Ausbildung – Berufe mit Zukunft – Gesundheitswesen – Ausbildung zum Physiotherapeut: Voraussetzungen, Dauer, Inhalte, Vergütung & Stärken (Stand: 2025)
Ausbildung zum Physiotherapeut
Sie finden hier einen aktualisierten Überblick zur Ausbildung zum Physiotherapeut (Physiotherapeutin bzw. Physiotherapeut). Der Beitrag erklärt Ihnen kompakt und verständlich:
- Welche Aufgaben Physiotherapeuten im Alltag übernehmen und wo sie arbeiten.
- Welche Voraussetzungen Sie in der Regel erfüllen müssen (Schule, Gesundheit, ggf. Praktikum).
- Wie Dauer & Ablauf aufgebaut sind (Theorie, Praxis, Praktika).
- Welche Inhalte Sie lernen – von Anatomie bis Befund, Therapie und Dokumentation.
- Was bei Kosten und möglicher Vergütung realistisch ist – je nach Schule/Träger.
- Welche Stärken besonders helfen – plus Tipps für Bewerbung & Orientierung.
Am Ende finden Sie außerdem weiterführende Webseiten und passende Themen aus dem Gesundheitswesen.
Kurzüberblick
| Ausbildungsart | Schulische Ausbildung an staatlich anerkannten Schulen (oft Berufsfachschulen), plus praktische Ausbildung in Einrichtungen (z. B. Klinik/Reha/Praxis). |
| Dauer | In der Regel 3 Jahre (Vollzeit). Verkürzungen/Anrechnungen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. |
| Umfang | Mindestens ca. 2.900 Stunden theoretischer & praktischer Unterricht plus 1.600 Stunden praktische Ausbildung (bundeseinheitlicher Rahmen). |
| Abschluss | Staatliche Prüfung (schriftlich, mündlich, praktisch) & anschließend Erlaubnis zur Berufsbezeichnung „Physiotherapeut/in“. |
| Typische Einsatzorte | Physiopraxis, Krankenhaus, Reha-Klinik, Pflegeeinrichtungen, Sport/Prävention/Wellness, Betriebe (BGM). |
| Kosten/Vergütung | Je nach Schule/Träger: schulgeldpflichtig oder schulgeldfrei; ggf. Vergütung (z. B. bei Ausbildung an Kliniken). Zusätzliche Kosten (Lernmittel, Kleidung, Fahrten) einplanen. |
Aufgaben von Physiotherapeuten
Bei der Ausbildung zum Physiotherapeut lernen Sie, Menschen mit Beschwerden am Bewegungsapparat zu behandeln und ihre Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Belastbarkeit gezielt zu verbessern. Ihre Patienten können z. B. ältere Menschen, Verletzte nach Operationen, Personen mit chronischen Schmerzen oder Menschen mit neurologischen Erkrankungen und Behinderungen sein. Ebenso gehört Prävention (Beschwerden vorbeugen) häufig zum Berufsalltag.
Typische Tätigkeiten – abhängig von Praxis/Klinik und Schwerpunkt – sind unter anderem:
- Befunde erheben, Ziele definieren und Therapiepläne erstellen.
- Aktive Übungen anleiten (Mobilisation, Stabilisation, Kraft, Koordination) und Fortschritte überprüfen.
- Manuelle Techniken und Weichteiltechniken anwenden (je nach Qualifikation/Schwerpunkt).
- Physikalische Maßnahmen einsetzen (z. B. Wärme/Kälte, Elektro- und Hydrotherapie – je nach Einrichtung).
- Patienten beraten: ergonomisches Verhalten, Alltagsstrategien, Hilfsmittel, Eigenübungen.
- Dokumentieren und mit Ärzten sowie interdisziplinären Teams zusammenarbeiten.
Mögliche Einsatzgebiete und damit Branchen sowie Institutionen nach der Ausbildung sind Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Altenheime, die physiotherapeutische Praxis oder Vereine und Unternehmen im Bereich Wellness und Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM).
Voraussetzungen der Ausbildung zum Physiotherapeut
Die Ausbildung wird überwiegend in schulischer Form durchgeführt. Daher können die Voraussetzungen je nach Schule leicht variieren. Häufig gefragt sind neben dem Schulabschluss auch Nachweise zur gesundheitlichen Eignung.
- Schulabschluss: meist mittlere Reife (Realschule) oder eine gleichwertige Schulbildung. Alternativ: Hauptschulabschluss plus mindestens 2-jährige abgeschlossene Berufsausbildung.
- Gesundheitliche Eignung: häufig per ärztlichem Attest.
- Praktikum/Vorerfahrung: ein Vorpraktikum (z. B. in Praxis/Klinik/Pflege) ist oft hilfreich und teils gefordert.
- Weitere Unterlagen: manche Schulen verlangen ein (erweitertes) Führungszeugnis oder Impf-/Immunitätsnachweise (abhängig vom Einsatzort).
Tipp: Informieren Sie sich frühzeitig direkt bei der Schule, da Auswahlgespräche oder Aufnahmetests je nach Anbieter möglich sind.
Dauer und Ablauf der Ausbildung
Die Dauer der Ausbildung zum Physiotherapeut beträgt in der Regel 3 Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht sowie einer praktischen Ausbildung in geeigneten medizinischen Einrichtungen. Je nach Schule und Organisation wechseln sich Unterrichtsblöcke und Praxisabschnitte ab.
Der bundeseinheitliche Rahmen sieht einen umfangreichen Unterrichtsteil und eine praktische Ausbildung am Patienten vor. Unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. relevante Vorqualifikationen) können Anrechnungen oder verkürzte Ausbildungswege möglich sein – das ist jedoch immer ein Einzelfall.
Inhalte und Schwerpunkte der Ausbildung zum Physiotherapeut
Bei der Ausbildung zum Physiotherapeut stehen Therapie, Training und Rehabilitation im Mittelpunkt. Die Ausbildung ist in Theorie/Unterricht und praktische Ausbildung gegliedert – mit vielen Übungsanteilen, damit Sie Techniken sicher anwenden lernen.
Theoretische & praktische Unterrichtsphase
Sie lernen die Grundlagen von Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre und übertragen dieses Wissen auf physiotherapeutische Behandlungen. Typische Inhalte sind zum Beispiel:
- Anatomie & Funktion: Skelett, Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule, Schulter/Arm, Becken/Bein, Nervensystem.
- Befund & Dokumentation: Untersuchungsmethoden auswählen, Befunde erheben, dokumentieren und auswerten.
- Therapieplanung: Behandlungsziele formulieren und Therapiepläne strukturiert anfertigen.
- Behandlungstechniken: Bewegungstherapie/„Krankengymnastik“, Trainingslehre, Mobilisation, Weichteiltechniken.
- Physikalische Therapie: Wärme/Kälte, Elektrotherapie, Hydrotherapie (abhängig von Ausstattung/Schwerpunkt).
- Massage: Grundlagen, Indikationen und sicherer Einsatz je nach Krankheitsbild.
- Die Theorie und Praxis der Atemtherapie lernen sowie anwenden.
- Hygiene, Notfallmanagement, Kommunikation, Berufs- und Rechtskunde (inkl. Dokumentationspflichten).
- Lernen von Übungen, um die Gesundheit der Patienten zu fördern (Eigenübungsprogramme).
Praktische Ausbildung (Praxisphase)
In der praktischen Phase setzen Sie das Gelernte unter Anleitung in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen um. Sie arbeiten dabei mit Patienten, lernen Abläufe in Einrichtungen kennen und entwickeln Sicherheit im Befunden, Behandeln und Dokumentieren.
Typische Praxisfelder (Beispiele) sind:
- Orthopädie & Unfallchirurgie (z. B. Rücken, Schulter, Knie, postoperativ)
- Neurologie (z. B. Schlaganfall, Parkinson, MS)
- Innere Medizin / Atemwege (z. B. Atemtherapie, Ausdauer, Mobilisation)
- Geriatrie & Pädiatrie (z. B. alters- oder entwicklungsbedingte Einschränkungen)
- Rehabilitation und ambulante Praxis
Stärken von einem Physiotherapeut während der Ausbildung
Wer die Ausbildung zum Physiotherapeut erfolgreich absolvieren möchte, sollte Interesse an medizinischen Themen und Freude an Bewegung mitbringen. Wichtig sind außerdem soziale Kompetenzen – Sie arbeiten täglich eng mit Menschen zusammen.
- Die Flexibilität bzw. flexibel sein
- Die Kreativität bzw. kreativ sein (z. B. passende Übungen anpassen)
- Eigenständiges bzw. selbstständiges Arbeiten – plus Verantwortungsbewusstsein
- Geduld und Einfühlungsvermögen im Umgang mit Patienten
- Guter Umgang mit Kunden/Patienten und Serviceorientierung
- Gute körperliche Belastbarkeit (Sie arbeiten aktiv „am Menschen“)
- Interesse an Menschen, Anatomie und Therapie
- Gute Kommunikationsfähigkeit bzw. kommunikativ sein
- Konfliktfähigkeit & Teamfähigkeit (interdisziplinäre Zusammenarbeit)
- Motivation, Lernbereitschaft und Interesse an therapeutischem Wissen
Darüber hinaus erhalten Sie unter Stärken und Schwächen weitere Kompetenzen, welche für eine Ausbildung von Bedeutung sind.
Aussichten für die Zukunft nach der Physiotherapeut Ausbildung
Die Berufsaussichten nach der Ausbildung zum Physiotherapeut sind insgesamt gut: Physiotherapie wird in Prävention, Reha und Therapie breit benötigt – u. a. durch demografische Entwicklungen, mehr chronische Beschwerden und den steigenden Bedarf an Rehabilitation.
Wichtig: Arbeitsbedingungen und Bezahlung unterscheiden sich je nach Arbeitgeber (Praxis, Klinik, Reha, Tarifbindung), Region und Spezialisierung. Mit Weiterbildungen und klaren Schwerpunkten können Sie Ihre Chancen und Ihr Einkommen häufig verbessern.
Gehalt, Vergütung & Kosten
Während der Ausbildung: Da es sich meist um eine schulische Ausbildung handelt, gibt es nicht automatisch eine Ausbildungsvergütung. Es gibt jedoch Schulen/Träger (z. B. Kliniken), die eine Vergütung zahlen oder die Ausbildung schulgeldfrei anbieten. Klären Sie das immer direkt mit der jeweiligen Schule.
Kosten: Je nach Anbieter können Kosten für Lehrmittel, Kleidung und Fahrten anfallen – und ggf. (bei manchen Schulen) Schulgeld. Informieren Sie sich außerdem über mögliche Förderungen (z. B. BAföG/Schüler-BAföG, Bildungskredit), falls passend zu Ihrer Situation.
Nach der Ausbildung: Das Gehalt hängt stark von Arbeitgeber, Tarif, Berufserfahrung und Region ab. In Kliniken gelten häufig Tarifverträge, in Praxen unterscheiden sich Modelle und Verdienstmöglichkeiten stärker.
Weiterbildung & Studium
Nach dem Abschluss können Sie sich fachlich weiterentwickeln – je nach Interesse und Jobziel. Beliebt sind Spezialisierungen in Orthopädie/Chirurgie, Neurologie, Sportphysiotherapie, Atemtherapie oder Lymphdrainage. Zusätzlich gibt es (auch ausbildungsintegrierende) Studienwege in der Physiotherapie, die mit einem Bachelorabschluss verbunden sein können.
Bewerbungstipps
- Vergleichen Sie mehrere Schulen (Kosten, Praxispartner, Schwerpunkte, Lage, Bewerbungsfristen).
- Bereiten Sie typische Unterlagen vor: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, ggf. Praktikumsnachweise.
- Rechnen Sie mit Auswahlgespräch/Aufnahmetest (Motivation, Kommunikation, Grundverständnis Körper/Bewegung).
- Ein Praktikum vorab hilft, den Alltag realistisch kennenzulernen und überzeugt im Gespräch.
FAQ zur Ausbildung
Wie lange dauert die Ausbildung zum Physiotherapeut?
In der Regel dauert die Ausbildung 3 Jahre und besteht aus Unterricht sowie praktischer Ausbildung in medizinischen Einrichtungen.
Welche Prüfung muss ich am Ende bestehen?
Am Ende steht eine staatliche Prüfung, die in der Regel aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht.
Gibt es während der Ausbildung eine Vergütung?
Das ist unterschiedlich: Viele schulische Ausbildungen sind nicht automatisch vergütet. Es gibt aber Träger (z. B. Kliniken), die eine Vergütung zahlen oder schulgeldfreie Modelle anbieten. Fragen Sie direkt bei der Schule nach.
Weitere Informationen
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