreislauf anschaulicher. Angenommen, ein privater Haushalt erhält in einem Monat 3.000 Euro verfügbares beziehungsweise vereinfachtes Einkommen vor der vollständigen Aufteilung auf Verwendungszwecke.
- 2.100 Euro werden für Konsum verwendet.
- 400 Euro werden gespart.
- 500 Euro fließen im vereinfachten Beispiel als Steuern und Abgaben an staatliche Stellen.
Die Konsumausgaben werden zu Einnahmen von Unternehmen. Unternehmen verwenden Einnahmen wiederum für Löhne, Vorleistungen, Investitionen, Abgaben oder Ausschüttungen.
Die Ersparnis erhöht das Geldvermögen des Haushalts beziehungsweise verändert seine finanzielle Position. Die staatlichen Einnahmen können für öffentliche Leistungen, Transfers, Personal oder Investitionen eingesetzt werden.
Der Wirtschaftskreislauf zeigt damit nicht, dass derselbe Geldschein immer wieder dieselbe Runde durchläuft. Er zeigt vielmehr, wie Zahlungs- und Leistungsbeziehungen zwischen den Sektoren miteinander verknüpft sind.
Mikroökonomie, Makroökonomie und BWL unterscheiden
Der Wirtschaftskreislauf gehört vor allem zur makroökonomischen Betrachtung. Mikroökonomie, Makroökonomie und Betriebswirtschaftslehre sollten trotzdem sauber voneinander abgegrenzt werden.
Mikroökonomie
Die Mikroökonomie untersucht Entscheidungen einzelner Wirtschaftssubjekte und das Zusammenspiel auf Märkten. Dazu zählen beispielsweise Konsumentscheidungen privater Haushalte, Produktionsentscheidungen von Unternehmen und die Preisbildung auf Güter-, Faktor- und Finanzmärkten.
Auch Verbände und Interessenvertretungen können wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen beeinflussen. Informationen dazu bietet der Deutsche Bundestag unter Interessenvertretungen und Lobbyregister.
Betriebswirtschaftslehre
Die Betriebswirtschaftslehre konzentriert sich auf Unternehmen und betriebliche Entscheidungen, beispielsweise Finanzierung, Investition, Marketing, Personal oder Produktion. Sie überschneidet sich in einzelnen Bereichen mit der Mikroökonomie, ist aber nicht mit ihr gleichzusetzen.
Makroökonomie
Die Makroökonomie fasst einzelne Wirtschaftseinheiten zu gesamtwirtschaftlichen Größen zusammen. Statt eines einzelnen Haushalts werden beispielsweise alle privaten Haushalte als Sektor betrachtet. Genau hier wird der Wirtschaftskreislauf besonders wichtig.
Makroökonomische Themen sind unter anderem gesamtwirtschaftliche Produktion, Beschäftigung, Preisniveau, Konsum, Investitionen, Staatsaktivität und Außenwirtschaft.
Gütermarkt, Arbeitsmarkt, Kapitalmarkt und Geldmarkt
Die Ströme des Wirtschaftskreislaufs lassen sich verschiedenen Märkten zuordnen. Auf diesen Märkten treffen Angebot und Nachfrage zusammen.
| Markt | Typische Anbieter | Typische Nachfrager | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Gütermarkt | vor allem Unternehmen | Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland | Waren und Dienstleistungen |
| Arbeitsmarkt | private Haushalte | Unternehmen und Staat | Arbeitsleistung |
| Kapital- und Finanzmarkt | Kapitalgeber und Finanzintermediäre | Investoren und Kreditnehmer | Kredite, Anleihen, Aktien |
| Geldmarkt | Finanzmarktteilnehmer | Teilnehmer mit kurzfristigem Liquiditätsbedarf | kurzfristige Geldmarktgeschäfte |
Mehr zum kurzfristigen Geldmarkt finden Sie bei der Börse Frankfurt.
Verbindung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
Der Wirtschaftskreislauf ist nicht nur ein Unterrichtsmodell. Seine Grundidee findet sich auch in der systematischen Erfassung der wirtschaftlichen Transaktionen einer Volkswirtschaft wieder.
Das Statistische Bundesamt erstellt die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Sie erfassen unter anderem Produktion, Einkommen, Konsum, Bruttoinvestitionen und außenwirtschaftliche Beziehungen.
Die amtliche VGR ist wesentlich detaillierter als der einfache Wirtschaftskreislauf. Sie basiert auf international abgestimmten Regeln und unterscheidet verschiedene institutionelle Sektoren, Konten und Transaktionsarten.
Das Bruttoinlandsprodukt aus mehreren Perspektiven
Das Bruttoinlandsprodukt misst den Wert der wirtschaftlichen Leistung innerhalb eines Wirtschaftsgebiets in einem bestimmten Zeitraum. Es lässt sich konzeptionell über Entstehung, Verwendung und Verteilung betrachten.
| Perspektive | Zentrale Frage | Typische Größen |
|---|---|---|
| Entstehungsrechnung | Wo wurde wirtschaftliche Leistung erzeugt? | Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen |
| Verwendungsrechnung | Wofür wurde die Wirtschaftsleistung verwendet? | Konsum, Bruttoinvestitionen, Außenbeitrag |
| Verteilungsrechnung | Wie verteilen sich die im Produktionsprozess entstandenen Einkommen? | Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie weitere Überleitungsgrößen |
Für Deutschland ist eine wichtige Besonderheit zu beachten: Nach Angaben von Destatis wird das BIP nicht originär über die Verteilungsseite berechnet. Die Verteilungsrechnung wird im Anschluss an die BIP-Berechnung erstellt. Das Unternehmens- und Vermögenseinkommen ergibt sich dabei als Restgröße.
Diese Präzisierung verhindert, dass der Wirtschaftskreislauf zu stark mit drei vollständig gleichwertigen praktischen Berechnungswegen des deutschen BIP gleichgesetzt wird.
Die Formel der BIP-Verwendungsrechnung
Für eine offene Volkswirtschaft mit Staat lässt sich die Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts vereinfacht so darstellen:
BIP = C + I + G + (X – M)
Dabei bedeuten:
- C = private Konsumausgaben
- I = Bruttoinvestitionen
- G = Konsumausgaben des Staates
- X = Exporte
- M = Importe
Destatis weist in der Verwendungsrechnung private Konsumausgaben, Konsumausgaben des Staates, Bruttoinvestitionen sowie Exporte und Importe aus. Der Außenbeitrag ergibt sich aus Exporten minus Importen.
Für den Wirtschaftskreislauf ist besonders wichtig, dass Importe nicht deshalb abgezogen werden, weil sie wirtschaftlich „schlecht“ wären. Sie werden abgezogen, weil sie zwar in den Konsum- oder Investitionsausgaben enthalten sein können, aber nicht im Inland produziert wurden.
Was gehört zu den Bruttoinvestitionen?
Bruttoinvestitionen umfassen mehr als den Kauf neuer Maschinen. In der amtlichen Verwendungsrechnung zählen insbesondere Bruttoanlageinvestitionen, Vorratsveränderungen und der Nettozugang an Wertsachen dazu.
Zu den Bruttoanlageinvestitionen gehören beispielsweise Bauten, Ausrüstungen und bestimmte sonstige Anlagen. Dadurch wird die Variable I im Wirtschaftskreislauf breiter verstanden als eine reine Unternehmensinvestition.
Geschlossene Volkswirtschaft
Wird das Ausland ausgeblendet, entfallen Exporte und Importe. In einem stark vereinfachten Modell einer geschlossenen Volkswirtschaft mit Staat lautet die Verwendungsidentität:
BIP = C + I + G
Ohne Staat vereinfacht sich die Darstellung weiter. Jede Stufe des Wirtschaftskreislaufs hat dabei einen eigenen Lernzweck.
BIP und Volkseinkommen sind nicht dasselbe
In theoretischen Lehrmodellen wird die Variable Y häufig allgemein für gesamtwirtschaftliches Einkommen oder Produktion verwendet. In der amtlichen Statistik müssen die Begriffe jedoch präziser getrennt werden.
Nach Destatis umfasst das Volkseinkommen das von Inländern empfangene Arbeitnehmerentgelt sowie Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Es wird auch als Nettonationaleinkommen zu Faktorkosten bezeichnet.
Das Bruttoinlandsprodukt misst dagegen die wirtschaftliche Leistung innerhalb des Wirtschaftsgebiets. Die Formel C + I + G + (X – M) ist deshalb eine Identität der BIP-Verwendungsrechnung und keine Definition des Volkseinkommens.
Diese Unterscheidung gehört zu den wichtigsten fachlichen Präzisierungen beim Wirtschaftskreislauf, weil vereinfachte Lehrmaterialien die Begriffe Einkommen, Produktion, BIP und Volkseinkommen teilweise zu locker nebeneinander verwenden.
Wertschöpfung, Einkommen und BIP
Wertschöpfung entsteht vereinfacht aus dem Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen abzüglich der dafür eingesetzten Vorleistungen. Die Bruttowertschöpfung ist eine zentrale Größe der Entstehungsrechnung.
Zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wird der Saldo aus Gütersteuern und Gütersubventionen hinzugefügt, um zum BIP zu gelangen. Die Umsatzsteuer gehört zu den relevanten Gütersteuern.
Gleichzeitig entstehen im Produktionsprozess Einkommen. Diese Verknüpfung erklärt, warum Produktion, Einkommen und Verwendung im Wirtschaftskreislauf eng zusammengehören, obwohl sie in der amtlichen Rechnung unterschiedliche Perspektiven darstellen.
Was bedeutet gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht?
Der Begriff gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet. In theoretischen Modellen kann damit ein Zustand gemeint sein, in dem geplante gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Produktion miteinander übereinstimmen.
In der deutschen Wirtschaftspolitik wird der Begriff außerdem mit den Zielen des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes verbunden. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt Preisstabilität, einen hohen Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum.
Der Wirtschaftskreislauf hilft dabei, Wirkungsbeziehungen zu verstehen. Verändert sich beispielsweise die Nachfrage eines Sektors, kann dies Einkommen und Ausgaben anderer Sektoren beeinflussen.
Geldtheorie, Geldpolitik und Preisstabilität
Geldpolitik beeinflusst Finanzierungsbedingungen und kann dadurch auf Konsum, Investitionen und wirtschaftliche Aktivität wirken. Im Wirtschaftskreislauf werden solche Zusammenhänge meist stark vereinfacht dargestellt.
Das Eurosystem verfolgt vorrangig das Ziel der Preisstabilität. Die Deutsche Bundesbank erläutert, dass der EZB-Rat mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent anstrebt. Weitere Grundlagen bietet der Bundesbank-Beitrag zur Preisstabilität.
Zinsänderungen können unter anderem Kredite, Sparentscheidungen und Investitionsvorhaben beeinflussen. Eine vollständige geldpolitische Analyse geht jedoch deutlich über den einfachen Wirtschaftskreislauf hinaus.
Binnenwirtschaft und Außenwirtschaft verbinden
Eine moderne Volkswirtschaft ist eng mit anderen Ländern verbunden. Exporte, Importe, Kapitalbewegungen und grenzüberschreitende Einkommen verbinden den nationalen Wirtschaftskreislauf mit der übrigen Welt.
Von einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht wird nicht einfach dann gesprochen, wenn Exporte und Importe exakt identisch sind. Der Begriff ist weiter gefasst und betrifft die Tragfähigkeit außenwirtschaftlicher Beziehungen. Eine vertiefende Darstellung finden Sie unter außenwirtschaftliches Gleichgewicht.
Ex ante und ex post: Planung und tatsächliches Ergebnis
Beim Wirtschaftskreislauf ist die Unterscheidung zwischen geplanten und tatsächlich realisierten Größen hilfreich.
Ex ante bedeutet im Voraus. Haushalte planen Konsum und Sparen, Unternehmen Investitionen, der Staat Ausgaben und Einnahmen.
Ex post bedeutet im Nachhinein. Dann werden die tatsächlich realisierten wirtschaftlichen Vorgänge betrachtet. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist eine systematische Ex-post-Rechnung auf Grundlage statistischer Daten und internationaler Regeln.
Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Destatis stellen solche realisierten Größen für Deutschland bereit.
Stabilitätspolitik im Kreislauf denken
Stabilitätspolitik versucht, gesamtwirtschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen. Der Wirtschaftskreislauf zeigt vereinfacht, über welche Kanäle Maßnahmen wirken können.
Erhöht der Staat beispielsweise seine Nachfrage, entstehen zusätzliche Ausgabenströme. Verändert er Steuern oder Transfers, verändert sich das verfügbare Einkommen bestimmter Wirtschaftseinheiten. Geldpolitische Entscheidungen wirken dagegen insbesondere über Zinsen, Erwartungen und Finanzierungsbedingungen.
Solche Wirkungen sind allerdings nicht mechanisch. Sparverhalten, Importe, Kapazitätsgrenzen, Preisentwicklung und Erwartungen können beeinflussen, wie stark eine Maßnahme letztlich auf Produktion und Beschäftigung wirkt.
Angebots- und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik
In der Wirtschaftspolitik werden häufig angebots- und nachfrageorientierte Ansätze unterschieden. Beide können an unterschiedlichen Stellen des Wirtschaftskreislaufs ansetzen.
| Ansatz | Typischer Schwerpunkt | Beispiele für Instrumente |
|---|---|---|
| Nachfrageorientierung | gesamtwirtschaftliche Nachfrage stabilisieren | staatliche Ausgaben, Steuer- und Transferpolitik |
| Angebotsorientierung | Produktions- und Investitionsbedingungen verbessern | Wettbewerb, Regulierung, Steuersystem, Investitionsbedingungen |
Eine pauschale Aussage, eine bestimmte Richtung dominiere dauerhaft die Wirtschaftspolitik westlicher Industrieländer, wäre zu vereinfachend. In der Praxis werden je nach wirtschaftlicher Situation verschiedene Instrumente kombiniert.
Als zusätzliche Lernhilfe können Sie die vorhandenen Beiträge zur nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik sowie zur angebotsorientierten Wirtschaftspolitik nutzen.
Warum ein Modell nicht mit der Realität verwechselt werden darf
Der Wirtschaftskreislauf ist kein vollständiges Abbild der Wirtschaft. Er ist ein Modell, das einzelne Beziehungen bewusst vereinfacht.
- Millionen Haushalte haben unterschiedliche Einkommen und Konsumgewohnheiten.
- Unternehmen unterscheiden sich nach Größe, Rechtsform, Branche und Geschäftsmodell.
- Der Staat besteht aus zahlreichen institutionellen Einheiten.
- Banken, Versicherungen und Kapitalmärkte bilden komplexe Finanzbeziehungen ab.
- Unternehmen kaufen umfangreiche Vorleistungen voneinander.
- Internationale Produktionsketten verbinden mehrere Volkswirtschaften miteinander.
- Vermögensübertragungen und finanzielle Transaktionen sind komplexer als einfache Pfeildiagramme.
Die amtliche VGR und die Finanzierungsrechnung verwenden deshalb differenzierte Konten- und Sektorensysteme. Der Wirtschaftskreislauf bleibt dennoch ein hervorragendes Einstiegsmodell.
Häufige Fehler beim Lernen vermeiden
| Fehler | Warum ungenau? | Richtige Einordnung |
|---|---|---|
| Geldstrom und Güterstrom laufen immer gleichgerichtet | Leistung und Zahlung stehen sich beim Tausch gegenüber | sie verlaufen typischerweise entgegengesetzt |
| Haushalte kaufen nur, Unternehmen verkaufen nur | Haushalte bieten auch Produktionsfaktoren an | beide Sektoren haben mehrere Rollen |
| Ein Bankkredit ist ein realer Güterstrom | Kredite sind finanzielle Transaktionen | Finanzierungsrechnung und Realwirtschaft unterscheiden |
| Banken sind in jedem Kreislaufmodell zwingend eigener Sektor | das hängt von der Modellstufe ab | im Lehrmodell häufig separat, in der VGR finanzielle Kapitalgesellschaften |
| I bedeutet nur Unternehmensinvestitionen | die BIP-Verwendung arbeitet mit Bruttoinvestitionen | auch andere institutionelle Sektoren können investieren |
| Y = C + I + G + X – M definiert das Volkseinkommen | die Gleichung beschreibt die BIP-Verwendungsseite | BIP und Volkseinkommen trennen |
| T sind immer Bruttosteuern | in der Gleichgewichtsformel müssen Transfers berücksichtigt werden | T als Nettosteuern definieren, wenn Transfers nicht separat erscheinen |
| Mikroökonomie und BWL sind dasselbe | es gibt Überschneidungen, aber unterschiedliche Perspektiven | Fachgebiete sauber trennen |
| Importe sind grundsätzlich negativ | sie stellen Waren und Vorleistungen bereit | im BIP werden sie abgezogen, weil sie im Ausland produziert wurden |
Übungsaufgabe: Ströme richtig zuordnen
Ein Arbeitnehmer erhält 2.800 Euro Gehalt. Er kauft Lebensmittel für 400 Euro, zahlt im vereinfachten Beispiel 600 Euro Steuern und Sozialabgaben, spart 300 Euro und kauft ein in Deutschland hergestelltes Fahrrad für 1.200 Euro. Der Staat bestellt anschließend Büromöbel bei einem Unternehmen.
Ordnen Sie die Vorgänge im Wirtschaftskreislauf zu:
- Das Gehalt fließt vom Unternehmen zum privaten Haushalt.
- Die Arbeitsleistung fließt vom Haushalt zum Unternehmen.
- Die Konsumausgaben für Lebensmittel und Fahrrad fließen an Unternehmen.
- Steuern und Sozialbeiträge fließen an die entsprechenden staatlichen Institutionen.
- Das Sparen führt dazu, dass ein Teil des Einkommens nicht unmittelbar konsumiert wird.
- Der Kauf der Büromöbel ist staatliche Nachfrage nach Gütern.
Mit solchen Aufgaben lässt sich der Wirtschaftskreislauf besser verstehen als durch das reine Auswendiglernen eines Schaubilds.
So lernen Sie das Thema für Prüfung und Unterricht
- Lernen Sie zuerst nur die Beziehungen zwischen Haushalten und Unternehmen.
- Zeichnen Sie Güterstrom und Geldstrom in entgegengesetzte Richtungen.
- Ergänzen Sie anschließend Sparen und Bruttoinvestitionen.
- Fügen Sie den Staat mit Steuern, Transfers und Staatsausgaben hinzu.
- Erweitern Sie das Modell um Exporte und Importe.
- Unterscheiden Sie realwirtschaftliche Ströme von finanziellen Transaktionen.
- Verbinden Sie den Wirtschaftskreislauf mit der BIP-Verwendungsformel.
- Üben Sie anschließend mit konkreten Geschäftsvorfällen und Zahlen.
Häufige Fragen zum Kreislaufmodell
Was ist der einfache Wirtschaftskreislauf?
Der einfache Wirtschaftskreislauf betrachtet nur private Haushalte und Unternehmen. Haushalte stellen Produktionsfaktoren bereit und erhalten Einkommen. Mit diesem Einkommen kaufen sie Güter und Dienstleistungen von Unternehmen.
Was ist der erweiterte Wirtschaftskreislauf?
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf berücksichtigt zusätzlich Sparen, Bruttoinvestitionen sowie je nach Modell Staat, Finanzsektor und Ausland. Dadurch lassen sich wesentlich mehr wirtschaftliche Beziehungen darstellen.
Warum laufen Geld- und Güterstrom entgegengesetzt?
Bei einem entgeltlichen Tausch steht einem realen Gut oder einer realen Leistung eine Zahlung gegenüber. Das Produkt fließt beispielsweise zum Käufer, das Geld zum Verkäufer. Dieses Prinzip prägt den Wirtschaftskreislauf.
Ist ein Bankkredit ein Güterstrom?
Nein. Die Kreditgewährung ist in erster Linie eine finanzielle Transaktion. Die Bundesbank bildet Kredite und andere Finanzinstrumente in der Finanzierungsrechnung ab. Bankdienstleistungen können dagegen als wirtschaftliche Dienstleistungen Wertschöpfung erzeugen.
Welche Rolle spielen Haushalte?
Haushalte konsumieren Waren und Dienstleistungen, stellen Produktionsfaktoren wie Arbeit bereit, erzielen Einkommen, sparen und zahlen Steuern und Abgaben. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf können sie außerdem Transfers und Vermögenseinkommen erhalten.
Welche Rolle spielen Unternehmen?
Unternehmen produzieren Güter und Dienstleistungen, beschäftigen Arbeitnehmer, zahlen Einkommen, kaufen Vorleistungen und tätigen Investitionen. Sie verkaufen an Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland.
Wie verändert der Staat das Modell?
Der Staat erhebt Steuern und Beiträge, zahlt Transfers und Subventionen, beschäftigt Personal und fragt selbst Güter und Dienstleistungen nach. Dadurch entstehen zusätzliche Ströme im Wirtschaftskreislauf.
Wie wird das Ausland berücksichtigt?
Über Exporte und Importe sowie weitere grenzüberschreitende Einkommens- und Finanzbeziehungen wird die übrige Welt in den Wirtschaftskreislauf einbezogen. Exporte erhöhen und Importe vermindern in der BIP-Verwendungsrechnung den Außenbeitrag.
Was hat das BIP mit dem Kreislaufmodell zu tun?
Produktion, Einkommen und Verwendung hängen miteinander zusammen. Die VGR erfasst diese Beziehungen systematisch. Der Wirtschaftskreislauf liefert dafür ein anschauliches Grundmodell.
Was bedeutet C + I + G + X – M?
Die Formel zeigt vereinfacht die Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts: private Konsumausgaben plus Bruttoinvestitionen plus staatliche Konsumausgaben plus Exporte minus Importe.
Was bedeutet I in der BIP-Formel?
I steht für Bruttoinvestitionen. Dazu gehören nicht nur Unternehmensinvestitionen, sondern in der amtlichen Rechnung auch weitere Bruttoanlageinvestitionen, Vorratsveränderungen und der Nettozugang an Wertsachen.
Ist Y immer das Volkseinkommen?
Nein. In theoretischen Modellen wird Y häufig allgemein für Einkommen oder Produktion verwendet. In der amtlichen VGR sind Bruttoinlandsprodukt, Nationaleinkommen und Volkseinkommen jedoch klar voneinander abgegrenzte Größen.
Was bedeutet S + T + M = I + G + X?
Die Gleichung ist eine vereinfachte Gleichgewichtsbedingung für Abflüsse und Zuflüsse. Dabei muss T als Nettosteuern verstanden werden, wenn staatliche Transfers nicht separat ausgewiesen werden. Sie ist ein theoretisches Lernmodell und keine vollständige Darstellung der amtlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
Fazit: Zusammenhänge statt Pfeile auswendig lernen
Der Wirtschaftskreislauf zeigt auf einfache Weise, dass wirtschaftliche Entscheidungen miteinander verbunden sind. Einkommen eines Haushalts ist zugleich eine Ausgabe eines Unternehmens oder des Staates. Konsumausgaben werden zu Einnahmen von Unternehmen. Exporte verbinden die inländische Produktion mit der Nachfrage aus dem Ausland.
Im einfachen Wirtschaftskreislauf reichen Haushalte und Unternehmen aus, um die Grundbeziehung zwischen Produktionsfaktoren, Einkommen, Konsum und Produktion darzustellen. Geld- und Güterstrom verlaufen dabei bei Tauschvorgängen typischerweise in entgegengesetzte Richtungen.
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf berücksichtigt Sparen, Bruttoinvestitionen, Staat, Finanzsektor und Ausland. Dabei ist wichtig, reale Güter- und Leistungsströme von finanziellen Transaktionen wie Krediten zu unterscheiden.
Die Verbindung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vertieft das Verständnis. Die Formel BIP = C + I + G + (X – M) beschreibt die Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts. I steht dabei präzise für Bruttoinvestitionen. Die Formel ist keine Definition des Volkseinkommens.
Wer den Wirtschaftskreislauf wirklich verstehen möchte, sollte bei jedem Vorgang vier Fragen stellen: Wer leistet etwas? Wer erhält die Leistung? In welche Richtung fließt Geld? Handelt es sich um einen realwirtschaftlichen oder einen finanziellen Vorgang?
Mit dieser Denkweise wird der Wirtschaftskreislauf zu einer tragfähigen Grundlage für viele weitere Themen aus BWL und VWL – von Produktionsfaktoren und Preisbildung über Geldpolitik bis zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

