Intrusion Detection System Test, Kriterien und Bewertung

WeiterbildungOnline lernenIT-SicherheitTest und Bewertung – Intrusion Detection System Test, Kriterien und Bewertung

In diesem Bereich finden Sie die einzelnen Testkriterien, nach denen Intrusion Detection Systeme (IDS) bewertet werden. Die Kriterien beschreiben Eigenschaften, Funktionsumfang und Praxistauglichkeit des IDS. Die Angriffe und deren Detailauswertung werden separat in der Kategorie Angriffsanalyse behandelt.

Damit die Bewertung nachvollziehbar bleibt, empfiehlt sich pro Kriterium eine einheitliche Struktur, z. B. Ziel, Prüffragen, Bewertungsaspekte und Beispiele.

Intrusion Detection System Test, Kriterien, Bewertung
Intrusion Detection System Test, Kriterien, Bewertung

Daten

Die Kategorie Daten ist zentral, weil ein IDS nur so gut ist wie die Datenbasis, die es auswerten kann, und wie zuverlässig diese Daten verarbeitet und gespeichert werden. Für eine differenzierte Beurteilung wird in Auditdaten, Datenanalyse und Verschlüsselung der Daten unterteilt.

Auditdaten

Ziel: Feststellen, welche Datenquellen das IDS tatsächlich nutzen kann und wie vollständig das Bild der Systemumgebung dadurch wird.

Worum geht es?
Auditdaten sind Informationen aus der System- und Netzwerkumgebung, die ein IDS zur Angriffserkennung heranzieht. Dazu zählen beispielsweise Windows-Event-Logs, Linux-Syslog/Journal, Firewall- und Proxy-Logs, DNS-Logs, Authentifizierungsdaten oder NetFlow/IPFIX.

Prüffragen:

  • Auf welche Log- und Ereignisdaten kann das IDS zugreifen (Netzwerk, Betriebssystem, Anwendungen, Cloud-Dienste)?
  • Unterstützt das System gängige Formate und Standards (z. B. Syslog, Windows Event Forwarding, CEF, JSON)?
  • Ist die Datenerhebung agentbasiert, agentlos oder beides?
  • Sind Zeitstempel, Quell- und Zielinformationen, Benutzerkontext und Prozessinformationen verfügbar?

Bewertungsaspekte:

  • Breite der Quellen: Je mehr relevante Quellen unterstützt werden, desto höher die Erkennungsqualität.
  • Tiefe der Daten: Reine Netzwerkdaten reichen oft nicht aus; Kontext (Benutzer, Prozess, Host) erhöht die Aussagekraft.
  • Zuverlässigkeit und Vollständigkeit: Mechanismen gegen Log-Verlust, Pufferung, Wiederholung bei Übertragungsfehlern.
  • Integrität: Schutz vor Manipulation (z. B. Signierung, Hashing, unveränderliche Speicherung).

Datenanalyse

Ziel: Beurteilen, welche Erkennungstechniken eingesetzt werden und welche Datentypen in welcher Qualität ausgewertet werden können.

Worum geht es?
Dieses Kriterium beschreibt, wie das IDS Angriffe erkennt (Signaturen, Anomalien, Verhaltensanalyse) und welche Daten analysiert werden können (z. B. Paketdaten, Protokolldaten, Host-Telemetrie, Applikationslogs).

Prüffragen:

  • Welche Erkennungsmethoden werden verwendet (signaturbasiert, anomaliert, heuristisch, regelbasiert, ML/UEBA)?
  • Welche Datenebenen werden analysiert (L2–L7, Host/Endpoint, Identitäten, Applikationen)?
  • Unterstützt das IDS Protokoll-Parsing (HTTP, DNS, SMB, TLS-Metadaten etc.)?
  • Wie geht das System mit False Positives / False Negatives um (Tuning, Baselines, Whitelists)?
  • Gibt es Korrelation über mehrere Quellen (z. B. Login + Prozessstart + Netzwerkverbindung)?

Bewertungsaspekte:

  • Erkennungsqualität: Trefferquote bei bekannten Angriffen, Robustheit gegen Umgehung.
  • Erklärbarkeit: Liefert das IDS nachvollziehbare Gründe (Indikatoren, Regeln, Korrelationen)?
  • Performance: Verarbeitung in Echtzeit vs. Batch, Latenz, Durchsatz.
  • Tuning-Fähigkeit: Möglichkeit, Regeln anzupassen, Noise zu reduzieren und Umgebungen zu berücksichtigen.

Verschlüsselung der Daten

Ziel: Prüfen, ob das IDS sichere Speicherung und sichere Übertragung unterstützt und wie sich Verschlüsselung auf Betrieb und Skalierung auswirkt.

Worum geht es?
Hier geht es nicht nur um „Verschlüsselung ja/nein“, sondern um die praktische Umsetzung: Verschlüsselung beeinflusst Datenschutz, Compliance und Skalierbarkeit (z. B. CPU-Last, Schlüsselmanagement, Suchperformance).

Prüffragen:

  • Werden Daten bei Übertragung (in transit) und bei Speicherung (at rest) verschlüsselt?
  • Welche Verfahren werden genutzt (z. B. TLS, AES) und sind diese konfigurierbar?
  • Wie wird Schlüsselmanagement umgesetzt (lokal, KMS/HSM, Rotation, Rollenrechte)?
  • Unterstützt das System Mandantenfähigkeit und getrennte Schlüssel je Organisation/Instanz?

Bewertungsaspekte:

  • Sicherheitsniveau: Moderne Standards, korrekte Implementierung, Auditierbarkeit.
  • Betrieblichkeit: Automatisierte Rotation, Backup/Restore, Disaster Recovery.
  • Skalierbarkeit: Auswirkungen auf Indexierung, Suche, Korrelation, Kosten.

Architektur

Die Architekturkriterien bewerten, wie gut sich das IDS in größeren Umgebungen betreiben lässt und ob Engpässe bei Sensorik, Datenhaltung oder Management entstehen.

Skalierbarkeit der Sensoren

Ziel: Prüfen, ob Sensoren flexibel verteilt und in heterogenen Netzen sinnvoll eingesetzt werden können.

Prüffragen:

  • Können Netz-, OS- und Server-Sensoren in mehreren Segmenten/Standorten betrieben werden?
  • Unterstützt das IDS zentrale Steuerung und verteilte Datenerfassung?
  • Gibt es Lastverteilung und Failover für Sensoren?
  • Wie aufwändig ist Rollout und Update-Management (automatisiert, zentral, manuell)?

Bewertungsaspekte:

  • Verteilbarkeit: Standorte, DMZ, Cloud, Hybrid.
  • Betrieb und Wartung: Patchbarkeit, Versionierung, zentrale Policies.
  • Resilienz: Ausfall einzelner Sensoren ohne Gesamtausfall.

Skalierbarkeit der Datenhaltung

Ziel: Bewerten, ob Speicherung und Verarbeitung mit Datenmengen wachsen können, ohne dass Analyse und Suche unbrauchbar werden.

Prüffragen:

  • Ist die Datenhaltung zentral, verteilt oder beides möglich?
  • Unterstützt das System horizontale Skalierung (Cluster, Sharding) und getrennte Rollen (Ingest, Storage, Search)?
  • Gibt es sinnvolle Retention- und Archivierungsfunktionen?
  • Wie werden Performance und Kosten bei hohen Datenraten kontrolliert?

Bewertungsaspekte:

  • Durchsatz und Latenz: Ingest pro Sekunde, Suchzeiten, Korrelationen.
  • Retention/Compliance: Aufbewahrungsfristen, Löschkonzepte, Nachweisbarkeit.
  • Kostenkontrolle: Storage-Tiering, Kompression, Aggregation.

Skalierbarkeit der Konsole

Ziel: Prüfen, ob Management und Auswertung auch bei vielen Systemen und Nutzern praktikabel bleibt.

Prüffragen:

  • Ist die Konsole zentral oder verteilt betreibbar?
  • Unterstützt das System Rollen- und Rechtemanagement (RBAC) für mehrere Teams?
  • Können mehrere Konsoleninstanzen parallel betrieben werden (z. B. für verschiedene Standorte)?
  • Gibt es Mandantenfähigkeit, falls mehrere Organisationseinheiten getrennt arbeiten?

Bewertungsaspekte:

  • Usability bei großer Umgebung: Filter, Dashboards, Suchfunktionen, Drilldowns.
  • Sicherheit: Protokollierung, MFA/SSO, fein granularer Zugriff.
  • Betriebsstabilität: Skalierung bei vielen parallelen Abfragen.

Systemumgebungen

Diese Kategorie prüft, ob das IDS in die vorhandene IT-Landschaft passt und welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind.

Betriebssysteme

Ziel: Sicherstellen, dass das IDS in den relevanten Systemlandschaften einsetzbar ist.

Prüffragen:

  • Welche Betriebssysteme werden unterstützt (Windows, Linux-Distributionen, macOS, Server-Varianten)?
  • Welche Versionen sind freigegeben, und wie lange wird Support zugesichert?
  • Ist Cloud/Container-Unterstützung vorhanden (Kubernetes, Docker, Cloud-Workloads)?
  • Gibt es Einschränkungen bei Features je Plattform?

Bewertungsaspekte:

  • Abdeckung: Vollständigkeit im Verhältnis zur eigenen Umgebung.
  • Support/Updates: Patchzyklen, LTS, Hersteller-Policy.

Hardwareanforderungen

Ziel: Prüfen, ob die Anforderungen realistisch sind und ob das System unter Last stabil bleibt.

Prüffragen:

  • Welche Mindest- und Empfehlungen gibt es für CPU, RAM, Storage, I/O?
  • Wie skaliert der Ressourcenbedarf mit Datenrate, Anzahl Sensoren und Retention?
  • Gibt es Benchmarks oder Richtwerte (Events/sec, GBit/s, Hosts)?
  • Sind Virtualisierung/Cloud-Ressourcen offiziell unterstützt?

Bewertungsaspekte:

  • Planbarkeit: Klare sizing-Guides, nachvollziehbare Richtwerte.
  • Effizienz: Ressourcenbedarf im Verhältnis zur Erkennungsleistung.

Kooperation mit Firewall

Ziel: Bewerten, wie gut das IDS mit Firewalls und angrenzenden Sicherheitskomponenten zusammenspielt.

Prüffragen:

  • Welche Firewalls werden unterstützt (Hersteller/Modelle/Logformate)?
  • Ist eine Integration über Logs, APIs oder direkte Policies möglich?
  • Können Events automatisch in Firewall-Regeln oder Blocklisten überführt werden?
  • Werden auch andere Systeme integriert (SIEM, SOAR, NAC, EDR)?

Bewertungsaspekte:

  • Integrationsgrad: Reine Log-Auswertung vs. aktive Steuerung.
  • Standardisierung: Nutzung etablierter Schnittstellen und Formate.
  • Fehlerrisiko: Schutz vor Fehlblockierungen, Freigabeprozesse.

Dokumentation

Ziel: Beurteilen, ob Installation, Betrieb und Fehlersuche zuverlässig möglich sind.

Worum geht es?
Gute Dokumentation reduziert Einführungszeit, Fehlkonfigurationen und Abhängigkeit von Einzelwissen.

Prüffragen:

  • Gibt es klare Installations- und Migrationsanleitungen?
  • Sind typische Szenarien beschrieben (Segmentierung, DMZ, Cloud, HA)?
  • Existieren Admin-Handbuch, Benutzerhandbuch, Troubleshooting, FAQ?
  • Wie aktuell ist die Dokumentation, gibt es Versionsbezug?

Bewertungsaspekte:

  • Verständlichkeit und Tiefe: Schritt-für-Schritt plus Hintergrundwissen.
  • Praxisbezug: Beispiele, Best Practices, konkrete Konfigurationen.

Limitationen

Ziel: Grenzen und Ausschlüsse transparent machen, um Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Prüffragen:

  • Welche technischen Grenzen gibt es (Durchsatz, Hosts, Events/s, Retention)?
  • Welche Protokolle oder Plattformen werden nicht unterstützt?
  • Gibt es Einschränkungen bei verschlüsseltem Traffic, Cloud-Workloads oder Containerumgebungen?
  • Welche bekannten Probleme sind dokumentiert (z. B. bei Updates, Parsern, Integrationen)?

Bewertungsaspekte:

  • Transparenz: Offen dokumentierte Limits sind besser als „Überraschungen“ im Betrieb.
  • Relevanz: Limits in Bezug auf die eigene Umgebung und Wachstumsplanung.

Benutzerschnittstelle

Ziel: Prüfen, ob Analyse und tägliche Arbeit effizient und fehlerarm möglich sind.

Prüffragen:

  • Ist eine grafische Oberfläche vorhanden, und wie intuitiv ist sie?
  • Gibt es leistungsfähige Suche, Filter, Zeitachsen, Pivoting und Drilldown?
  • Sind Dashboards, Berichte und Exportfunktionen verfügbar?
  • Können Workflows abgebildet werden (Ticketing, Kommentare, Fallmanagement)?

Bewertungsaspekte:

  • Bedienbarkeit: Wenige Klicks bis zur Ursache, klare Darstellung.
  • Effizienz: Schnelle Navigation, Favoriten, gespeicherte Abfragen.
  • Fehlervermeidung: Klare Warnungen, konsistente Begriffe, gute Defaults.

Intrusion Response

Ziel: Bewerten, wie ein IDS reagiert und wie gut es die operative Behandlung von Vorfällen unterstützt.

Prüffragen:

  • Wie sehen Alarmmeldungen aus (Detailtiefe, Kontext, Begründung, Rohdaten)?
  • Gibt es Priorisierung (Schweregrad, Confidence, Asset-Wert)?
  • Unterstützt das IDS automatische Gegenmaßnahmen (Block, Quarantäne, Session-Reset)?
  • Gibt es Benachrichtigungen (Mail, Syslog, SIEM, Webhooks) und Eskalationswege?

Bewertungsaspekte:

  • Qualität der Alerts: Verständlich, handlungsorientiert, mit Kontext.
  • Automatisierung mit Kontrolle: Gegenmaßnahmen mit Freigabeoptionen, Schutz vor Fehlalarmen.
  • Nachvollziehbarkeit: Audittrail für ausgelöste Reaktionen.

Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit

Ziel: Prüfen, ob das System mit neuen Bedrohungen und Umgebungsspezifika Schritt halten kann.

Prüffragen:

  • Können neue Signaturen/Regeln hinzugefügt, bestehende angepasst oder deaktiviert werden?
  • Gibt es Testmöglichkeiten (Regel-Simulation, Replay, Staging)?
  • Unterstützt das IDS eigene Parser, Datenquellen oder Erweiterungen (Plugins/APIs)?
  • Wie werden Updates ausgeliefert (Signaturfeeds, Versionsstände, Rollback)?

Bewertungsaspekte:

  • Flexibilität: Schnelle Anpassung an neue Angriffsmuster.
  • Betriebssicherheit: Änderungen kontrolliert und nachvollziehbar.
  • Community/Herstellerfeed: Qualität und Geschwindigkeit von Updates.

Preis

Ziel: Gesamtkosten realistisch bewerten, nicht nur Lizenzpreise.

Prüffragen:

  • Welche Lizenzmodelle gibt es (pro Sensor, pro Host, pro Durchsatz, pro Events/s)?
  • Welche Zusatzkosten entstehen (Support, Maintenance, Updates, Module)?
  • Welche Infrastrukturkosten fallen an (Storage, Rechenleistung, Netzwerk)?
  • Gibt es Kosten für Schulung, Betrieb, Tuning und Incident Handling?

Bewertungsaspekte:

  • Preis-Leistung: Verhältnis von Erkennungsqualität, Integrationen und Betrieblichkeit.
  • Total Cost of Ownership (TCO): Anschaffung + Betrieb über mehrere Jahre.
  • Skalierungskosten: Wie steigen Kosten bei Wachstum (Datenrate, Retention, Standorte)?

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