Coaching – Methode der systemischen Fragen

Hier lernen Sie mehr zum Thema systemische Fragen im Coaching als Methode. Insbesondere zu den Arten der Fragen nach den Unterschieden und der Möglichkeit, so zum Beispiel die Wunderfrage, Skalierungsfrage, Problemfrage, lösungsorientierte Frage und weitere Fragen.

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Systemische Fragen im Coaching

Systemische Fragen als Tool im Coaching

Wenn im Coaching der Coach und der Klient einander auf Augenhöhe begegnen. Dann ist der Coachee Experte für sein System und der Coach ist Experte für die Führung des Gesprächs. Weiterhin für den lösungsorientierten Ansatz. Insofern ist das systemische Fragen ein Tool, welches dazu dient, dass der Gesprächspartner neue Möglichkeiten entdecken kann. Diese Fragen regen zum Nachdenken an und motivieren dazu, die eingefahrenen Bahnen zu verlassen.

Systemisches Coaching

Im systemischen Coaching zu arbeiten, erhöht die Komplexität des Prozesses erheblich. Sowohl für den Coachee als auch für den Coach. Denn das System kann Auslöser sein. Weiterhin kann die Handlung des Coachee im betroffenen System verursachend wirken und umgekehrt. Inhärent ist auch, dass Personen und Gruppen meist in eine Mehrzahl von Systemen eingebunden sind.

Die Familien, Firmen oder Freunde und dergleichen verlangen auch unterschiedliche Ansätze der Intervention. In der Arbeit mit Gruppen können systemische Fragen Diskussionen, die sich im Kreis drehen, eine neue Richtung geben. Ebenfalls kann man Denk-Blockaden auflösen.

Für den Coach, der den Einsatz systemischer Fragen plant, gibt es einige Punkte, die zu beachten sind. In einem ersten Schritt geht es darum, dass der Coach die Gesprächsführung übernimmt. Dies auch klar ausspricht und vereinbart. Sowohl im Gruppencoaching als auch im Einzelcoaching.

Bei systemischen Fragen, kann die Gefahr groß sein, dass man sie falsch versteht. Eindeutige Formulierungen sind wichtig, auch dass sich niemand persönlich angegriffen fühlt. Für den Coach heißt das auch, dass er auch bereit ist jene Flexibilität mitzubringen, die er von seinen Klienten einfordert. Auch dann, wenn möglicherweise unangenehme Lösungsansätze erarbeitet sind.

Definition zu systemische Fragen

Die folgende Auflistung stellt verwendbare Fragearten und systemische Fragen dar. Jede Art erfüllt eine Funktion und sie sind in der praktischen Anwendung oft miteinander kombiniert. Gemeinsam ist ihnen, dass man damit das Gespräch in eine sinnvolle Richtung lenken kann. Die meisten dieser Fragen werden als zirkuläre Fragen bezeichnet. Mit diesen wird ein Perspektivenwechsel eingeleitet. Man kann damit starre Wirklichkeitsgewohnheiten stören und Veränderungen erzeugen.

Das Verhalten ist sowohl verursachend als auch auslösend für neues Verhalten. Deswegen kann man sich diese Frageart auch als Spirale vorstellen, die sich immer weiter fortsetzt. Im Gegensatz dazu würde die Linearität stehen, die eher dazu geeignet ist, Checklisten zu bilden und Arbeitsschritte abzuhaken.

Systemische Fragen nach den Unterschieden

Bei der Frage nach den Unterschieden, wird der Coachee motiviert, sich vom Problem zu lösen. Man kann diese systemische Fragen in verschiedener Form einsetzen.

Klassifikationsfragen

Klassifikationsfragen: Damit wird auf mögliche Unterschiede in Bewertungen und Betrachtungen hingewiesen. Es können Reihen- und Rangfolgen gebildet werden um die Unterscheidung zu verdeutlichen. Zum Beispiel:

  • Was liebst du am meisten?
  • Was am wenigsten?
  • Wer kommt dir zustimmend oder ablehnend entgegen?

Skalierungsfragen

Skalierungsfragen: „Messbar machen, was nicht messbar ist“, hat schon Isaac Newton postuliert. Mit Skalierungsfragen gelingt diese Aufgabe im Coaching sehr gut und eröffnet gleichzeitig das Entwicklungspotenzial. „Wenn Sie auf einer Skala von 0 bis 10 ihre derzeitige berufliche Situation einschätzen, wo würden Sie sich dann einreihen?“, kann so eine Frage lauten. Und nachdem der Coachee seine Wahl getroffen hat, zum Beispiel mit vier. Dann kann die nächste Frage sein: „Und was sollte aus Ihrer Sicht passieren, damit Sie in xx Wochen sagen können, ich stehe jetzt auf sechs?

Prozentfragen

Prozentfragen: Präzisieren und differenzieren. „Wieviel Prozent Ihrer Energie widmen Sie Ihrem Beruf?“ oder „Zu wieviel Prozent haben sie ihr Ziel schon erreicht?“ Prozentfragen sind den Skalierungsfragen auch in der Fragestellung sehr ähnlich.

Übereinstimmungsfragen

Übereinstimmungsfragen: damit können Beziehungskonstellationen verdeutlicht werden. „Stimmen Sie der Vorgangsweise Ihres Kollegen zu?“. Diese Fragen können mit Skalierungs- oder Prozent – Fragen gut kombiniert werden.

Systemische Fragen und Subsystemvergleiche

Subsystemvergleiche: Unterschiede (vorher – nachher oder diese und jene) werden im aktuellen System verdeutlicht.

Fragen nach der Möglichkeitskonstruktion

Eine der leitenden systemischen Grundideen ist, dass die Wirklichkeit ein subjektiv konstruiertes Phänomen ist. „Ich bin frei, denn ich bin einer Wirklichkeit nicht ausgeliefert. Sondern kann sie gestalten“, lautet eine der Thesen von Paul Watzlawick. Im Coaching geht es darum, die Wirklichkeitskonstrukte des Coachees, oder auch des Systems, zu verdeutlichen. Fragen, die auf die Verbesserung oder auf die Verschlechterung des aktuelle Zustandes abzielen, sind dabei hilfreich.

Lösungsorientierung oder Verbesserung

Steve de Shazer vergleicht diese systemischen Fragen, mit einem Dietrich, der bei verschiedenen Schlössern passen kann und dadurch mehrfach verwendbar ist. Er spricht davon, dass Problemdiagnosen, die Probleme stabilisieren, während Lösungen von den Problemen losgelöst sind.

Das bedeutet, dass die Aufmerksamkeit auf das Problem gerichtet ist. Der Coachee sich damit die Chance nimmt, zu erkennen welche Handlungsweisen und Ressourcen zur Lösung des Problems führen können.

  • „Wenn das Problem nicht mehr da ist, was haben Sie dann anders gemacht?“
  • In welchen Fällen, ist das Problem bisher noch nicht aufgetaucht?

Um die innewohnenden Personen und Systeme, Stärken und Fähigkeiten zu erkennen, ist der Blick auf die Ressourcen hilfreich. Damit wird vom Problem abgelenkt und die Bedeutung sinkt.

  • „Was ist an der Situation gut, so wie sie ist, was soll genauso bleiben?“
  • „Was schätzen Sie am System, an sich selbst am meisten wert, worauf sind Sie stolz?“

Wunderfrage

Dem Coachee eine Wunderfrage zu stellen, kann ebenfalls Teil für ein systemisches Coaching sein. Das freie Phantasieren über mögliche Auswege aus dem Problem. Möglicherweise in mehreren Schleifen, wirkt oft wirklich Wunder, weil der Lösungsraum breit geöffnet wird.

  • „Angenommen, eine Fee würde über Nacht das Problem vollkommen lösen, was wäre dann am Morgen danach anders?“
  • „Woran würden Sie erkennen, dass das Wunder über Nacht geschehen ist?“

Mit der Wunderfrage kann oft auch hinterfragt werden, ob der problembehaftete Umstand, nicht doch ein Umstand ist, den man mag, weil er eine Ausrede bietet. Dann wäre ein Wunder gar nicht so hilfreich.

Systemische Fragen nach der Problemorientierung oder Verschlimmerung

Es kommt gar nicht so selten vor, dass Probleme künstlich am Leben erhalten werden. Die Identifikation dessen, der die aktive Rolle dabei spielt, verantwortlich ist dafür, ist eine wesentliche Hilfe um den Lösungsraum zu definieren. Der Fokus wird daher auf das Problem gerichtet, mit verschiedenen Scheinwerfern, um zu erkennen, wer ein Interesse daran hat, dass alles so bleibt wie es ist.

  • „Wem nützt es, dass alles so bleibt wie bisher?“
  • „Welchen Mehrwert, bietet die aktuelle Problemstruktur?“
  • „In welcher Form werden Sie das Problem verabschieden können, wenn es soweit ist?“
  • „Was würden die anderen denken, wenn sie merken, dass das Problem zurückgekommen ist?“
  • „Würde es Ihnen schwerfallen, das Gespräch so zu führen, als ob das Problem schon gelöst wäre? Wie würden Sie es dann führen?“

Um die Wirkungsweise systemischer Fragen umfassend darzustellen, ist mehr nötig als diese kurze Abhandlung. Jedenfalls sind systemische Fragen und Interventionen unkonventionell, sind im Alltagsverständnis noch nicht sehr tief verankert. Reguläre Fragen sind bekannt. Gerade deshalb wird der Coach systemische Fragen gut überlegt einsetzen, um nicht zu irritieren oder als Coach weniger ernst genommen zu werden.

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