Betriebliche Altersvorsorge, Entgeltumwandlung, Kapitalanlagen, Vorteile und Nachteile

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Die betriebliche Altersvorsorge als Teil des 3 Säulen Modells

Betriebliche Altersvorsorge, Entgeltumwandlung, Kapitalanlagen, Vorteile und Nachteile
Betriebliche Altersvorsorge, Entgeltumwandlung, Kapitalanlagen, Vorteile und Nachteile

Seit dem Jahr 2002 hat jeder Arbeitnehmer, der in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert ist, Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge. Seit diesem Zeitpunkt stieg die Anzahl der Verträge zwar kontinuierlich, jedoch ist man mit 15 Millionen Verträgen im Jahr 2014 noch immer weit entfernt von einer flächendeckenden betrieblichen Vorsorge in Deutschland. Woran liegt das? Welche Vorteile und Nachteile hat die betriebliche Altersvorsorge und warum eignet sich diese Maßnahme nicht für jeden? Darüber hinaus lernen Sie mehr über die Entgeltumwandlung in unterschiedliche Kapitalanlagen, wie der Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage durch den Arbeitgeber.

Das 3 Säulen Modell der Altersvorsorge

Bevor es gesetzliche Pensionssysteme gab, wurde die Versorgung von älteren Menschen durch den Familienbund sichergestellt. Doch schon im 17. Jahrhundert gab es die ersten Ansätze von staatlichen Pensionssystemen, die mit den Jahren in immer mehr Staaten umgesetzt und ausgebaut wurden.

Seit den 1990er Jahren wird dabei in Deutschland der Fokus wieder vermehrt auf die individuelle Altersvorsorge gelegt. Dabei entstand das sogenannte „3 Säulen Modell“, welches sich auf folgende Eckpfeiler stützt:

  • Gesetzliche Rentenversicherung oder Pension
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Private Altersvorsorge oder die private Rentenversicherung

Gesetzliche Pension oder Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist die erste Säule des Pensionssystems in Deutschland. Sie wird von den Pflichtbeiträgen der Arbeitnehmer gespeist und direkt von deren Bruttolohn abgezogen, auch bekannt als die gesetzliche Rentenversicherung.

Diese Beiträge werden jedoch nicht angespart, sondern an die Rentner ausbezahlt, die im Augenblick in Pension sind. Dieses System nennt sich Umlageverfahren und ist auch unter dem Begriff „Generationenvertrag“ bekannt. Die Jungen kommen somit für die Alten auf.

Das offensichtliche Problem bei diesem Ansatz ist die Tatsache, dass es immer weniger junge Arbeitnehmer gibt, die für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Das führt nicht nur zu Kürzungen der Pensionshöhe, sondern auch zu einer stetigen Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters.

Um seinen Lebensstandard zukünftig auch in der Rente halten zu können, benötigen Menschen daher neben der gesetzlichen Pension oder Rente weitere Einkünfte.

Betriebliche Altersvorsorge

Die zweite Säule des deutschen Pensionssystems ist die betriebliche Altersvorsorge. Darunter versteht man eine freiwillige Leistung seitens des Arbeitgebers, welche dem Arbeitnehmer eine Zusatzrente ermöglicht. Die betriebliche Altersvorsorge kann dabei entweder vom Arbeitgeber alleine oder vom Arbeitnehmer alleine oder von beiden gemeinsam geschaffen werden.

Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge ist die dritte Säule im Pensionssystem und kann von jedem genutzt werden. Hierbei sorgen Privatpersonen über Versicherungen selbst für ihre Zusatzpension. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass das angesparte Geld oftmals schon vor Eintritt des Rentenalters zur Verfügung steht und im Vergleich zur betrieblichen Altersvorsorge in vielen Fällen geringeren steuerlichen Belastungen ausgesetzt ist.

Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge?

Bei der betrieblichen Altersvorsorge überweist der Arbeitgeber Beiträge direkt an die Altersvorsorge, um seinem Mitarbeiter eine Zusatzpension zu ermöglichen. Die Beiträge können dabei vom Unternehmen selbst kommen oder aber vom Mitarbeiter, der seinen Arbeitgeber anweist, eine bestimmte Summe seines Bruttogehalts zur Altersvorsorge zu veranlagen.

Die Organisation obliegt dabei vollkommen dem Unternehmen, wobei diese in einigen Fällen auch in den Tarifverträgen verankert ist. Im Gegensatz zur privaten Altersvorsorge entsteht dem Arbeitnehmer hierbei kein zusätzlicher Aufwand.

Entgeltumwandlung

Seit dem Jahr 2002 haben Mitarbeiter die Möglichkeit der Entgeltumwandlung. Sie können somit ihren Arbeitgeber anweisen, einen Teil ihres Bruttogehalts für die Pension zu verwenden.

Das kann über eine:

  • Direktversicherung,
  • über eine Pensions- oder Unterstützungskasse
  • oder über einen Pensionsfonds passieren.

Die steuerlichen Vergünstigungen betragen dabei bis zu 4 % des Bruttojahresgehalts. Dieser Betrag ist während der Ansparphase steuer- und sozialabgabenfrei. Die Höchstgrenze der begünstigten Beiträge liegt dabei im Jahr 2017 bei 3.048 Euro jährlich beziehungsweise 254 Euro pro Monat.

Für den Arbeitgeber entsteht durch dieses System der Vorteil, dass dieser für den veranlagten Betrag keine Lohnnebenkosten zahlen muss und somit einen steuerlichen Vorteil genießt.

Durchführungswege

Dem Arbeitgeber stehen bei der Veranlagung fünf unterschiedliche Optionen zur Verfügung, wobei das Unternehmen in der Wahl des Durchführungsweges nicht eingeschränkt ist.

Die Firma kann zwischen folgenden Durchführungswegen wählen:

  • Direktzusage der Firma an den Beschäftigten
  • Direktversicherung
  • Unterstützungskasse
  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
Direktzusage in Form von Rückstellungen

Direktzusagen, welche der Arbeitgeber leistet, werden nicht als Lohn betrachtet und sind daher frei von Steuer- und Sozialabgaben. Dies gilt jedoch nur, wenn der Arbeitgeber die Beiträge selbst bezahlt.

Wird eine Direktzusage als klassische Betriebsrente gewährt, so muss das Unternehmen für diese Beiträge Rückstellungen bilden. Diese Rückstellungen können je nach Unternehmensgröße sehr umfangreich werden. So hatte Siemens im Jahr 2014 beispielsweise Pensionsrückstellungen in der Höhe von 11,1 Milliarden Euro. Die Rückstellungen für die Rentenvorsorge stiegen somit innerhalb eines Jahres um 700 Millionen Euro. Detaillierte Informationen zur Direktzusage erhalten.

Direktversicherung, meist eine Lebensversicherung

Bei der Direktversicherung handelt es sich in den meisten Fällen um eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber zugunsten des Arbeitnehmers abschließt. Bezugsberechtigt sind dabei in der Regel der Mitarbeiter selbst und gegebenenfalls seine Hinterbliebenen. Detaillierte Informationen zur Direktversicherung erhalten.

Unterstützungskassen sind Vorsorgeeinrichtungen

Unterstützungskassen sind Vorsorgeeinrichtungen von Unternehmen, die rechtlich eigenständig sind und keiner staatlichen Aufsicht unterliegen. Sie eignen sich sowohl für Vorsorgezahlungen durch den Arbeitgeber als auch für Beiträge aus der Entgeltumwandlung. Detaillierte Informationen zur Unterstützungskasse erhalten.

Pensionskasse als selbstständiges Versicherungsunternehmen

Eine Pensionskasse ist ein selbstständiges Versicherungsunternehmen, welches als Aktiengesellschaft oder Verein geführt werden kann. Einzahlungen unterliegen hierbei jedoch einer steuerlichen Beschränkung. Detaillierte Informationen zur Pensionskasse erhalten.

Pensionsfonds höhere Rendite und höhere Risiken

Pensionsfonds wurden erst im Jahr 2002 eingeführt und zählen ebenfalls zu den Durchführungswegen. Dabei sind Pensionsfonds liberaler gestaltet und können einen größeren Teil ihrer Einlagen am freien Kapitalmarkt veranlagen. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf eine höhere Rendite, jedoch steigt mit dieser Chance auch das Risiko des Kapitalverlusts. Detaillierte Informationen zum Thema Pensionsfonds erhalten.

Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge

  • Vor allem in Niedrigzinsphasen ist es für Arbeitnehmer wichtig, in ihre Altersvorsorge zu investieren, da die geringen Zinsen die Rente kontinuierlich senken. Im Vergleich zur privaten Pensionsversicherung ist die betriebliche Altersvorsorge oftmals günstiger und es können höhere Renditen erzielt werden, als bei einer privaten Vorsorge. Zudem gewährt der Staat den Beteiligten in der Ansparphase steuerliche Vorteile.
  • Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass die angesparte Summe bei einem Jobwechsel von der Vorsorgekasse des alten Arbeitgebers in die Vorsorgekasse des neuen Arbeitgebers übertragen werden kann.
  • Auch bei einer längeren Arbeitslosigkeit kann das Amt nicht auf die Beiträge zugreifen. Das Geld ist somit sicher und kommt erst bei Antritt der Pension zur Auszahlung.
  • Schlussendlich haben Arbeitnehmer, welche die betriebliche Altersvorsorge nutzen den Vorteil, dass sie keinen zusätzlichen Aufwand haben, da die Organisation und Abwicklung vom Arbeitgeber übernommen wird.

Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

  • Durch den direkten Abzug des Vorsorgebeitrags aus dem Bruttogehalt sinken die Ansprüche der gesetzlichen Rente. Zudem sind die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge während der Sparphase zwar steuerbefreit, werden jedoch mit Antritt der Pension voll versteuert.
  • Die daraus entstehenden Belastungen können die Vorteile überwiegen. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente müssen für die betriebliche Altersvorsorge auch die vollen Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung abgeführt werden.
  • Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass viele kleine und mittlere Unternehmen die betriebliche Altersvorsorge gar nicht anbieten, da diese für sie mit einem zu hohen Organisationsaufwand verbunden ist.

Für wen lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge?

Aus den aufgezählten Vorteilen und Nachteilen wird klar, dass sich die betriebliche Altersvorsorge vor allem für Besserverdiener und Menschen mit einer privaten Krankenversicherung lohnt. Für diese Personengruppen bleibt ein Teil ihres Gehalts aufgrund der Bemessungsgrundlage steuerfrei. Zudem müssen keine zusätzlichen Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung entrichtet werden.

Für Durchschnitts- und Geringverdiener eignet sich die betriebliche Altersvorsorge nur dann, wenn der Arbeitgeber ebenfalls einen Teil der Vorsorgeleistung übernimmt. Sollte dies nicht der Fall sein, so kann eine private Vorsorge die sinnvollere Alternative sein, zumal diese auch schon vor Eintritt des Rentenalters aufgelöst werden kann.

Fazit

Mithilfe der betrieblichen Altersvorsorge können im Laufe der Zeit beträchtliche Summen für die Altersvorsorge angespart werden. Das System lohnt sich jedoch nicht für jeden, sodass es sinnvoll sein kann, vor Vertragsabschluss auf Basis der persönlichen Lebensumstände, alternative Vorsorgemöglichkeiten zu prüfen.

Insbesondere möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine Finanzberatung vornehmen. Sollten Sie einen Kredit oder eine Versicherung abschließen wollen, erkundigen Sie sich bitte bei einem Fachexperten für Finanzierungen.

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